Blaue Barke

Blaue Barke 2013

Während die meisten Kinder gerne schreiben, solange sie auf der Grundschule sind, nimmt die Begeisterung und Kreativität dann im Laufe der Jahre ab. Mit ein Grund dafür ist, dass im Unterricht im Rahmen der Aufsatzlehre gestalterisches Schreiben an Bedeutung verliert und auch in der Freizeit die Kinder und Jugendlichen das Schreiben eigener Texte nur wenig und unregelmäßig praktizieren.

Der Schreibwettbewerb „Blaue Barke“ will seit Jahren einmal im Jahr Anregung dafür sein, die Fantasie und Schreibkompetenz bei der Bearbeitung verschiedener Themen unter Beweis zu stellen.

Bei der Lesung und Preisverleihung am 30. April im Gerhardinger-Saal dankten Schulleiterin OStD’ i.K. Renate Gammel und Fachbetreuer Rolf Künstler den Schülerinnen für ihr großartiges Engagement. Über 90 originelle Einzel- und Teamarbeiten – vor allem Kurzgeschichten und Gedichte – zu den Themen „Krise“ oder „Spiel“ wurden in diesem Jahr eingereicht. Nach dem Votum der Jury (Peter Ringeisen, Rolf Künstler, Georg Luft, Monika Wagner und Monika Weber) standen die Gewinnerinnen fest:

„Blaue Barke 2013“: Sophie Singer/Romy-Carina Berger, R 8b

Platz 2:
● Lorena Hollweck, G 5b
● Sibylle Krestel, G 5b
● Antonia Moser, G 7b
● Selina Mirz, R 10b
● Christina Höllriegl, Q 12
● Anja Richter, Q 12

Platz 3:
● Luisa Gietl/Kathrin Ederer/Pauline Steindl/Linda Schwab, G 6a
● Antonia Schmid, G 6c
● Anna Riß/Sofia Dotzler, R 6c
● Lisa Schug, R 7b
● Anna-Katharina Kersting, G 9c
● Nicole Ott, Q 12


Wie in jedem Jahr erhielten die Siegerinnen wieder Urkunden und Büchergutscheine, gestiftet von der Stefan-Hirblinger-Stiftung.

