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Janusz Korczak: "Der Blick ins Freie" [zurück zur Übersicht]

VorschauErziehung als weites Feld und als Herausforderung für Erzieher und Eltern präsentierte Siegfried Steiger, Vorsitzender der Deutschen Korczak-Gesellschaft, in einem informativen und kurzweiligen Vortrag in den Dr.-Johanna-Decker-Schulen. Damit wurde ein vielseitiger und spannungsreicher Abend aus Anlass der Eröffnung der Wanderausstellung „Janusz Korczak: Der Blick ins Freie“ eingeleitet.

Gestützt durch zahlreiche Karikaturen, Umfrageergebnisse und Fotografien schloss Steigers Blick dabei provokante Thesen zur aktuellen Bildungs- und Schulpolitik mit ein, z. B. in Bezug auf den Wechsel von der Wissens- zur Kompetenzorientierung, überbehütende „Helikoptereltern“ oder den ausufernden Gebrauch von Handy oder Internet durch Kinder und Jugendliche. Verschiedenste Ratgeber versuchen zwar Eltern und Erziehern bei Fragen der Entwicklung des Kindes Hilfestellung zu geben. Doch dies alles helfe jungen Menschen, so Steiger, nur wenig dabei, analytisches und kritisches Denken und Fähigkeiten zu Kommunikation und Kreativität zu entwickeln.
Den vielen modernen und kurzlebigen Bildungs- und Erziehungsansätzen stellte Steiger in beeindruckender Weise die heraussagende Rolle von Janusz Korczak gegenüber. Bereits vor über 100 Jahren entwickelte der polnische Pädagoge, Arzt und Schriftsteller in Theorie und Praxis in der Nachfolge der Reformpädagogen wie Johann Heinrich Pestalozzi eine dem Kind gerecht werden wollende Pädagogik, die ein auf weltlich-humanistischen und demokratischen Prinzipien beruhendes Erziehungs- und Schulprinzip einschließt. Zudem forderte er im Jahr 1919 die „Magna Charta Libertatis als ein Grundgesetz für das Kind“, d.h. die Einbeziehung und Aufnahme universeller Kinderrechte in nationales und übernationales Recht - eine Forderung, die erst in der UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1989 ihre Entsprechung findet.
Korczaks Grundrechtekatalog klingt einsichtig: Das Recht des Kindes „auf den heutigen Tag“ oder das Recht des Kindes auf Identität und Entfaltung seiner Persönlichkeit – sein erstes Grundrecht, „Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod“, bedarf aber der Erläuterung. Korczaks Schrift „Wie man ein Kind lieben soll“ verdeutlicht, dass Eltern und Erzieher sich oft scheuen, das Kind ein Risiko eingehen zu lassen, wobei Kinder dann jedoch keine eigenen Erfahrungen machen und folglich nichts daraus lernen können. Erziehung darf also nicht allen Wagnissen vorbeugen. Korczak betont, aus Furcht um das Kind angesichts der Risiken und Gefahren „entziehen wir es dem Leben, lassen wir es nicht richtig leben.“ Selbstbestimmung und Selbstständigkeit brauche aber Möglichkeiten zur Selbstentdeckung, Willensausübung und -ausbildung sowie die Freiheit zum Sammeln von Erfahrungen.
Im Blick auf sein von ihm konzipiertes und ab 1912 geleitetes Waisenhaus „Dom Sierot“ in Warschau formuliert der Pädagoge die Aussage, die auch der Ausstellung im Gerhardinger-Saal der Decker-Schulen den Titel gibt: „Das Kind braucht Bewegung, Luft, Licht – einverstanden, aber auch etwas anderes. Den Blick ins Freie, das Gefühl der Freiheit – ein offenes Fenster.“ Diese Sehnsucht des Kindes nach den ihm zustehenden „Frei-Räumen“ und „Frei-Zeiten“ gelte es zu bewahren und in der Wertschätzung der Kinder erfüllbar zu machen.
Korczak resümiert, dass nur durch die Reform der Erziehung auch die Welt reformiert werden könne und legt 1934 in seiner Schrift „Wer kann Erzieher werden?“ grundlegende Anforderungen an die Erzieherpersönlichkeit nieder:
„Wer Kinder nicht liebt, kann sie nicht erziehen. Wer sich mit sich selbst beschäftigt, für den interessieren sich Kinder nicht. Und der, für den sich Kinder nicht interessieren, ist nicht geeignet, sie zu erziehen.“ Korczaks Liebe zu den ihm anvertrauten 200 Kindern führte ihn 1942 mit in die Gaskammer von Treblinka, als er seine Schützlinge nicht im Stich lassen wollte.

Ein weiterer Aspekt des Abends war die Zusammenschau der kreativen Auseinandersetzung zweier Künstler mit Korczak.
Der 92-jährige israelische Maler und Bildhauer Itzchak Belfer, bis 1939 Waisenhausbewohner und letzter noch lebender Zögling Korczaks, macht seine Zeitzeugenschaft in den zahlreichen Bildern und Skulpturen zu seinem Lebensthema. Der 1989 geborene Jacob Steiger, Student der Bildenden Künste, erläuterte im Anschluss seinen durch Belfers Erzählungen gewonnenen indirekten Zugang zur Person Korczaks, der ihn seinerseits zu zahlreichen Zeichnungen, Malereien und Collagen führte.
Einfühlsame Poesie von J. Korczak und S. Steiger, eindrucksvoll dargeboten von Alexa Eberle, und die musikalische Umrahmung durch die Gitarristen Christoph Becker und Christian Möller sprachen Geist und Herz an und machten den Abend zu einem gelungenen besonderen Ereignis. Zahlreiche Schulklassen werden sich in den kommenden Wochen noch durch die Ausstellung über Janusz Korczak informieren.

(djd-Bericht/kün, 18.10.2015; Bilder: djd)

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