Blaue Barke

Blaue Barke 2011

Im Schuljahr 2011 konnten die Schülerinnen
zwischen den Themen „Daheim“ und „Ganz spontan!“ wählen.

Die "Blaue Barke" wurde Anja Richter (G 10b) für
ihren Text "Der Beginn eines Werks" (s.u.) zuerkannt.

2. Plätze wurden verliehen an: Christina Pirner
(G 8b), Jasmin Hierl (R 8b), Stefanie Spiegel
(Q 12).

3. Plätze: Lisa Schug (R 5a), Franziska
Rubenbauer (R 5a), Marina Grasser (R 6b),
Valentina Berr (G 6c), Sara Rehm (G 6c), Anja
Preitschaft (G 7b), Magdalena Lottner / Marina Lukezic (G 9a)

Die Jury war von der Qualität der Arbeiten sehr
angetan und gratulierte den Siegerinnen herzlich.

Es folgt nun der Siegertext von Anja Richter,
darauf folgen die Beiträge von Christina Pirner und von Jasmin Hierl.


Der Beginn eines Werks

„Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen.“
Ebenso wie Nicole Kidman als Virginia Woolf in
dem Film „The Hours“ sank ich in die weichen
Kissen meines Stuhls zurück und ließ die Worte
auf mich wirken. lch starrte an die
gegenüberliegende Wand und fuhr mir, wie ich es
nachdenkend immer tat, mit der Hand über das Kinn und die Lippen.
„Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber
kaufen“, wiederholte ich in Gedanken. Es war der
ersten Satz aus dem Bestseller „Mrs. Dalloway“.
lch hatte mir ihr Buch gekauft, nachdem meine
Klasse und ich den Film dazu gesehen hatten.
„Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen.“
Wow, dachte ich, wirklich beeindruckend. Von
meiner Deutschlehrerin wusste ich, dass Virginia
Woolfs erster Satz ihr immer besonders am Herzen
lag und ich erinnerte mich auch an die Szene im
Film, als Virginia zu ihrem Mann herunterkam und
ihm sagte: „Ich glaube, ich habe meinen ersten
Satz.“ Auch wenn es nur der Ausdruck des
Drehbuchautors des Films war, der ihn geschrieben
hatte, so konnte ich mir doch genau den
Wortwechsel von den beiden daheim am
Frühstückstisch vorstellen. Das Zitat schien
perfekt zu ihrer Persönlichkeit zu passen.
Es klang, als hätte sie sich Tage, ja schon
Wochen darüber Gedanken gemacht, und das war eine
Tatsache, die ich noch staunenswerter fand, als
die Worte an sich selbst. Die meisten anderen
würden diesen Satz einfach lesen und sogleich
wieder vergessen, wie von jedem x-beliebigen Buch
auch. Aber das war kein gewöhnliches Werk, kein
gewöhnlicher Satz. Das war etwas Besonderes. Doch
nur derjenige, der selbst die Liebe zum Schreiben
und die Komplexität eines solchen Verfahrens
kennt, kann diesem Satz den Respekt und die
Bewunderung zollen, den er verdient.
„Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber
kaufen.“ Virginia Woolf hatte etwas vollbracht,
etwas, das ich - seitdem ich ihn zum ersten Mal
gelesen hatte - auch vollbringen wollte. Sie
hatte es geschafft, in ihrem ersten Satz, mit nur
neun Wörtern, bereits zu klären, um wen es ging,
nämlich um eine Frau namens Dalloway, die des
weiteren verheiratet war; also folgt darauf die
Frage, ob sie sich mit ihrem Mann unterhält.
Ferner enthüllt Virginia Mrs. Dalloways Absicht,
Blumen zu kaufen. Doch in diesem Fall liegt die
Betonung vor allem darauf, dass sie die Blumen
selbst kaufen möchte, was bedeutet, dass sie eine
Vorliebe für Blumen hat und dass sie sie
normalerweise kaufen lässt, vermutlich von einer
Hausangestellten, wenn man die Zeit bedenkt. Auf
dieses Weise wird klar, dass Mr. und Mrs.
Dalloway einer höheren gesellschaftlichen
Stellung innewohnen müssen, um sich Dienstmädchen
leisten zu können. Wenn dies zutreffend ist,
erkennt der Leser, dass Mrs. Dalloway
wahrscheinlich eine Party, eine Kaffeezeremonie
o. ä. abhalten möchte. In diesem Zusammenhang
baut Virginia gleichzeitig Spannung auf.
Aus welchem Grund gibt Mrs. Dalloway eine Party,
vielleicht für eine Beförderung ihres Mannes, die
Verlobung ihrer Tochter, hat sie überhaupt
Kinder? Warum will sie dann die Blumen selber
kaufen, müsste sie nicht genug mit den anderen
Vorbereitungen zu tun haben? lst der Florist etwa
der Grund? Könnte er ihr heimlicher Geliebter
sein? Wenn ja, warum ist sie dann unglücklich mit
ihrem Mann. Schlägt er sie etwa? Ist er
Alkoholiker? Oder ist sie eine solch strenge
Hausherrin, dass sie ihren Dienern das Kaufen von
Blumen nicht zutraut? Eventuell plante sie gar
keine Party, vielleicht brauchte sie die Blumen
für ein Grab. Ist dann ein Familienangehöriger
gestorben oder ein Freund? Wurde ihr der Verlust
sodann erst gerade eben mitgeteilt oder ist es schon eine alte Wunde...
All diese Fragen gründen nur auf diesem einzelnen
Satz. Ein ganz normaler Satz und doch so
umfassend wie ein halbes Werk. Wer würde ein Buch
weglegen, das einen allein bei dem Beginn schon
so an sich zieht und den Geist mit solch vielschichtigen Fragen beschäftigt.
Nur wenige Bücher - wie z. B. Kafkas Prozess, mit
dem Satz Jemand musste Josef K. verleumdet hoben,
denn ohne dass er etwas Böses getan hatte, wurde
er eines Morgens verhaftet oder Charles Simmons
Salzwasser, der sich für die Worte entschied 1963
verliebte ich mich und mein Vater ertrank -
liefern sich so schonungslos dem Leser aus, um
ihn darauf brennend vor Neugierde weiterlesen zu
lassen. Sie legen alle Fakten auf den Tisch, man
glaubt sie sofort. lm Grunde weiß man schon
alles, aber man sieht es noch nicht. Als würde
der Autor dem Leser eine Tür öffnen und in einen
großen Raum schieben, in dem alles dunkel ist.
Man ahnt durch das spärliche Licht, das hinter
einen in den Raum scheint, die Umrisse der Möbel
zu sehen. Hier vielleicht ein Tisch dort ein
Bett. Doch man sieht nur ihre Schatten, aber
nicht ihre Farben, ihre Konturen. Die Gedanken
wandern, aber sie kennen die Richtung noch nicht.
Sie folgen den Spuren, die sie zu erkennen
glauben. Doch Licht kann man in diesem Raum erst
entzünden, wenn man das Buch zu Ende gelesen hat.
Und das wird man. Wie kann man auch ein Werk zur
Seite legen, wenn es mit solchen Worten anfängt:
„Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen.“