Rolf Künstler




Es war doch nur ein Spiel

Es war schon dunkel, als ich mich auf den Weg Richtung Wald machte. Langsam stieg ich auf mein Fahrrad und begann dem matschigen Pfad, der aus der Stadt heraus führte, zu folgen. Es dauerte kaum zehn Minuten, bis mein Heimatort nur noch eine Ansammlung vieler Lichter war, die von dem dichten Nebel nach und nach verschluckt wurden und ich von den alten Bäumen des Forstes umgeben war. Der kühle pfeifende Wind verströmte eine gruselige Atmosphäre und ich war froh, dass meine Fahrradlampe mir den Weg leuchtete. Trotzdem saß mir die Angst im Nacken. Von dem Rascheln der Blätter bekam ich weiche Knie, so dass mir das Fahren schwer fiel. Irgendwo hörte man das Schreien einer Eule, und ein kalter Schauer lief meinen Rücken herunter. Die Äste der knorrigen Bäume sahen im fahlen Mondlicht aus wie Furcht einflößende Gestalten, die mit ihren langen Fingern nach mir greifen wollten. Das führte dazu, dass ich schneller fuhr und an den holprigen Wurzeln fast mein Gleichgewicht verlor. Erschöpft erreichte ich mein Ziel. Am liebsten wäre ich jetzt zu Hause, vor dem prasselnden Ofen, aber dennoch, meine Entscheidung stand fest. Also strampelte ich die kleine Anhöhe herauf, auf der die verlassene Villa stand, in der unser Treffpunkt war.
Dort angekommen ging ich um das Haus herum, aber es ließ sich keine Menschenseele blicken. Die Haustüre war schon lange nicht mehr benutzbar, und so musste ich über den Balkon ins Haus. Mir war ganz schön bange, denn ich hatte von den anderen immer noch nichts gehört oder gesehen. Trotz allem
nahm ich all die Überreste meines Mutes zusammen und kletterte auf den Baum, über dessen lange Äste ich auf den Balkon und somit in den heruntergekommenen Salon gelangen würde. Ich umklammerte mit beiden Händen den niedrigsten Ast und zog mich mit aller Kraft hoch. Mein starkes Zittern erschwerte es mir, nach oben zu kommen. Bis zu dem letzten Ast, der als einziger zum Haus reichte, war es noch ein ganzes Stück. Schon von Natur aus war ich kein guter Kletterer, was dazu führte, dass ich keine großen Hoffnungen hatte, überhaupt nach oben zu kommen. Das feuchte Moos an den Ästen machte es mir nämlich auch nicht gerade einfacher.
Ich wollte gerade meinen Fuß aufsetzen, um bis zum nächsten großen Ast zu gelangen - plötzlich knack - der Ast brach unter mir, da er vermutlich morsch war, und erschrak mich so sehr, dass fast auch noch meine Hände losgelassen hätten - die einzige Möglichkeit, mich zu halten - ich wäre sonst herunter gefallen. Ich schrie. Die nächste Gelegenheit, an der meine Füße Halt finden konnten, lag mindestens einen halben Meter unter mir. Ein Gefühl der Verzweiflung durchströmte mich, denn so viel Mut hatte ich nicht mehr. „Was soll ich jetzt nur tun?“, schoss es mir durch den Kopf, „irgendwas muss mir einfallen, bevor die Kraft ausgeht.“ Ich blickte nach unten - und sah sofort wieder nach oben. Es sah wirklich weit aus und mir wurde schwindelig. In meiner Not blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit meinen Armen hoch zu ziehen. Der Wille, mein Ziel zu erreichen, gab mir Kraft.
Auf sonderbare Weise schaffte ich es dann irgendwie auf den Balkon. Schweißgebadet stand ich vor der eingeschlagenen Terrassentür. „Warum kann ich die anderen nicht finden?“, fragte ich mich. Dennoch stieg ich durch die eingeschlagene Scheibe. „Auch schon da, Tom?“ Ich blieb vor Schreck wie angewurzelt stehen. Geblendet von einer Taschenlampe, die direkt auf mein Gesicht gerichtet war, sah ich mich um. Alle waren hier. „Ja! Und jetzt nimm endlich die blöde Lampe aus meinem Gesicht!“ knurrte ich als Antwort. Nach dieser Kletter-Tortur hatte ich wirklich keine Lust auf Fragen dieser Art. „Wieso kommst du so spät?“, fragte Jan verärgert. „Ich hatte Probleme beim Hochklettern.“, gab ich zurück. „Ja, das war nicht zu überhören. Hast ja geschrien wie ein kleines Mädchen.“ Lautes Gelächter hallte durch den Salon und weil ich nicht so dumm dastehen wollte, lachte ich auch. „Tja, jetzt bist du ja hier. Ich hoffe, du hast deine Meinung nicht geändert.“ Jan sah mich fragend an. „Nö“, gab ich zurück und versuchte meine Antwort sicher und ernst herüberzubringen. „Nun, deine Aufgabe besteht darin, dass du ganz alleine hier bleibst und das für eine ganze Nacht. Zudem musst du bis morgen eine Zigarettenschachtel finden, die mit einem Totenkopf gekennzeichnet ist. Darin befindet sich eine Nachricht, die dir wichtige Informationen über unseren morgigen Treffpunkt verraten wird. Alles klar soweit?“ „Logo. Das krieg ich doch locker hin. Wirst schon sehen“, gab ich als Antwort zurück. Ich hoffte, meine Stimme klang fest und sehr überzeugend. „Na dann. Gutes Gelingen! Bis Morgen.“ Jan und die anderen fünf kletterten gekonnt durch die zerbrochene Scheibe und verschwanden in der Dunkelheit.

