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Straßenkinder für einen Tag [zurück zur Übersicht]

VorschauViele Kinder in der „Dritten Welt“ haben einen deutlich härteren Alltag als ihre Altersgenossen in Deutschland. Wie diese Kinder leben und was man tun kann, um ihnen zu helfen, lernten Schülerinnen der Jahrgangsstufe 9 am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium bei einem Projekt, das mit der Aktion „Straßenkind für einen Vormittag“ in der Fußgängerzone abschloss.

Im Rahmen der Fächer Sozialkunde und Sozialpraktische Grundbildung wurden die Schülerinnen mit den Themen „Kindheit und Entwicklung“ und „Randgruppen und Integration“ auf das Schicksal von Straßenkindern aufmerksam. Bald war das Interesse geweckt und der Plan geboren, in einer Aktion in der Öffentlichkeit das Thema praktisch und kreativ umzusetzen.
In Gruppenarbeit beschäftigten sich die Schülerinnen unter der Leitung von Studiendirektor Rolf Künstler mit den Themenkreisen „Straßenkinder“, „Kinderrechte“ und speziell mit „Haiti“ und der Hilfsorganisation „Haiti-Care“, der etwaige Spenden zukommen sollten. Mit dem Ziel, die Lebenssituation ärmster Kinder in Haiti zu verbessern, ist „Haiti-Care“ nicht erst seit dem Erdbeben 2010 tätig; unter anderem betreibt sie verschiedene Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, um ihnen Betreuung und Hilfe, Schul- und Ausbildung zu ermöglichen. „Wir versuchen erfolgreich zu verhindern, dass Kinder als Sklavenkinder missbraucht werden und später auf der Straße landen. Wir bieten von Anfang an eine Perspektive für Kinder und Jugendliche“, so der Gründer der Haiti-Hilfe Michael Kaasch in einem Schreiben an die DJDG-Mädchen.

Nach ausführlicher Recherche ging es an die Planung und praktische Vorbereitung der Aktion: Behördengänge und Anmeldung des Infostandes, Organisation des Pavillons, Zusammenstellung zweier Stellwänden, Basteln von Armbändern, Wutbällen u. a., Sammeln für einen Bücherflohmarkt und Kuchenbacken, um Spenden von Passanten zu erhalten. Einige Schülerinnen waren zudem bereit, symbolisch typische Arbeiten zu verrichten, mit denen sich Straßenkinder ihr Überleben sichern, und so bereitete eine Gruppe vor, in der Fußgägnerzone auch als Straßenmusiker, Jongleure und Schuhputzer aufzutreten.

Nach einer Generalprobe im Schulhof war es dann soweit. Zahlreiche Besucher des Infostandes in der Rathausstraße informierten sich über das Anliegen und spendeten auch für Haiti-Care. Insgesamt konnten damit 532 Euro an Haiti-Care weitergereicht werden.


Hintergrundinformation

Das verheerende Erdbeben 2010 kostete mehr als 200.000 Menschen in Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt, das Leben. Die Hauptstadt Port-au-Prince und weite Regionen lagen in Trümmern. Nur die Hälfte der ca.1,3 Millionen Obdachlosen fand in provisorischen Camps eine Notunterkunft. Die Situation der Straßenkinder in Haiti war und ist besonders prekär. Sie verdienen ihr Geld, indem sie mit einem Lumpen in der Hand Autos abstauben, betteln, Selbstgebasteltes und Süßigkeiten verkaufen; ab einem bestimmten Alter leben viele Mädchen von Prostitution und sind dabei dem hohen Risiko der Aidsinfektion ausgesetzt; manche von ihnen haben mit 18 Jahren schon drei Kinder. Zahlreiche Jugendliche sichern durch Stehlen, Rauben und Dealen ihr Überleben. An Schul- oder Berufsausbildung ist nicht zu denken. Nachts schlafen sie auf dem Boden der Bürgersteige, auf Treppenstufen oder unter Brücken. Schwierig wird es, wenn der tropische Regen fällt. Dann gibt es keinen Ort, an dem man trocken bleibt.


Interview mit Maria Riedl, DJDG

Warum habt ihr euch für die Kinder in Haiti eingesetzt?
Von der AG Shalom an der DJDS wissen wir, dass die Not in Haiti besonders groß ist und dass das Geld über Haiti-Care voll und ganz dort ankommt.

Was hat bei der Umsetzung des Projekts besonders Spaß gemacht?
Wir konnten in den Unterrichtsstunden sehr viel selbst organisieren und in Gruppen vorbereiten. Alle haben mitgemacht.


Wie haben die Passanten reagiert?
Viele haben gespendet und sich auch über das Projekt informieren lassen. Einige sagten, sie hätten gerade keine Zeit.

Was hast du deiner Meinung nach für später gelernt?
Ich weiß jetzt, wie man eine solche Aktion plant und was für einen Info-Stand alles wichtig ist. Im letzten Jahr hörten wir viel über Ehrenamt und Engagement in der Bürgergesellschaft; jetzt haben wir es selbst schon einmal ausprobiert.

(djd-Bericht/kün; Bilder: djd)
Juni 2015

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