Anja Richter (G 10b)




Mecht hoam

Es is dunkl,
es is kold,
i woas niat,
wou hi!
Nirgns is a schüldl,
wou I lesn kannt,
wous hi gäiht.
Ich mecht,
valurn in da Dunklheit,
alloa im nirgenswou,
eifach zruck.
I woas goa niat, wou i bin,
Mei oanziger Wunsch is,
hoam zu finna,
dou hi, wou da worme Ofa wort.

Christina Pirner (G 8b)




Das neue Zuhause

Sie blickte nach unten, tief in die Straßen, in
die Straßen die ihr vertraut waren.
Sie sah ihre Familie im Vorgarten sitzen.
Ihre Mutter, ihren Vater und ihre kleine Schwester.
Sie wollte hinunter schreien, aber dann wurde ihr
klar, dass sie es eh nicht hören würden.
Sie ließ ihren Blick zur Schule schweifen.
Sie mochte die Schule damals nicht, doch jetzt
würde sie alles dafür geben, wieder in den Unterricht gehen zu können.
Nun sah sie zur Wohnung ihrer besten Freundin Marita.
Diese saß auf ihrem Bett und betrachtete gerade ein Bild von ihr.
Marita lächelte erst, dann sprach sie etwas: „Wie
schön es doch wäre, wenn du wieder da wärst!“
„Ich vermisse dich auch!“, dachte sie sich.
Sie blickte weiter umher und sah ihren Lieblingsplatz auf der Wiese.
Sie erinnerte sich gerne an all ihre schöne Zeit daheim.
Doch jetzt hat sie ein neues Zuhause. Sie fühlte
sich hier auch wohl, doch vermisste sie ihre Freunde und Verwandten.
Sie winkte nun von ihrer Wolke der Sonne zu und
schwebte zurück in das Paradies.

Jasmin Hierl (R 8b)

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