Und so blieb ich ganz alleine zurück. Die Zeit kroch langsam dahin. Es kam mir vor, als würde diese Nacht nie ein Ende finden. Aber schon morgen werde ich zu ihnen gehören. Das trieb mich an. Ich beschloss, mich auf die Suche nach der wahrscheinlich gut versteckten Schachtel mit der mysteriösen Botschaft zu begeben. Glücklicherweise haben mir die anderen die Taschenlampe da gelassen. Das Licht, das die Lampe ausstrahlte, machte mir ein bisschen Mut, nicht in der Dunkelheit herumirren zu müssen. Zuerst sah ich mich im Salon um. In einer Ecke stand ein grüner Kachelofen. Die Farbe konnte man trotz der dicken Staubschicht noch gut erkennen. Schäbige braune Sofas bildeten einen Halbkreis um ihn. Zu meinen Füßen lag ein alter chinesischer Teppich, der mit goldenen und roten Drachen bestickt war und bestimmt vor vielen, vielen Jahren einmal sehr kostbar und teuer gewesen sein musste. In einer anderen Ecke des Raumes war eine Kommode, deren Schubladen ich mir einmal genauer anschauen wollte. Plötzlich stand ich einer Gestalt gegenüber. Mein ganzer Mut verschwand in dieser Sekunde. Ich starrte erschrocken in ihre Augen. Zu meiner Verwunderung starrte sie genauso verwirrt wie ich. Gibt es hier in diesem Haus vielleicht Geister?! Schließlich war der Erbauer des Hauses kurz nach seinem Einzug auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Seitdem war die Villa leer gestanden. Da erkannte ich, dass die Person meine gleichen Augen und Frisur, nein sogar die gleichen Kleider hatte. Habe ich einen Zwillingsbruder, von dem ich nichts weiß? Jetzt fiel mir auf, dass sie auch eine Taschenlampe in der Hand hält. Da musste ich lachen. Es handelte sich hierbei nur um mein Spiegelbild. In den Schubladen fand ich alte Briefe, vergilbte Familienfotos und Bücher. Also ging ich hinaus in den Korridor, in dem allerdings keine Möglichkeiten waren, um kleine Dinge wie Zigarettenschachteln zu verstecken. Ich durchsuchte die anderen Zimmer hier und auch im Erdgeschoss - erfolglos. Mir blieb nichts anderes übrig, als in den zweiten Stock über die kaputte Treppe zu gehen. Der zweite Stock war, wie ich feststellen musste, das letzte Obergeschoss. Es gab zwar noch einen Speicher, doch dort war das Dach schon lange undicht und es wäre nicht klug dort zu suchen, weil die Leiter, die dorthin führte, verschwunden war. Einen Keller gab es auch, der lag allerdings außerhalb und war verschüttet. Im zweiten Stock war es sehr gruselig. Gänsehaut kroch mir den Körper herab und ich zitterte wie Espenlaub. Bei jedem Schritt knarrten die Dielen unter meinem Gewicht bedrohend. „Hoffentlich breche ich nicht ein!“, dachte ich. Eigentlich war das Betreten der Villa nämlich wegen Einsturzgefahr verboten. - Eigentlich.
Schon seit zwei Jahren war sie jetzt der Treffpunkt von Jans Clique. Sie war perfekt dafür geeignet, denn die Leute aus der Stadt glaubten, es würde dort spuken. „Vielleicht war doch etwas an diesen Gerüchten dran“, dachte ich. „Das glaubst du doch wohl selber nicht!