Blaue Barke

Blaue Barke 2015

„Dann sah ich ihn.“

- Der erste Satz in einem der prämierten Wettbewerbstexte

Welche Erwartungen wecken diese vier Worte beim Leser? Welche Stimmung löst er aus? Wieder eine Liebesgeschichte mit Happy End oder etwa eine Kriminalstory? Baut der Satz gleich zu Beginn Spannung auf? Können vier Wörter so viel Lust auf das Weiterlesen wecken, dass die folgenden zwei oder drei Seiten mit Genuss verschlungen werden? Hält die Geschichte oder das Gedicht das, was der erste Satz verspricht? Vielleicht aber steigert sich auch Sprache oder Idee und der Text entwickelt sich erst im Verlauf zu einem gelungen Werk.
Solche Fragen und Überlegungen könnten sich auch jedes Mal die Mitglieder der Jury zur Blauen Barke stellen - vorausgesetzt, man will oder kann sich für diese Gedanken überhaupt die Zeit dazu nehmen!
In der Einleitung zu einem Wettbewerb der „Initiative Deutsche Sprache“ und der „Stiftung Lesen“ im Jahr 2007 hieß es einmal:
„Der erste Satz ist wichtig. In der Liebe wie auch in der Literatur. Ein guter erster Satz entscheidet oftmals schon darüber, ob wir uns in einen Menschen oder in ein Buch verlieben, ob wir berührt werden und uns voller Neugier auf das Versprechen einer guten Geschichte einlassen.“

In diesem Schuljahr las die Jury, gebildet durch Georg Luft, Rolf Künstler, Peter Ringeisen, Hendrik Rosenboem, Monika Weber und Monika Wagner, wieder ca. 75 erste Sätze und natürlich auch die folgenden bis zu dem jeweils letzten und bewerteten vor allem Idee, Originalität und sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Die Kurzgeschichten, Gedichte, Szenen und Tagebuchtexte setzten folgende Themen um:

Hinter der Bühne - Mut - Verspielt - Unterwegs im Internet

Bei der Lesung und Preisverleihung im inzwischen 15. Wettbewerbsjahr im April dankten Schulleiterin OStD’ i.K. Renate Gammel und Fachbetreuer StD i.K. Rolf Künstler allen beteiligten Schülerinnen für ihr Engagement und überreichten an die Gewinner Urkunden und Büchergutscheine, gestiftet von der SHS.

Gewinner



Blaue Barke 2015: Maria Müller, Q12

Zweite Plätze:
Eva Ringer, G 5a
Marie Eichenmüller, G 6b
Laura Brugger, G 7c
Lorena Hollweck, G 7b

Dritte Plätze:
Theresa Stein, R 6b
Cornelia Siegert, G 9a
Jessica Meier, G 8a

Rolf Künstler

Ausgezeichnete Texte (Auswahl):

Nicht real
Maria Müller (Q 12)

