Blaue Barke

Blaue Barke 2012

Kinder und Jugendliche chatten und simsen lieber, als dass sie einfach schreiben – PC- und TV-Konsum hemmen ihre Fantasie und verdrängen ihre Kreativität?
Dass dies nicht so sein muss, zeigte sich bei der Preisverleihung und Lesung der „Blauen Barke 2012“ an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen. Zum 13. Mal wurde der literarische Schreibwettbewerb durchgeführt, an dem sich wieder weit über 100 Schülerinnen einzeln oder im Team beteiligten.
Wie jedes Jahr luden die Deutschlehrer mit verschiedenen Themen die Mädchen der Realschule und des Gymnasiums ein, Originalität und Schreibkompetenz unter Beweis zu stellen.
Sowohl die Themen „Courage“, „15 Minuten“ als auch „Was mir die Blumen erzählen“ ermöglichten es, Kurzgeschichten, Gedichte, Kommentare und Glossen zu verfassen. Ein vorgegebener Erzählanfang als viertes Thema baute literarische Anspielungen ein: „Als Valerie eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, stellte sie in ihrem Bett fest, dass sie Flügel hatte.“
Nach einer halbstündigen Lesung einiger Siegertexte überreichten die Schulleiterin OStD’ i.K. Renate Gammel und die Deutsch-Fachbetreuer Rolf Künstler und Monika Weber Urkunden und Büchergutscheine.


Platz 1
● Hannah Wagner, R 5c
„Blaue Barke 2012“

● Carolin Felden, R 7c

Platz 2
● Maria Mitrov, G 6a
● Nicole Ott, Q 11
● Anja Richter, Q 11

Platz 3
● Kathrin Ederer, G 5a
● Magdalena Neidl, G 6b
● Anne Winter, G 6a

Lobende Anerkennung
● Maria Müller, G 9b


Fünfzehn Minuten

Als Susi morgens aufwachte, sah sie auf den Wecker und erschrak. „Oh nein, schon 6.45 Uhr, nur noch 15 Minuten bis mein Bus geht!“
Papa war schon aus dem Haus und Mama hatte wohl auch vergessen, ihren Wecker zu stellen. Blitzschnell huschte Susi zu ihrer Mutter ins Schlafzimmer. „Mama, Mama“, rief sie, „wir haben verschlafen! Nur noch eine Viertelstunde, dann fährt mein Bus!“
Schnell spurtete ihre Mutter hinunter in die Küche und richtete das Pausenbrot. Susi rannte inzwischen ins Bad, putzte ihre Zähne, zog sich an und hetzte ebenfalls hinunter.
Hier sah sie wieder auf die Uhr - nur noch zehn Minuten!
Jetzt musste sie noch ihre Schultasche packen. Mathematik, Deutsch, Englisch, Erdkunde und zwei Stunden Sport standen heute auf dem Stundenplan. Zunächst packte sie ihre Sportsachen ein, anschließend ihre Hefte und Bücher. „Nun habe ich alles - nein, mein Erdkundebuch fehlt!“, durchfuhr es sie. ,,Mama, wo ist mein Erdkundebuch“?, rief Susi. Doch Mutter antwortete, dass es nicht wisse.
Wieder sah Susi auf die Uhr und stellte erschrocken fest, dass sie nur noch acht Minuten Zeit hatte.
Aufgeregt suchten Susi und ihre Mutter nach dem Buch. Da entdeckte Susi ihren kleinen Bruder Tim, der mittlerweile ebenfalls wach geworden war. Er saß im Wohnzimmer und sah sich ganz interessiert die Bilder im Erdkundebuch an. „Tim, gib mir mein Buch, ich muss in die Schule!“, schrie sie ihren Bruder an. Rasch packte Susi es ein und hatte nun endlich alles zusammen. Gott sei Dank hatte ihre Mutter bereits das Pausenbrot für sie eingepackt.
Nun blieben ihr noch vier Minuten.
Eigentlich wollte Susi heute ihre neue Jacke anziehen, aber diese war noch verpackt und es blieb keine Zeit mehr sie auszupacken. Susi riss irgendeine Jacke aus dem Schrank und zog sie über. Hastig schlüpfte sie in ihre Stiefel, die sie noch nicht einmal richtig zugebunden hatte, als sie aus dem Haus rannte. "Tschüss Mama!", rief sie. Ihre Mutter konnte kaum noch antworten, da war sie auch schon weg.