“, sagte ich laut zu mir darauf. Ich befand mich in einem Zimmer, in dem ein großes Himmelbett stand. Trotz seiner von Mäusen zerfressenen Daunendecke sah es einladend aus. In einem kaputten Holzschrank hingen lange Frauenkleider. Die rosafarbene Tapete hatte viereckige dunkle Flecken, da dort vermutlich mal Bilder hingen. Nachdem der Hausherr verstorben war, zog die restliche Familie in die Stadt, ohne groß zu packen. Seitdem stand das Haus leer. Ein weißer Schminktisch mit Schnörkeln stand in einer Ecke und zum Glück war ich dieses Mal vorbereitet auf den Spiegel. Die Schübe waren noch gefüllt: Parfüm, eine Puderdose, Lippenstift, und noch viel mehr. Gäbe es nicht so viel Staub und Spinnweben, würde man denken, dass alles erst vor kurzem verlassen wurde. Die letzte Schublade klemmte. Meine eiskalten, schweißnassen Hände rutschten immer wieder ab. Ich rieb sie an meiner Jeans trocken und probierte es noch einmal mit aller Kraft. Auf einmal brach der Griff ab und ich fiel mit Schwung nach hinten um. Der Boden, der schon beim Laufen gefährlich knarrte, krachte unter mir auf einmal durch. „Aaaaaaaaah!“, schrie ich und es war mir egal, ob ich mich jetzt wie ein Mädchen anhörte. Ich betete, dass der Aufprall etwas gedämpft werden würde. Reflexartig schloss ich die Augen. Überall krachte es jetzt. Meine Hände hielt ich schützend vor mein Gesicht. Dann kam ich auf. Es quietschte fürchterlich. Aber ich lag auf etwas Weichem. Erst als alles still war, nahm ich die Hände herunter und öffnete die Augen. Ich war im Salon im ersten Stock und lag auf dem braunen Sofa, auf das ich mich, weil es so zerfressen war, eigentlich nie setzen wollte, die Taschenlampe in der einen Hand, den Griff der Schublade in der anderen. Ich blickte mich im Raum um. Im Schein meiner Lampe sah ich Staub, der aufgewirbelt worden war. An der Decke befand sich ein klaffendes Loch. Ich wollte mich aufsetzen, um mich genauer umsehen zu können, doch ein stechender Schmerz durchfuhr mein Bein. Es lag in seltsamer Stellung da. Wahrscheinlich hatte ich es mir beim Aufprall verdreht. Aus dem Scheitern all meiner Versuche, aufzustehen oder mich auch nur aufzurichten, folgerte ich, dass mein Bein gebrochen war. „Verdammt, was mache ich jetzt nur?“, dachte ich mir. Mit der Taschenlampe leuchtete ich auf meine Armbanduhr, drei Uhr. Wann wird man mich finden? Wann würde man überhaupt nach mir suchen? Meine Eltern waren nämlich im Urlaub und meine Schwester übernachtete bei ihrer Freundin. Nur Jan und seine Gang wussten, dass ich hier war. Und wenn ich nicht zum Treffpunkt käme, würden sie sicher denken, dass ich aufgegeben hätte. Dabei war ich doch fast am Ziel, ich war mir so sicher, dass die Schachtel sich in dieser Schublade befinden würde. „Aber jetzt ist es sowieso zu spät“, dachte ich, „was bringt es, sich jetzt noch zu ärgern.“ Ich hatte verloren. Nie würde ich zu ihnen gehören. Dabei war ich so nah dran. Doch nun war das Spiel zu Ende. Game over.
Aber wollte ich überhaupt noch dazugehören? Wegen dieser blöden Mutprobe hatte ich mein Leben aufs Spiel gesetzt. Wütend schleuderte ich den Griff des Schminktisches, den ich immer noch in der Hand hielt, beiseite.
Jetzt machte mir dieses Haus keine Angst mehr, auch wenn der Strahl der Lampe immer schwächer wurde und schließlich ganz erlosch. Ich war wütend, wütend auf die Bande und am meisten auf mich selbst. „Wie konnte ich nur so blöd sein?“, sprach ich meine Gedanken laut aus. Ich probierte zu schlafen, doch mit Wut im Bauch kann man nur schlecht schlafen. Mein Bein tat von Minute zu Minute mehr weh. Also blieb ich wach liegen.