Dann sah ich ihn. Er bog in den Park ab. Es war dunkel. Nur der Mond ließ Menschen in dieser Dunkelheit noch einige Umrisse erkennen. Irgendwo jaulte ein Wolf. Doch nun richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Mann. Er hatte einen langen, schwarzen Mantel an, einen schwarzen Hut, schwarze, dicke Stiefel und schwarze Handschuhe. In der einen Hand hielt er eine Pistole. Meine Mission war es ihn zu eliminieren. Ich kletterte einen Baum hinauf, da man von hier oben einfach alles besser im Blick hatte. Ich sprang von einem Baum auf den nächsten. Als ich den Mann fast eingeholt hatte, sprang ich absichtlich laut auf den Boden und ein Geräusch, so laut wie der Donner, ertönte in der schlafenden Stadt. Der Mann blieb stehen, drehte sich aber noch nicht um. „Lass die Waffe fallen!“, sagte ich. Langsam drehte sich der Mann um und war verblüfft, dass hinter ihm eine junge Frau stand. „Lass sie fallen!“, wiederholte ich noch einmal, aber nun etwas kräftiger. Er zückte seine Pistole und richtete sie auf mich. „Wer bist du und was willst du?“, fragte er mich. „Wenn du sie jetzt nicht fallen lässt, lebst du in den nächsten Sekunden nicht mehr!“, sagte ich laut und deutlich. „Du kannst mir nichts tun!“, antwortete er mit zitternder Stimme. Er war fast am Abdrücken. „Los, schieß, wenn du denkst, dass es das Richtige ist!“ Ich kam näher und er drückte ab. Die Kugel kam in rasender Geschwindigkeit auf mich zu. Normalerweise sagt man, dass einem in den letzten Sekunden sein ganzes Leben noch mal im Kopf abläuft. Bei mir nicht. Ich streckte meinen Arm aus und hielt ihn schützend vor meinen Körper und mein Gesicht. Die Kugel traf meinen Arm und prallte schlagartig wieder ab. Alles passierte blitzschnell. Der Mann traute seinen Augen nicht. Ich ging näher auf ihn zu. Meine Augen färbten sich tiefschwarz. „Ist es das, was du willst!?“, fragte ich ihn. „IST ES DAS, WAS DU WILLST!?“, schrie ich ihn an.
Der Mann sah völlig erschrocken und blass aus. „Was hätte es dir genützt, wenn ich jetzt tot wäre?“. Aus reiner Verzweiflung drückte er noch einmal ab. Ich streckte meine Hand, mit der Handfläche geöffnet, nach vorne aus und die Kugel, die auf mich zukam, verbrannte in der Luft und fiel als Asche zu Boden, noch bevor sie meine Hand überhaupt erreicht hatte. „Ich gebe Menschen meist zwei Chancen. Aber du, du willst es ja nicht anders.“ Ich stürzte mich auf ihn, ohne dass er es noch schaffte, seine Waffe zu benutzen, auch wenn sie ihm nichts genützt hätte. Nur noch einige laute Hilfeschreie störten die Nachtruhe, dann war es wieder still und ich war zufrieden mit meiner Arbeit.
Ich stand von meinem Stuhl auf. Die Mission war erfüllt. Ein Blick auf die Uhr versetzte mich kurz in Schrecken. Es war schon drei Uhr morgens und in fünf Stunden müsste ich in der Schule sein. Doch danach beruhigte ich mich wieder.
Schließlich bin ich die Tage davor auch nicht früher ins Bett gegangen. Trotzdem merkte ich, dass meine Augen müde waren und es vielleicht wirklich Zeit war, schlafen zu gehen. Ich machte mein Bett fertig und zog meinen Pyjama an. Ich musste aber leise sein. Meine Eltern durften keinesfalls erfahren, dass ich um diese Uhrzeit noch wach war. Als ich am Spiegel vorbei ging, blieb ich wie angewurzelt stehen. Meine Haare hingen in einem Pferdeschwanz runter, unter meinen braunen Augen hatte ich schon schwarze Ringe. Ich sah müde, ausgelaugt und einfach nur fertig aus. Eigentlich genau so, wie ein gesundes fünfzehnjähriges Mädchen nicht aussehen sollte. Ich hasste mich selber. Ich wollte so sein, wie das Mädchen in meinen Onlinegame. Sie war so stark, so schön und hatte vor nichts Angst. Und ich? Ah, was würde ich nur alles geben, um so zu sein wie sie. Sie war das Idealbild. Genau so wollte ich immer sein. Zumindest konnte ich in dem Internetspiel so sein, wie ich gerne wäre. Es ist so toll, dass es das Internet gibt. Es ist viel besser als die Wirklichkeit. Im echten Leben war ich so klein, fühlte mich mickrig und hatte einfach keine Chance gegen diese eingeschnappten Mädchen in der Schule. Ich wollte nicht in die Schule. Ich wollte da nie wieder hin. Ich hasste sie. Ich hasste diese Mädchen, weil sie in meinen Augen perfekt waren und sie mir jeden Tag aufs Neue zeigten, wie weit ich von ihnen entfernt war. Denn ich konnte nur perfekt sein, indem ich mir eine fiktive Figur erschuf. Auf einmal ertönte ein Signal von meinem Computer, das mich aus meinen Gedanken riss. Auf dem Bildschirm öffnete sich ein Fenster, auf dem stand: „Neue Mission verfügbar“. Dann schaute ich wieder in den Spiegel. Nein, ich konnte nicht anders. Ich wollte wieder stark und unabhängig sein und die einzige Möglichkeit dazu, gab mir das Internet. Ein letzter Blick auf die Uhr ließ mich noch kurz zweifeln. Aber danach setzte ich mich wieder entschlossen vor den Schreibtisch und klickte auf „Mission starten“ und schon tauchte ich wieder in diese faszinierende Welt ein, in der alles so war, wie ich es wollte. Ich versank in ihr und fühlte mich wieder kräftig, sicher und stark. Ich war in meinem Element.
Ich war schon wieder unterwegs im Internet.