Sie hetzte zur Haltestelle. Als sie dort ankam, fuhr der Schulbus bereits an. "Oje, jetzt bin ich doch zu spät", dachte sie. Glücklicherweise hatte ihre Freundin Kathi sie noch gesehen und konnte rechtzeitig Halt schreien. Der nette Busfahrer hielt sofort an und ließ Susi noch einsteigen. "Nun habe ich meinen Fahrausweis auch noch vergessen", erklärte sie dem Fahrer. Dieser winkte sie jedoch lächelnd weiter, da er Susi ja kannte.

Ohne Frühstück und total erschöpft ließ sich Susi auf den Sitz neben Kathi fallen. "Fünfzehn Minuten können so langsam vergehen, wenn man warten muss, aber verdammt schnell, wenn man verschlafen hat", erklärte sie ihrer Freundin.

Hannah Wagner (R 5c)



15 Minuten

man könnte erst mal denken das ist wenig Zeit, aber in diesen 15 mickrigen Minuten kann sich alles entscheiden.
In 15 Minuten kann die Erde zweimal beben.
In 15 Minuten kann ein Schüler seine Hausaufgaben abschreiben.
In 15 Minuten kann ein neues Kind geboren werden und ein alter Mensch sterben.
In 15 Minuten kann sich ein Sekundenzeiger der Uhr 900 mal bewegen.
In 15 Minuten wurde ich mit meiner Mutter ins Behandlungszimmer gerufen und durfte warten.
In 15 Minuten kann eine Elternpaar die restlichen Weihnachtsgeschenke einpacken.
In 15 Minuten kann ein Songwriter einen neuen Hit schreiben.
In 15 Minuten kann ein Kind sein Zimmer aufräumen.
In 15 Minuten hat mein Arzt mir gesagt, dass ich Krebs habe.
In 15 Minuten kann man sich ein Essen zubereiten.
In 15 Minuten hat er ebenfalls gesagt, dass Chemo oder eine OP nicht mehr sinnvoll sind.
In 15 Minuten kann eine Frau sich schminken.
In 15 Minuten fiel mir meine Mutter um den Hals und weinte.
In 15 Minuten sagte mir mein Arzt, dass ich mein Leben noch genießen sollte.
In 15 Minuten erklärte er mir, was eigentlich so Unzerstörbares in mir wuchs.
In 15 Minuten sollte ich verstehen, dass mir nicht mal mehr ein Jahr blieb.
In 15 Minuten fiel meine Mutter in Ohnmacht.
In 15 Minuten holte der Arzt eine Schwester, die sich um meine Mutter kümmerte.
In 15 Minuten rief mein Arzt meinen Vater an.
In 15 Minuten war mein Vater beim Arzt.
In 15 Minuten weinten mein Vater und meine Mutter.
In 15 Minuten sagte ich kein Wort.
In 15 Minuten versuchte ich mich mit meinem Tod abzufinden.
In 15 Minuten stellte ich mir den Himmel vor.
In 15 Sekunden beschloss ich zu leben und zu kämpfen.
In 15 Jahren wurde ich eine Ärztin und helfe nun anderen Menschen –
und in 15 Minuten habe ich Mittagspause.

Nicole Ott (Q 11)



Valeries Erlebnis

„Valerie!“, ertönte eine Stimme aus dem finsteren Wald hinter mir. Erschrocken fuhr ich herum. „Valerie!“ - da war es schon wieder. „Wer ist da?“, brüllte ich mit panischer Stimme. „Valerie!“ Ängstlich und gleichzeitig erwartungsvoll starrte ich in die Richtung, aus der ich die Stimme vernommen hatte. Plötzlich trat eine geflügelte Gestalt zwischen den Bäumen hervor. Sie leuchtete und war wunderschön. Meine Mutter. „Mum!“, rief ich und rannte auf die Frau am Waldrand zu. „Valerie“, antwortete sie leise. "Was machst du hier?“, fragte ich, nachdem ich sie erreicht hatte. "Ich bin wegen dir gekommen“, flüsterte sie. „Aber du bist tot!“, erwiderte ich fassungslos. „Ja“, antwortete sie und lächelte, als wäre das hier das Natürlichste auf der Welt. „Los komm, wir müssen weiter“, sagte sie, „hier bist du nicht sicher!“ „Vor wem bin ich nicht sicher? Was ist hier los?“, brüllte ich, doch meine Mutter war schon losgerannt. „Folg mir einfach!“, rief sie mir zu und ich tat, was sie sagte. Bald ließen wir den Wald hinter uns und eine tiefe Schlucht, die wie aus dem Nichts aufgetaucht war, lag plötzlich vor uns, „da müssen wir runter, Valerie!“, ordnete meine Mutter an. „Was?“ Panisch warf ich einen Blick in den Abgrund. „Ich kann da nicht runter springen! Ich lebe noch!“, rief ich schockiert. „Valerie, wir haben nicht mehr viel Zeit!“, entgegnete meine Mutter. „Ich kann das aber nicht!“, brüllte ich. Doch sie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen: „Vertrau mir einfach“, sagte sie und blickte mich durchdringend an. Schon nahm sie meine Hand, sprang und riss mich mit sich in die Tiefe.

