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Das Turiner Grabtuch - Schulleiter Jehl referierte [zurück zur Übersicht]vom 29.03.2017, 18:43 Uhr

VorschauIn der Reihe „Vorträge im Gerhardinger-Saal“ sprach Oberstudiendirektor Günter Jehl über das Turiner Grabtuch, das nach seinen Worten „eines der faszinierendsten, spannendsten und wohl in punkto interdisziplinäre Forschung das am intensivsten studierte und untersuchte Objekt der Welt“ ist.

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Nachtrag vom 08.05.2017:
Der Regionalsender TVA Ostbayern hat für seine Sendung "Horizonte - unterwegs in Kirche und Gesellschaft" am 7. Mai 2017 einen etwa zweiminütigen Bericht in den DJD-Schulen gedreht, der am Anfang der Aufzeichnung dieser halbstündigen Sendung online zu sehen ist. Der Beitrag mit Interviews, in denen Oberstudiendirektor Günter Jehl sowie einige Schülerinnen zu Wort kommen, beginnt mit der Anmoderation bei 00:29 (also nach knapp einer halben Minute) und endet bei 03:03.

TVA Ostbayern: "Horizonte" vom 7. Mai 2017

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Jehl stellte einführend den zahlreichen Besuchern als Besonderheit die originalgetreue Nachbildung des Turiner Grabtuchs vor, die sich im Besitz von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer befindet. Dieser hat das Faksimile den DJDS für fünf Wochen zur Verfügung gestellt, damit alle Schülerinnen diese besondere Ikone kennenlernen können.

Die Sindonologie, also die Wissenschaft, die sich mit der Echtheitsprüfung und der Datierung des Turiner Grabtuchs beschäftigt, suche Antworten auf die drei zentralen Fragen, gab der Schulleiter zur Orientierung an: Wann entstand das Turiner Grabtuch? Wie entstand es? Wer ist darauf zu sehen?
Dabei sei stets der u. a. von Papst Johannes Paul II. betonte Spannungsbogen zwischen Glaube und Wissenschaft – fides et ratio – zu berücksichtigen.

Auf dem ca. 4,37 m langen und 1,11 m breiten, im Original sehr wertvollen Leinentuch sieht man neben den auffallend großen Brandflecken von 1532 und Wasserspuren das schattenhafte Abbild eines Mannes, der nach seinem Tod in das Tuch gelegt wurde. Gerichtsmediziner und Ärzte haben neben menschlichem Blut auch die Leichenstarre nachgewiesen, allerdings keine Spuren von Verwesung festgestellt. Dies deutet auf eine kurze Berührungszeit zwischen Tuch und Leichnam hin.

Historisch gesichert ist, dass sich das Turiner Grabtuch seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa befindet. Jehl erläuterte zudem interessante Indizien, die auf dessen Existenz bereits im 12. Jahrhundert schließen lassen. Dazu gehören Berichte von der Plünderung Konstantinopels während der Kreuzzüge sowie vor allem eine Miniatur in den Aufzeichnungen des nach dem ungarischen Historiker György Pray benannten „Codex Pray“ (1192-1195). Diese Zeichnungen zeigen Details von fehlenden Daumen und den L-förmig angeordneten sog. „poker holes“, die tatsächlich in gleicher Weise auf dem Grabtuch zu sehen sind.

Einschneidend für die Grabtuchforschung war das Jahr 1898, als das Turiner Grabtuch zum ersten Mal fotografiert wurde. Der Fotograf Secondo Pia entdeckte dabei, dass das Negativ die realistische Hell-Dunkel-Verteilung des Abbilds wiedergibt. Folglich ist auf dem Tuch eigentlich ein Negativ-Bild zu sehen.
Eindeutig sind jedoch Gesichtsverletzungen, Kopfverletzungen wie durch eine Dornenhaube, zahlreiche Geißelungsspuren, Nagelungswunden im Handwurzelbereich und an den Füßen sowie eine Stichwunde in der rechten Seite zu identifizieren. Dem Gekreuzigten sind allerdings nicht die Beine gebrochen wurden. Diese Details und die Tatsache, dass der Mann im Turiner Grabtuch trotz des schändlichen Kreuzigungstodes ein ehrenvolles Begräbnis erhielt, sind einmalige Besonderheiten.

Alle Einzelbeobachtungen zeigen zudem eine eindrucksvolle Übereinstimmung mit den Evangelien, insbesondere mit der Passionsgeschichte des Johannes-Evangeliums.

Oberstudiendirektor Jehl nannte weitere Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen des Gewebes, die bemerkenswert sind. Auf dem Turiner Grabtuch wurden keinerlei Farbpigmente gefunden, so dass ein „gemaltes Bild“ als Erklärung ausscheidet. Dagegen erbrachte eine Analyse eines kleinen Abschnitts des Grabtuchs Spuren von 58 unterschiedlichen Pollenarten, die u. a. von Pflanzen aus dem gesamten Mittelmeerraum, aus dem Nahen Osten und aus der Umgebung von Jerusalem stammen, und die z. T. auch nur dort vorkommen. Dies legt die Vermutung nahe, dass das Tuch im Laufe seiner Existenz eine entsprechende Reise durch alle diese Gebiete vollzogen hat.

Im Jahr 1988 stellte man mithilfe der C14-Untersuchung fest, dass das Turiner Grabtuch zwischen 1260 und 1390 hergestellt worden sei. Diese Aussage werde mittlerweile von vielen Fachleuten unter Hinweis auf grundsätzliche Schwierigkeiten dieses Messverfahrens u. a. wegen der starken Verschmutzung des Tuchs über die Jahrhunderte massiv angezweifelt. Tatsache ist, dass eine alleinige Bewertung durch diese Radiokarbonmethode nicht seriös ist. Allerdings – so der Referent – habe dieses „vermeintliche Endergebnis“ nicht nur Einzug in die Schulbücher gehalten, sondern auch die öffentliche Meinung maßgeblich geprägt.

Mathematische Abschätzungen ergeben aber heute, dass hypothetisch unter 200 Milliarden Gekreuzigten es nur einen geben könne, auf den alle besonderen Merkmale des Gekreuzigten des Turiner Grabtuchs zutreffen. Der Referent zitierte Prof. Barberis von der Universität Turin, der dies so ausdrückte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann von Turin Jesus von Nazareth ist, erscheint äußerst groß.“

Abschließend betonte Günter Jehl, dass aus der Sicht eines gläubigen Christen, für den die Auferstehung Jesu Christi ein zentrales Glaubensgeheimnis ist, der Abdruck auf dem Turiner Grabtuch eben durch die Auferstehung durchaus plausibel ist. Insofern kann dieses Tuch nicht nur zum Nachdenken über Jesus Christus, sondern auch zur Betrachtung seiner Passion einladen. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, ob es tatsächlich das Grabtuch von Jesus Christus ist, wenngleich es aufgrund der Gesamtschau unterschiedlichster Forschungsergebnisse sehr wahrscheinlich ist.

Mit lang anhaltendem Beifall dankte das Publikum dem Schulleiter für seinen informativen und anschaulichen Vortrag.

Im Laufe der vergangenen Wochen hat Oberstudiendirektor Jehl bereits zahlreichen Klassen aus DJD-Realschule und -Gymnasium das wertvolle Faksimile erläutert, das (außer bei dem Abendvortrag) in der Hauskapelle des ehemaligen Klostertrakts ausgestellt ist.

Auch andere Amberger Schulklassen sind nach Anmeldung zur Besichtigung eingeladen.

(djd-Bericht vom 24.03.2017/kün; Bilder: djd)

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