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Dr. Fritz Gerlich - vom Skeptiker zum Gläubigen [zurück zur Übersicht]

VorschauIn der Reihe „Vorträge im Gerhardinger-Saal“ sprach Dr. Rudolf Voderholzer über den Geschichtswissenschaftler, Journalisten und überzeugten Christen Dr. Fritz Michael Gerlich, der wegen seines Widerstands gegen Hitler ermordet wurde.

Der Bischof von Regensburg betonte zu Beginn, im Rahmen dieser Ausführungen nicht in bischöflicher Autorität zu sprechen. Doch Person und Werk des mutigen Journalisten sind Dr. Voderholzer seit vielen Jahren ein Anliegen, wie Oberstudiendirektor Jehl auch in seiner Begrüßung anklingen ließ. Der Scharfsinn und die Weitsicht Gerlichs zeigten sich daran, so Dr. Voderholzer, dass er die Gefahr, die von Hitler und der Weltanschauung des Nationalsozialismus ausging, schon lange vor anderen durchschaute, sogar bevor das nationalsozialistische Regime noch die Macht an sich gerissen hatte.

In Regensburg ehrte man das Andenken an den bedeutenden Mann am raschesten. Bereits im August 1945 wurde eine Straße nach dem Märtyrer benannt, der in der Nacht vom 30. Juni/1. Juli 1934 in Dachau nach 15-monatiger Haft und brutaler Misshandlung erschossen wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschienen auch Publikationen über Gerlich, die jedoch kein breites Echo fanden.

Fritz Gerlich, 1883 in Stettin geboren – am 15. Februar, auf den Tag genau 134 Jahre vor dem Vortrag –, war ein kritischer Geist, der sich das Leben in vielerlei Hinsicht nicht leicht machte. Er studierte in München Geschichte und schloss seine Promotion im Jahr 1907 ab. Dem jungen Mann, der zwar calvinistisch erzogen worden war, aber mit Religion wenig anzufangen wusste, erschien die verbreitete katholische Gläubigkeit der Münchener mit ihren Kirchenfesten und Prozessionen beeindruckend. Seine politische Einstellung war zunächst national, ja sogar nationalistisch. Eine Bewerbung zum Kriegsdienst 1914 scheiterte wegen seiner Sehschwäche. Er setzte sich in der Folge intensiv mit dem Kommunismus auseinander und bezeichnete ihn als eine Art neue Religion, als Heilslehre. Im Alter von 38 Jahren wurde er aufgrund seiner scharfsinnigen Analysen Chefredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“ (des Vorgängers der „Süddeutschen Zeitung“). In einer persönlichen Begegnung lernte er Adolf Hitler kennen, der ihn für sich gewinnen wollte. Gerlich erkannte Hitler sogleich als schwer egozentrische Persönlichkeit – er habe nur monologisiert – und sei ein „zu keinem Gedankenaustausch fähiger Mensch“. Der sog. „Hitlerputsch“ von 1923 „heilte ihn endgültig von jeder Begeisterung“ für die Nazi-Version des Nationalismus, wie Dr. Voderholzer formulierte.

Durch einen Bericht in seiner eigenen Zeitung wurde Gerlich auf Therese Neumann, die „Resl von Konnersreuth“, aufmerksam. Er war äußerst skeptisch und wollte den angeblichen „Schwindel“ um sie persönlich aufdecken, um die Zeitung vor dem Vorwurf zu bewahren, sie sei unseriös. Was er jedoch nicht erwartet hatte: Die Begegnung mit Therese Neumann machte aus dem kritisch-intellektuellen Journalisten einen gläubigen Christen. Resl von Konnersreuth wurde sogar eine wichtige Ratgeberin Gerlichs in maßgeblichen Fragen. So riet sie Fritz Gerlich, den Kampf gegen den Nationalsozialismus aufzunehmen, auch wenn dieser Kampf vergeblich sein werde.
Gerlich verfasste – nach seinem Ausscheiden aus den Münchener Neuesten Nachrichten im Streit mit der Verlagsleitung – ein 700 Seiten starkes Buch über das Phänomen Therese Neumann und trat am 29.09.1931, dem Michaelstag, in die katholische Kirche ein. Dr. Rudolf Voderholzer zeichnete Gerlichs Weg zum Glauben nach und hob die Rolle von Erzbischof Michael von Faulhaber hervor, der Gerlich stützte und sich für ihn einsetzte. Faulhaber spendete dem Katholiken Gerlich am 9.11.1931 das Sakrament der Firmung, und Gerlich wählte sich als neuen zweiten Vornamen den Namen des Erzengels Michael.

Detailliert und anschaulich schilderte Dr. Voderholzer, wie Gerlich inzwischen das „Skandalblättchen“ „Der illustrierte Sonntag“ aufkaufte und allmählich zu einer beachteten politischen Publikation umbaute, in der er in nicht zu verkennender Deutlichkeit vor den Konsequenzen der NS-Ideologie warnte: „Der Nationalsozialismus ist eine Pest“, so lautete eine Schlagzeile am 31. Juli 1932. Die Illustrierte war mit dem neuen Haupttitel „Der gerade Weg“ versehen worden. Dieser Titel hat seinen biblischen Grund in Apg 9, der Bekehrungsgeschichte des Paulus, über die von Faulhaber bei Gerlichs Firmung predigte.

Dr. Voderholzer deutete Gerlichs Einsatz als „leuchtendes Beispiel für (…) verantwortungsvollen Umgang mit der Macht der veröffentlichten Meinung“. Der mutige Journalist ließ sich auch durch Morddrohungen nicht einschüchtern, und so wurden schließlich am 9. März 1933 die Redaktionsräume des „Geraden Wegs“ von der SA verwüstet und Gerlich selbst schwer misshandelt und inhaftiert. Nach über einem Jahr in Gefangenschaft, in dem man versuchte, durch Folter und Misshandlung die Namen von Informanten zu erfahren, wurde er Ende Juni 1934 im KZ Dachau erschossen.

Dr. Rudolf Voderholzer zeigte sich vor allem beeindruckt von der Unbeirrtheit, mit der Fritz Michael Gerlich seine Haltung vertrat, mit der er seine Verachtung für die Nationalsozialisten ausdrückte und die Notwendigkeit für sich annahm, gleichsam als überzeugter katholischer Märtyrer für die Wahrheit und die gute Sache zu leiden und zu sterben.

Das Publikum im gut gefüllten Gerhardinger-Saal der Dr.-Johanna-Decker-Schulen folgte dem Vortrag des Regensburger Bischofs mit gespannter Aufmerksamkeit und hoher Konzentration. Anhaltender Beifall zeigte, dass die Zuhörer die Darstellung von Gerlichs Lebensweg und Prinzipien zu schätzen wussten.

Der nächste Vortrag der Reihe findet am Mittwoch, 22. März um 19 Uhr statt. Thema ist dann das „Turiner Grabtuch“, das als Nachbildung in Originalgröße während des Vortrags im Gerhardinger-Saal ausgestellt sein wird.

(djd-Bericht vom 16.02.2017/rip; Bild: djd)

Ergänzend weisen wir hin auf den
Bericht auf der Homepage des Bistums Regensburg.

Klicken Sie auf ein Bild, um das ganze Album anzuzeigen.

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