Wie vom Blitz getroffen fuhr ich in meinem Bett auf. „Es war nur ein Traum. Nur ein Traum“, versuchte ich mich selbst zu beruhigen, doch die Bilder von meiner toten Mutter gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Schwerfällig ließ ich mich wieder nach hinten fallen und bereute es sofort. Es fühlte sich so an, als würde ich irgendwas an meinem Körper zerquetschen. Doch dort hinten war nichts, zumindest sollte da nichts sein.

Vorsichtig tastete ich meinen Rücken ab und stieß tatsächlich plötzlich auf etwas Weiches oder etwas Fedriges. Eilig schwang ich mich aus meinem Bett und tappte zum Spiegel. Doch auf das, was ich sah, war ich nicht vorbereitet: Von meinen Schultern aus hingen zwei knielange Flügel herab! Dieser Anblick verpasste mir einen Schock, sodass ich laut aufkreischte und quer durch unsere Hochhauswohnung rannte. „Dad!“, brüllte ich, doch ich bekam keine Antwort. „Dad, was ist mit mir los?“. Stille. Mein Vater war in keinem unserer Zimmer zu finden, also beschloss ich auf ihn zu warten. Niedergeschlagen trottete ich in mein Zimmer und betrachtete meine riesigen Flügel. Diese waren von weißen Federn besetzt und sahen aus, wie die Flügel von Engeln. Oder die von meiner Mutter. Ich fragte mich, ob ich mit ihnen wohl fliegen konnte, doch im Moment war ich viel zu geschockt, um es auszuprobieren. Nach einiger Zeit war mein Vater immer noch nicht zurück, also beschloss ich einen Termin bei unserem Arzt zu machen. Nachdem ich Dr. Nicks Nummer im Telefonbuch gefunden hatte, gab ich sie ein und wartete einen Moment. Für einen Augenblick dachte ich schon, Dr. Nicks Praxis hätte in den Winterferien nicht geöffnet, doch zu meinem Glück ging eine der Arzthelferinnen an das Telefon.
„Praxis Dr. Nick, was kann ich für Sie tun?“, sagte sie mit gelangweilter Stimme. „Hier ist Valerie Schmidt und ich habe Flügel!“, platzte ich heraus. „Wie schön“, antwortete sie gereizt. „Aber wenn du jemanden reinlegen willst, ruf woanders an!“ „Nein, ich meine es ernst! Sie waren heute Morgen einfach da!“, rief ich. „Ja klar und auf Wiederhören!“, erwiderte die Arzthelferin und legte sofort auf.

Trotz dieser Abfuhr schlüpfte ich in meine Turnschuhe und zog meine Winterjacke soweit zu, wie es möglich war. Mit einem riesigen „Buckel“ auf dem Rücken und hervorstehenden Flügelspitzen machte ich mich auf den Weg zur U-Bahn-Station. Ich kam mir ziemlich blöd vor, als ich unser Hochhaus verließ und hoffte, so wenig Leute wie möglich zu treffen.

Als ich später in der U-Bahn saß und auf dem Weg ins Stadtinnere war, hatte ich schon einige verwirrte Blicke eingefangen, woraufhin ich nur auf den Boden starrte. Der Waggon, in dem ich saß, war glücklicherweise beinahe leer gefegt und ich war fast unglücklich, als ich schließlich aussteigen und mich in die Menschenmenge begeben musste. Schließlich hatte ich mein Ziel erreicht und klingelte bei Dr. Nicks Arztpraxis.