In letzter Sekunde
Eva Ringer (G 5a)

Es war an einem Montag in der Schule. Die Pausenglocke schellte. Alle Kinder der Klasse stürmten nach draußen, nur ich, mein Name ist übrigens Lilli, packte mein Pausenbrot gemütlich aus und schlenderte nach draußen in den Pausenhof. Ich beschloss auf dem Weg dorthin noch einen Blick auf die große Pinnwand zu werfen. Heute fiel mir zum ersten Mal ein besonders kleiner Zettel auf. Mit großen Druckbuchstaben stand dort geschrieben: „Großer Kunstwettbewerb“. Mein Herz machte Freudensprünge. Am liebsten wäre ich vor Freude im ganzen Haus herumgehopst und hätte laut geschrien, als ich bemerkte, dass ich eigentlich zum Pausenhof wollte. Doch da klingelte es schon zum zweiten Mal und alle Kinder stürmten zurück in das Klassenzimmer.
Nach der Schule traf ich mich mit meiner besten Freundin Lisa. „Hast du gelesen, wann Einsendeschluss ist?“, fragte sie mich. „Ja“, antwortete ich, „Einsendeschluss ist am 5. Februar“. „Super, dann haben wir noch genügend Zeit“, grinste Lisa. „Das Thema ist Mut“, überlegte ich. Wir holten aus dem Keller alle Leinwände und Farben. Die kleinen Leinwände waren besonders wichtig. Wir legten sie wie ein großes Puzzle zusammen. Nun zeichnete ich vorsichtig mit Bleistift ein großes Herz in die Mitte. Lisa mischte die Farben. Das Herz sollte einen rötlich-blauen Ton ausstrahlen. Um das Herz herum malten wir Ranken, Lianen, Pflanzen und Urwaldbewohner aller Art. Wir beschlossen, unser Kunstwerk morgen zu Ende zu malen. Leider kam Lisas Mutter schon sehr früh. Am Abend dachte ich noch lange an die Freude, das Herz zu malen, bevor ich tief und fest einschlief. „Morgen“, begrüßte mich Lisa müde und wirkte verschlafen an der Bushaltestelle. „Dir auch einen schönen guten Morgen“, trällerte ich fröhlich und grinste. So wie es aussah, konnte Lisa in der Nacht kein Auge schließen.
Als wir in der Schule ankamen, waren bereits schon alle da. Herr Paule stand auch schon hinter dem Pult. Eine unbekannte Frau stand neben ihm. Sie wirkte jung, und lange, blond gelockte Haare wallten an ihrer Schulter herab. Ihr Kleid war schwarz und schlicht. Es reichte ihr ungefähr bis zu den Knien.

