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Krebstherapie mit moderner Physik (Vortrag) [zurück zur Übersicht]

VorschauDr. Judith Reindl hielt zum Thema "Moderne Physik und ihr Beitrag zur Krebstherapie" einen spannenden Vortrag im Rahmen der Reihe "Vorträge im Gerhardinger-Saal. Dies war gleichzeitig der erste Vortrag aus dieser Reihe, der von einer DJD-Absolventin (Abiturjahrgang 2007) gehalten wurde.

So ungewöhnlich ist das Arbeitsgebiet von Dr. Judith Reindl, dass es eigentlich noch gar keine offizielle Bezeichnung für die Kombination von Bereichen gibt. Mit „Medizinische Strahlen-Bio-Physik“ sei es aber ganz gut umschrieben, meint sie mit einem Augenzwinkern.

Die junge Wissenschaftlerin, die am Institut für Angewandte Physik und Messtechnik der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr in München forscht, präsentierte im Rahmen der Reihe „Vorträge im Gerhardinger-Saal“ ihre Arbeit, in der sie mit moderner Physik einen Beitrag zur Krebstherapie leistet. Dr. Reindl war damit als erste Absolventin des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums mit einem Vortrag an ihrer ehemaligen Schule zu Gast.

Das Anliegen ihrer Forschung ist es, besser zu verstehen, wie die DNA-Reparatur durch den eigenen Körper beim Menschen funktioniert, und dieses Wissen für die Therapie nutzbar zu machen. Die herkömmliche Methode, Tumore zu bestrahlen, erfolgt durch Röntgenstrahlen, die zwar durchaus wirksam sind, aber auch mit Nebenwirkungen einhergehen, denn diese Strahlen schädigen auch das Gewebe vor und hinter dem Tumor, der das eigentliche Ziel ist. Ein Fortschritt der modernen Medizintechnik ist bereits die Bestrahlung durch Teilchen, die den Vorteil hat, dass das Gewebe hinter dem Tumor nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Ansatz von Dr. Judith Reindl und ihrer Gruppe war es nun, eine Methode zu entwickeln, mit der auch das Gewebe vor dem Tumor möglichst geschont wird. Zu diesem Zweck erfanden sie die Bestrahlung mit Teilchen in gebündelten „Mini-Beams“, bei der die Strahlen zunächst in Nadelspitzengröße durch die Haut gesendet werden, und erst im Gewebe verbreitern sich die Strahlen, bis sie dann im Tumor selbst genauso effektiv auftreffen wie bei der bisher verwendeten Methode.

Für die Vorstellung dieser innovativen Therapie-Idee erhielt sie mit ihrem Team eine Auszeichnung für die „Beste wissenschaftliche Präsentation“ der Europäischen Strahlenbiologischen Gesellschaft 2017.

Den experimentellen Nachweis für das Funktionieren der „Mini-Beams“ führte die Gruppe um Dr. Reindl am 14-MV-Tandem-Beschleuniger im Maier-Leibniz-Laboratorium in Garching. Dabei wurde an Versuchstieren (Mäusen) gezeigt, dass die Mini-Beams so gut wie keine schädigenden Nebenwirkungen haben.

Um Zellen zu untersuchen und nachweisen zu können, ob und wie es zu Schädigungen kommt, arbeitete Dr. Reindl an einem höchstauflösenden STED-Mikroskop. Für die Entwicklung dieser Untersuchungsmethode hatte Prof. Stefan Hell 2014 den Nobelpreis für Chemie verliehen bekommen. Für ihre Untersuchungen mit diesem Mikroskop zeichnete die Gesellschaft für biologische Strahlenforschung Deutschland Dr. Judith Reindl mit dem „Best Paper Award 2017“ aus.

Das Ziel der aufwendigen und ausgetüftelten Untersuchungen sei es letzlich, personalisierte Therapie für Krebspatienten und Krebsrisiko-Patienten zum Standard zu machen. Um zu verdeutlichen, was das in der Praxis heißt, griff Dr. Reindl zu einem prominenten Beispiel. Die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie hat sich, da sie das sogenannte Brustkrebsgen in sich trägt, 2013 beide Brüste abnehmen lassen, um einer Tumorbildung vorzubeugen. Die personalisierte Therapie der Zukunft würde solch eine drastische prophylaktische Maßnahme überflüssig machen, da sie der betreffenden Frau präzise Auskunft geben könnte, wie es um ihren Körper steht.

Im Anschluss an ihren Vortrag beantwortete Dr. Reindl noch geduldig interessierte Fragen aus dem Publikum. Der Leiter der Dr.-Johanna-Decker-Schulen, Oberstudiendirektor Günter Jehl, bedankte sich herzlich für den faszinierenden Einblick in die Welt der „Medizinischen Strahlen-Bio-Physik“ mit einem kleinen Präsent.

(djd-Bericht vom 23.02.2018/rip; Bilder: djd)

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