Eine Frau öffnete mir die Tür und blickte verwundert auf mich herunter. „Hast du dich etwa verlaufen?“, fragte sie mitleidig. „Äh, nein“, antwortete ich, „ich habe vorhin angerufen.“ Offensichtlich war diese Frau die Arzthelferin, mit der ich vorhin telefoniert hatte, denn sie sagte: „Ach, du bist das Mädchen mit den Flügeln. Also, was ist dein Problem?“ „Mein Problem sind die Flügel.“, sagte ich leise und trat ein. Während mich die Arzthelferin mit irritiertem Blick beobachtete, zog ich mir die Jacke aus und präsentierte meine Flügel. „Die sehen ganz schön echt aus!“, rief die Frau und grinste mich spöttisch an. „Das kommt daher, dass sie echt sind!“, antwortete ich. „Zeig mal her!“, flötete sie, marschierte auf mich zu und tastete meine Schultern nach Bändern oder Gummis zur Befestigung der Flügel ab. Doch natürlich fand sie nichts. Fassungslos starrte sie auf die Stellen, an denen die Flügel aus meinen Schultern wuchsen. Kurz flackerte etwas Rotes in ihren Augen auf. „Das ist ein interessanter Fall!“, murmelte sie.

„Komm, ich bringe dich zum Doktor.“ Sie nahm mich bei der Hand und führte mich in eines der Arztzimmer. „Dr. Nick, das müssen Sie sich ansehen!“, mit diesen Worten verschwand sie. Nun war der Arzt persönlich damit beschäftigt, meine Schultern abzutasten. „Spürst du das?“, fragte er und tippte gegen meinen Flügel. „Ja“, antwortete ich. „Wissen Sie, wieso ich die Flügel habe?“, fragte ich erwartungsvoll. „Nein, keine Ahnung“, meinte er, während er meine Flügel betrachtete. „Warte einen Moment, ja?“, sagte er dann, „nicht weglaufen!“ „Ähm ... Okay“, antwortete ich verwundert, da es meiner Meinung nach keinen Anlass zum Weglaufen gab. Es dauerte nicht lange, bis Dr. Nick mit schnellen Schritten den Raum betrat. Ich hatte erwartet, dass er mich weiter untersuchte, doch das, was er jetzt tat, haute mich beinahe vom Stuhl. Hinter sich holte Dr. Nick eine Kettensäge hervor und ließ sie auf mich herunter sausen. Gerade noch rechtzeitig wich ich zur Seite aus und starrte ihn erschrocken an. „Was zum Teufel soll das werden?“, brüllte ich ihn an. „Deine Flügel gehören ab“, rief er, wobei seine Augen ebenso rot funkelten wie die der Arzthelferin hinter ihm. Voll Panik stürzte ich nach vorne und rannte, so schnell ich konnte, aus dem Zimmer. Gerade, als ich zum Ausgang flüchten wollte, eilte die Arzthelferin herbei und versperrte mir den Ausweg. Planlos lief ich an ihr vorbei, verschwand in einem der anderen Räume, warf die Tür hinter mir zu und schob hastig einen Stuhl unter die Klinke. Was sollte ich jetzt tun? Aufmerksam sah ich mich im Raum um. Im Schrank verstecken kam nicht in Frage. Anscheinend blieb das Fenster als einziger Fluchtweg übrig. Ohne nachzudenken, riss ich es auf und kletterte auf den äußeren Fenstersims. Vorsichtig machte ich darauf ein Paar Schritte, wobei ich mich so dicht wie möglich an die Wand drückte. Plötzlich konnte ich hören, wie Dr. Nick an der Zimmertür rüttelte. Für einen Moment hatte ich schon geglaubt, entkommen zu sein, doch leider war dieser geisteskranke Arzt klug genug, um seine Kettensäge zu benutzen. Mit lautem Kreischen durchtrennte er die Tür und trat ins Zimmer. Vom Fenstersims aus belauschte ich, wie er den Raum durchstöberte. Wäre ich im Schrank geblieben, wäre ich diesem Irren gegenüber bereits verloren. Offensichtlich hatte er das geöffnete Fenster bemerkt, denn er kam mit langsamen, bedrohlichen Schritten näher. Für einen Augenblick war ich wie gelähmt, doch nun entfernte ich mich Schritt für Schritt vom Fenster. Schließlich hatte ich die erste Kante des Gebäudes erreicht und schob mich eilig dahinter. Der Sichtschutz beruhigte mich allerdings kein bisschen. Vorsichtig lugte ich um die Ecke, um mich sofort wieder zurückzuziehen, da auch Dr. Nick gerade aus dem Fenster gesehen hat. Hat er mich gesehen? In der Hoffnung, dass er sich wieder in das Haus verzogen hat, blickte ich ein weiteres Mal um den Rand. Doch was ich sah, versetzte mich in Panik: Der verrückte Arzt stand ebenfalls auf dem Fenstersims und kam geradewegs auf mich zumarschiert. Was sollte ich jetzt tun? Ich suchte nach einem Ausweg, doch ich fand keinen anderen, als zu springen. Zum Glück war Dr. Nicks Praxis im ersten Stock und der Boden war nur ca. dreieinhalb Meter unter mir. Ich hätte es schlimmer haben können, doch trotzdem war das Risiko groß, mir etwas zu brechen. Ob mir meine Flügel jetzt helfen können? Nach kurzem Zögern überwand ich mich schließlich und sprang.