„Oh mein Gott, was ist denn da passiert?“ „Er ist verletzt.“ „Wir brauchen einen Krankenwagen!“ Ich machte die Augen auf. Hatte ich doch geschlafen? Ich wollte mich aufsetzen, doch mein Bein schmerzte fürchterlich. Sofort realisierte ich, wo ich war. Alle sechs standen um mich herum. Ich starrte sie an, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Eigentlich hatte ich mir die Worte schon zurechtgelegt, die ich sagen würde, doch mir fiel es nicht mehr ein. Stattdessen jammerte ich nach einer gefühlten Ewigkeit: „Mein Bein!“ - Na toll, das hörte sich jetzt wirklich an, wie das Gejammer eines kleinen Mädchens. Doch zu meiner Verblüffung lachten sie mich nicht aus. „Der Krankenwagen kommt gleich.... es tut mir so leid.“ Jan sah aus, als würde es ihm wirklich Leid tun. Einer nach dem anderen entschuldigte sich bei mir und nachdem ich erzählt hatte, was passiert war, sagte Timo: „Nun, du hättest die Zigaretten ja gefunden, wenn der Boden nicht herunter gekracht wäre. Also hast du deine Mutprobe ja bestanden. Du gehörst also zu uns.“ „Nein, ich möchte nicht mehr zu euch gehören, ich habe Freunde, zu denen ich gehöre, weil sie mich mögen und mir vertrauen, nicht weil ich eine dämliche Probe bestanden habe, um zu beweisen, dass ich kein Versager bin. Ich habe euer Spiel mitgespielt, die Aufgabe fast bestanden, aber mein Leben ist mir mehr wert als eine Schachtel Zigaretten und zu einer Bande mit Leuten zu gehören, mit denen man nur befreundet sein kann, wenn man sein Leben aufs Spiel setzt oder sich sonst wie beweist.“ Ich war wütend. Für ein paar Augenblicke senkte jeder seinen Blick und kein Wort wurde gesprochen. Jan brach das Schweigen: „Ich denke Tom hat recht. Es ist doch echt blöd, wie das alles läuft. Wir sollten aus den jüngsten Ereignissen lernen. Es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert.“ Alle anderen stimmten ihm zu. „Tom, wenn du willst, gehörst du zu uns.“ Er sah mich fragend an. Ich nickte. In diesem Moment kam der Notarzt und wir beendeten unser Gespräch. Aber von nun an werde ich zu den Menschen gehen, die ich mag und mich nicht benutzen, oder mich nur dazugehören lassen, wenn ich irgendwelche Spiele mitmache.