„Was für ein Wunder“, sagte sie schroff „jetzt sind ja alle da.“ Ihre Stimme wirkte bitter und erhaben. „Nun ja“, begann Herr Paule, „Unsere Direktorin Frau Brunnenbech möchte uns heute etwas mitteilen.“ „Ich formuliere kurz. Der Einsendeschluss wurde auf morgen verlegt, damit wir genau pünktlich mit der Auswahl beginnen können. Am Montag, den 26. Januar wird der Sieger um 8:45 Uhr in der Aula verkündet“, erklärte Frau Brunnenbech und schritt aus dem Zimmer.
Ich blickte zu Lisa hinüber, Lisa zu mir. In diesem Augenblick dachten wir dasselbe. „Oh, ich kann es nicht fassen. Ich kann es einfach nicht fassen“, jammerte Lisa jetzt schon den ganzen Tag. „Komm schon, das schaffen wir!“, versuchte ich sie zu trösten. „Nein, tun wir nicht!“ Sie sah echt niedergeschlagen aus. „Weißt du was? Du kommst heute zu mir, dann ist alles ganz leicht. Am besten um drei“, rief ich fröhlich. „Ich habe dir schon sehr oft erklärt, dass ich donnerstags immer im Volleyballtraining bin“, stöhnte Lisa. Ich stöhnte auch: „Das war's dann wohl.“ Traurig verbrachte ich den Rest des Tages und hatte zu nichts mehr Lust.
Am nächsten Morgen klingelte es an der Tür. Lisa stand wieder vor mir und wollte mich abholen, um gemeinsam mit mir zum Bus zu gehen. Sie stand breit grinsend mit zwei Plastiktüten in ihrer Hand da. Auf dem Rücken trug sie wie immer ihre Schultasche. Die eine Tüte war sehr groß, die andere aber klein. Der Inhalt der kleinen Tüte war: Wasserfarben, Pinsel, eine Mischpalette und ein Becher. „Was stehst du noch herum? Hol das Gemälde!“, wies sie mich an und hielt mir die große Tüte hin.
In der Schule malten wir am Gemälde noch sehr lange. „Eine Schlange noch“, sagte Lisa, „wenn eine Schlange, dann auch noch einen Tiger“, zischte ich zurück. Und fertig! Das Gemälde war fertig, aus lauter kleinen Leinwänden war eine einzige große entstanden, wenn man sie auseinandernehmen würde, wäre es ein Puzzle. Lisa sah stolz auf die vielen Leinwände und grinste. Ich warf hastig einen Blick auf die Uhr. Oje, es war genau 7:55 Uhr. „Nur noch fünf Minuten!“, rief ich laut. Lisa sah mich erschrocken an. Ich schnappte mir die vielen kleinen Leinwände und rannte los. Ich lief und lief, so schnell ich konnte. Leider stieß ich mit ein paar Schülern zusammen. „Hey“, riefen sie. „Pass doch auf!“ Ich achtete aber nicht auf sie und lief weiter. Links, rechts, links, links und nochmal rechts. Der Weg zum Sekretariat kam mir länger vor als denn je. Ich sah auf die Uhr. Noch eine Minute. Jetzt musste ich mich aber sputen. Die Schüler um mich herum wirkten nur noch wie verschwommene Farbtupfer. Rechts, geradeaus, durch den Korridor und links. Jetzt musste ich mich noch mehr beeilen. Ich rannte als wäre es ein Wettkampf. Und da - da war das Sekretariat, endlich! Frau Maier, die Sekretärin, war gerade dabei, ein Schild aufzuhängen, auf dem stand: „Einsendeschluss! Wettbewerb beendet!“ Ich stolperte auf sie zu. „Frau Maier, hier ist noch ein letztes Bild. Genau pünktlich, hoffe ich.“ Sie sah mich zögernd an, nahm aber das Bild und flüsterte leise: „In letzter Sekunde.“
Endlich war der Tag da. Heute würde um 8:00 Uhr in der Aula der Gewinner des Wettbewerbs bekanntgegeben. Frau Brunnenbech und ein paar andere Lehrer saßen hinter einem großen Tisch. Die Direktorin stand auf. Man konnte ein sehr kleines Mikrofon in ihrer Hand erkennen. „Liebe Schüler, wie ihr ja wisst, haben wir einen Wettbewerb veranstaltet und heute wird der Sieger dieses Malwettbewerbs bestimmt. Und der Gewinner ist... .“ Sie machte eine Pause. Es war sehr spannend. „Ich hoffe, es geht gut aus“, wisperte Lisa. „Ich auch ganz besonders“, flüsterte ich genauso leise zurück.
„Ich wiederhole: Der Gewinner ist das Gemälde von Lisa Wildner und Lilli Schmid aus der 5a.“ Ich konnte es nicht fassen, ich wollte es nicht glauben. „Wir haben gewonnen“, schrie Lisa so laut, dass der ganze Saal erschrak. „In letzter Sekunde“, antwortete ich. Und das stimmte.



Chaos hinter der Bühne
Laura Brugger (G 7c)