Ich landete in der Erde des Blumenbeetes unter mir und rollte mich ab. Zufrieden stellte ich fest, dass ich unversehrt war. Doch die Flügel hatten dabei keine Hilfe geboten. Sie waren zu gar nichts zu gebrauchen. Das einzige, was sie taten, war dafür zu sorgen, dass mich zwei Menschen töten wollten. Ohne mich nochmals umzudrehen, rannte ich davon. Das was Dr. Nick jetzt tat, wusste ich nicht. Ich kümmerte mich auch nicht darum, sondern versuchte nur soweit wie möglich von ihm wegzukommen. Die Häuser flogen nur so an mir vorbei, während ich vor diesem Irren floh.

Nach einer Weile des Rennens war ich schließlich so erschöpft, dass ich mich schwer atmend gegen eine Hausmauer lehnte. Plötzlich fiel mir auf, dass sich die Menschen um mich langsam auf mich zu zubewegen schienen. Bildete ich es mir ein, oder war das die Wirklichkeit? Da flackerte etwas Rotes in den Augen einer Frau auf und ein Mann zückte ein Messer. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass das hier keine Einbildung war. Wie vom Blitz getroffen, fuhr ich von der Mauer hoch und rannte los. Konnte es wirklich sein, dass der bloße Anblick meiner Flügel dafür sorgte, dass sich alle Menschen in blutrünstige Zombies verwandeln? Orientierungslos lief ich durch unbekannte Straßen und schmale Gassen, um diesen Leuten zu entfliehen, die hinter mir her waren. Jedes Mal, wenn sich eine Frau, ein Mann oder sogar ein Kind in meiner Nähe befand, versteckte ich mich voller Panik hinter einer Mülltonne oder einem Gebüsch. Am liebsten wäre ich in die Wildnis geflüchtet, wo es niemand anderen gab außer mir. Als ich schließlich eine weitere Gasse durchquert hatte, fiel mir auf, dass mir diese bekannt vorkam. Einige Straßen weiter konnte ich schließlich das Hochhaus sehen, in dem ich zuhause war. Eilig rannte ich die Stufen hoch, bis ich schließlich meine Wohnung erreicht hatte. Und da stand er endlich. „Dad!“, rief ich und rannte mit ausgestreckten Armen auf meinen Vater zu. „Die Leute wollen mich umbringen!“ „Ist ja gut“, sagte er und schloss mich in seine Arme. „Ich beschütze dich.“ In diesem Moment erblickte ich das Messer, das mein Vater hinter meinem Rücken in den Händen hielt. Erschrocken löste ich mich aus seinem Griff und stürzte aus der Wohnung. Während ich die Stufen wieder nach unten lief, bemerkte ich plötzlich Schritte, die nach oben kamen. Auf mich zu. Sofort machte ich kehrt und rannte weiter hinauf, bis ich schließlich auf der Dachterrasse des Hochhauses stand. Vielleicht würde man mich ja hier oben nicht finden. Doch plötzlich vernahm ich deutliche Schritte hinter mir. Erschrocken fuhr ich herum und erstarrte. Vor mir stand Dr. Nick mit seiner Kettensäge. Eiskalt kroch mir die Gänsehaut den Rücken hinunter, als ich bemerkte, dass ich in der Falle saß. Entweder stürzte ich in den Abgrund hinter mir, oder der verrückte Arzt erledigte mich mit der Säge. Ich entschied mich für die erste Variante. Langsam schritt ich rückwärts auf die Kante zu. Dann breitete ich die Arme aus und ließ mich einfach fallen.

Carolin Felden (R 7c)

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