Sophie Singer, Romy Berger (R 8b)



Familienkrise

An einem regnerischen Samstagmorgen wurde ich durch das laute Getrampel und Gepolter meiner drei Geschwister Marco, Mia und Paul geweckt. Gähnend setzte ich mich auf. Mit einem Blick auf den Wecker stellte ich fest, dass es schon neun Uhr war. Papa war also bereits seit zwei Stunden in der Arbeit. Ich zog mich an und ging in die Küche hinunter um zu frühstücken.
Noch etwas schlaftrunken machte ich mir ein Müsli und setzte mich zu Mama an den Tisch. Ich wollte sie gerade fragen, wo meine drei Geschwister sind, als plötzlich die Haustür aufgeschlossen wurde und Papa in der Tür stand. Vor Schreck verschluckte ich mich an meinem Essen, denn Papa kam sonst erst viel später nach Hause. Er sah etwas wütend, doch gleichzeitig auch niedergeschlagen aus. „Was machst du denn schon hier?“, fragte meine Mama ihn etwas verwirrt. Doch statt eine Antwort zu geben, ließ Papa sich auf einen der sechs Stühle plumpsen. „Ich bin arbeitslos“, nuschelte er. „Was?“, rief meine Mama geschockt. „Warum das denn?“ „Die Firma ist pleite gegangen und musste schließen“, antwortete Papa. „Sind wir jetzt arme Leute?“, fragte ich unsicher. „Nein, nein“, beruhigte mich Mama. „Noch nicht“, fügte sie halblaut hinzu. „Ich kann das ganze Geld unmöglich alleine verdienen!“, wandte sie sich wieder an Papa. „Das geht nicht“, jammerte sie. „Ich weiß, ich weiß“, sagte Papa. „Eine neue Arbeitsstelle zu finden braucht Zeit und wird schwierig sein, aber ich werde es versuchen“, versprach er. „Am besten fange ich gleich an, die Stellenanzeigen in der Zeitung zu lesen. Mit etwas Glück ist etwas Passendes dabei“, meinte er. Papa nahm die Zeitung mit in sein Büro und schloss sich ein. Den ganzen Nachmittag bekam man ihn kaum zu Gesicht. Erst abends kam er aus seinem Zimmer heraus, mit drei Briefumschlägen in der Hand. „Was ist das?“, fragte mein Bruder Paul ihn. „Bewerbungen für eine neue Arbeitsstelle“, antwortete Papa.
Eine Woche später bekam er drei Briefe. Gespannt öffnete er sie. Mit einem enttäuschten Blick legte er den ersten zur Seite. „Es ist eine Absage oder?“, erkundigte sich Mama. „Ja“, antwortete Papa bedrückt. Als er den nächsten Brief las, verfinsterte sich sein Gesicht. Wütend zerriss er ihn. „Was steht drin?“, fragte Mama vorsichtig. „Ich bin nicht gut genug für sie!“, brummte Papa. Den dritten Brief las er gründlich durch und warf ihn dann hinter sich, stand auf und schloss sich in sein Arbeitszimmer ein.
In den nächsten Wochen war es immer dasselbe. Papa schickte Bewerbungen hin und bekam Absagen zurück. Als ich an einem Freitag von der Schule kam, hörte ich Mama und Papa streiten. Ich grübelte darüber nach, über was sie sich wohl zankten, doch mir fiel kein Grund ein, darum beschloss ich zu lauschen. „Du musst mehr Bewerbungen schreiben!“, rief Mama. „Für was denn? Mich nimmt doch sowieso keiner!“, brüllte Papa zurück. „Du brauchst aber dringend eine neue Arbeit, oder willst du weiter auf Schokolade, Kino, Bücher und Kleider verzichten?“, fauchte Mama wutentbrannt. Darauf sagte Papa nichts mehr. Diesen Moment nutzte ich aus und tat so, als wäre ich gerade erst gekommen und rief: „Ich bin da!“ Nach dem Mittagsessen verkroch ich mich für den Rest des Tages in mein Zimmer. Immer wieder hörte ich Mama mit Papa streiten. Das Gezanke ging noch wochenlang so weiter. Die Stimmung war auf dem Nullpunkt. Wir mussten auch auf den ganzen Luxus wie zum Beispiel Kinobesuche, Ausflüge und Urlaub verzichten, was unsere Laune nicht gerade besserte. Einmal stritten Papa und Mama so heftig, dass sie den restlichen Tag kein Wort mehr miteinander wechselten.
An einem Donnerstagmorgen in den Ferien klingelte Papas Wecker. Leise zog er seinen schönsten Anzug an, holte seinen Autoschlüssel und ging hin-unter. Mucksmäuschenstill folgte ich ihm. Als ich unten ankam, sah ich ihn gerade hinter der Haustür verschwinden. Ich schlich hoch um Mama Bescheid zu sagen. Sie war ganz aus dem Häuschen, als sie das hörte. Etwa zwei Stunden später kam Papa zurück. Er hatte für jeden ein Eis dabei. Mama wollte gerade losschimpfen, doch er hielt ihr den Mund zu und sagte: „Ich habe eine Überraschung!“ „Welche?“, fragte ich. „Ich habe einen neuen Job!“, rief er strahlend.
„Das ist ja super“, sagte Mama und fiel Papa erleichtert um den Hals. „Und welchen?“, erkundigte sich Mia, meine kleine Schwester. „Ich bin Autoverkäufer!“ „Cool!“, jubelten wir alle. „Zur Feier des Tages könnten wir einen Ausflug machen“, schlug Mama vor. „Ja, aber zuerst essen wir das Eis, welches ich gekauft habe“, lachte Papa. „Oh ja!“, riefen Marco, Mia, Paul und ich im Chor.

Lorena Hollweck (G 5b)




Mein Krisengespräch

Ich lege mich in mein Bett, will eigentlich nur schlafen, aber ich höre eine leise Stimme in meinem Kopf.

Hey du, ich bin's wieder.

Nein nicht du, kann ich auch mal eine Nacht ohne dich verbringen?

Ich mach nur meinen Job.

Mir doch egal! Wegen dir komm ich nie zum Schlafen.

Glaubst du mir gefällt es, mich mit deinen Problemen rumzuschlagen?

Was soll das denn heißen? Gäbe es dich nicht, hätte ich keine Probleme!

Wer's glaubt ... Du bist doch selbst Schuld und machst ja immer Schwachsinn, ich weise dich ja nur darauf hin.

Ja eben, kannst du nicht mal ruhig sein und zuhören?