Ich, Helene Hintermoser, habe in weniger als zwei Stunden meinen großen Ballettauftritt. Hinter der Bühne herrscht schon reges Treiben. Es steht „Schwanensee“ auf dem Programm. Ich habe mich gerade für meine erste größere Rolle als Schwarzer Schwan warmgetanzt. Ach, jetzt kommt schon wieder Valerie, der Weiße Schwan. Sie tanzt natürlich die Hauptrolle und ist noch eingebildeter als sonst. Valerie gibt immer mit ihrer französischen Herkunft an. Einfach schrecklich!
Jedenfalls bin ich wahnsinnig aufgeregt. Auf dem Weg zur Garderobe sehe ich die Ballettlehrerin hektisch telefonieren und erfahre, dass unsere Kostüme noch nicht angekommen sind. „Hoffentlich sind sie bald da“, denke ich, „schließlich müssen sich mindestens 30 Tänzer und Tänzerinnen umziehen.“ Inzwischen sind die Kleinen mit ihren hysterischen Müttern eingetroffen und müssen leider mit uns Primaballerinas warten. Nach einer sehr anstrengenden halben Stunde sind die Kostüme endlich eingetroffen. Ich schnappe mir meines und gehe zu einem nicht vorhandenen ruhigen Plätzchen, wo ich mich fertig mache. Valerie macht gerade Theater, weil sie ihre Schminksachen nicht findet. Hoffentlich sieht sie mich nicht.
„Noch eine Stunde!“, ruft jemand. Jetzt gibt es schon wieder Stress, denn anscheinend hat Siegfried (ja, er heißt genauso wie der Schwanensee-Prinz, den er auch spielt) Schluckauf und weigert sich, aufzutreten. Valerie macht sich dabei
auch noch lustig. „Hahaha, vielleicht kannst du ja jetzt höher springen!“ wiehert sie.
Jetzt schreien alle nach dem Hausmeister, da die Tür zur Bühne noch verschlossen ist. Als dieser kommt, wird uns klar, dass das jetzt länger dauern wird. Wir sehen den riesigen Schlüsselbund mit bestimmt dreißig Schlüsseln und müssen warten, bis er in Seelenruhe einen nach dem anderen durchprobiert. Die Kleinen haben mittlerweile angefangen, Verstecken zu spielen. Platz dafür gibt es ja genug hinter der Bühne. Valerie macht gerade alle verrückt: „Mon dieu, mon dieu! Ich weiß nicht, wie ich dieses Chaos noch länger ertragen kann!“, jammert sie. Übrigens hat Siegfried immer noch Schluckauf. Als würde das noch nicht reichen, bekommen wir gerade mit, dass der Bus mit dem Orchester eine Panne hat und sie auf einen Ersatzbus warten müssen. Die Aufführung muss also verschoben werden. Plötzlich knistert etwas und es wird stockdunkel. Alle kreischen durcheinander. Jedenfalls haben wir jetzt Stromausfall. Gott sei Dank ist der Hausmeister schon da und zückt seine Taschenlampe. Nach einer ewig langen Schimpftirade macht er sich auf die Suche nach der Ursache. Leider müssen wir alle miteinander im Dunkeln ausharren. Die Ballettlehrerin stellt Kerzen auf. Jetzt wird es richtig gemütlich hinter der Bühne. Jemand öffnet eine Tüte Chips und schon sitzen wir alle im Kreis, erzählen uns Gruselgeschichten, jagen den Kleinen gehörig Angst ein und knabbern die Chips.
Irgendwann geht das Licht wieder an und das Orchester muss wohl auch schon eingetroffen sein, denn jetzt kommt unsere Lehrerin und schafft uns an, sofort die Kerzen auszublasen und auf unsere Plätze hinter dem Vorhang zu gehen. Endlich können wir unseren Auftritt beginnen. Alles verläuft nach Plan.
Jetzt ist mein Einsatz. Ich schwebe auf die Bühne. Gerade als mein Pas de deux mit dem Prinzen beginnen soll, geht plötzlich der Alarm los. „Was ist denn jetzt los?“, denke ich. Die anderen scheinen nichts zu merken. An mir wird gerüttelt. Ich wehre mich. „Ahh! Helft! Lass mich, ich muss weitertanzen! Ich bin doch der Schwarze Schwan!“, schreie ich. Eine Stimme ruft mich: „Helene, hey, Heeeleeeneee!“ Sie klingt wie die meines Bruders.
Ich wache auf. Der Alarm ist mein Wecker gewesen. Mein Bruder steht neben mir und schüttelt nur den Kopf. Ehe ich aufstehe, lasse ich mir den Traum noch einmal durch den Kopf gehen. Leider gibt es die eingebildete Valerie wirklich, als Oberzicke in meiner Klasse. Und Siegfried, mein Kater, hat immer noch Schluckauf.
Jetzt fällt mir ein, dass ja heute wirklich mein Ballettauftritt ist. Allerdings nicht als Schwarzer Schwan, sondern als Puppe.


Mut
Lorena Hollweck (G 7b)

„Was ist Mut?“, fragte ich mich.
Wenn ich das mache, was andere sagen,
nur um cool zu sein?
Ist das Mut?
Wenn ich mich in Gefahr begebe,
nur um dabei zu sein?
Ist das Mut?

Ich glaube nicht.

Mut ist, auch mal Nein zu sagen!
Mut ist, sich zu überwinden, die Wahrheit zu sagen,
auch wenn es schwer fällt.
Eine eigene Meinung zu haben,
auch wenn nicht alle so denken,
das kann auch Mut sein.
Sich nicht hinter einer Fassade zu verkriechen,
du selbst sein!
Das ist Mut!



Surfen
Cornelia Siegert (G 9c)

Eine Welle rollt auf mich zu,
von allen Seiten stürzt sie sich wild auf mich,
sie will mich erdrücken, überrollen, kleinkriegen,
diese Informationsflut.

Ich bin orientierungslos,
nahezu verzweifelt im Netz,
sitze da wie in einer Falle,
gefangen.

Ich werde unterdrückt und gemobbt,
ich schreie,
doch keiner hilft mir,
weil meine Worte ungehört ersticken.

Wie soll es weitergehen?

Ich muss da raus und den Kopf freikriegen!

Raus, ans Wasser,
zum Surfen auf Wellen,
die tragen.

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