Nö. Dafür hast du deine Freunde.

Du bist nicht mal mein Freund, du bist mein lästiger Begleiter.

Ja und deswegen bist du nie allein.

Lieber allein, als immer mit dir.

Sei doch nicht so fies zu mir, ich helfe dir eigentlich nur, und wenn wir schon beim Helfen sind: Warum hast du Paulina, deiner Freundin, nicht zugehört, als sie dir ihre Probleme erzählt hat? Das hätte ihr sicher geholfen.

Die kommt schon klar.



Noch da?



Ja ... Keine Ahnung ... ähm ... jaaa, okeee. Ich hatte einfach keine Lust.

Ich hab’s gewusst. Wie oft war sie schon da, wenn du mal wieder jemanden gebraucht hast? Einmal? Zweimal? Oder jedes Mal, wenn du gefragt hast?

Ja, ist ja gut, sie war immer da!

Und was ist eigentlich sonst so los bei dir, bist du zufrieden?

Wie immer. Ich bin zufrieden... naja man könnte immer was ändern... ist ja selbstverständlich...



Wie auch immer du das machst, aber du hast es schon wieder geschafft: Jetzt denke ich wieder nur an meine Fehler, die ich gemacht habe, und was gewesen wäre, wenn ich vieles anders gemacht hätte!



Hallo? Wo bist du? Jetzt lässt du mich wieder allein, immer an dieser Stelle lässt du mich allein.

Ich bin nur dein Gewissen und nicht dein Problemlöser, du musst schon selbst wissen, was gut für dich ist, ich kann dir ja nur auf die Sprünge helfen, wie alle anderen Menschen in deinem Leben.

Ja ich weiß, das sagst du auch jedes Mal an dieser Stelle. Dann wünsch ich dir eine gute Nacht und bis morgen wahrscheinlich...

Gute Nacht. Du weißt doch, ich bin immer bei dir.

Mein Gewissen und ich sind nicht die besten Freunde und werden es wohl auch nie werden. Aber nach so einem Gespräch mit ihm geht es mir besser. Ich bin eigentlich froh, es zu haben.

Selina Mirz (R 10b)



Krise

Jeden Tag hört man das Wort Krise, egal ob in den Nachrichten, zu Hause oder im Freundeskreis. Wir leben in einer Zeit der Krisen, sie bestimmen unseren Alltag und die Schlagzeilen. Oder wer hat in der letzten Zeit nicht schon das Wort Krise in irgendeinem Zusammenhang gehört?

In den Nachrichten geht es hauptsächlich um die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie um die Euro-Krise, und das schon seit Monaten.
Zu Hause hört man andauernd etwas von Ehekrise und Midlifecrisis.
Auch der Freundeskreis wird mit Krisen konfrontiert. Die einen kriegen noch die Krise, die andern haben sie schon.

Eigentlich müsste doch überall ein Schild aufgehängt sein auf dem „Achtung, Krisengebiet!“ steht, denn überall wo wir hinschauen, kriselt es scheinbar.

Manchmal wünscht man sich einfach nur keine Krise, eine krisenfreie Zeit. Zeit zum Abschalten.

Was uns allen aber meistens nicht bewusst ist, ist, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Für unser Wort „Krise“ haben die Chinesen einen interessanten Ausdruck, „Wie ji“, zwei Worte: „Gefahr“ und „Gelegenheit“ – „Gelegenheit zur Umkehr“, besagt ein Sprichwort und es stimmt, denn eine deutsche Politikerin sagte einmal: „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, darf man den Kopf nicht hängen lassen.“

Anna-Katharina Kersting (G 9c)



Krisenstimmung

Du bist nicht mehr du
und ohne dich
ich nicht mehr ich.

Dein gellendes Lachen ist verhallt,
der Blick traurig trüb,
die Stimmung erstickend.

Deine Worte sind nichts als abweisend leer.
Distanziert.
Kühl.
Leblos.

Was trieb den Keil zwischen dich und mich?
Wo sind wir nur hin, du und ich?

Christina Höllriegl (Q 12)

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12.01.2018

"KELCH" - Kinder und Eltern lernen Chemie

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