Der kleine Et

Konstanze Pfister (G6a)

Es begann alles vor Millionen von Jahren. Zu dieser Zeit exisitierte noch nichts und als Gott sich eines Tages umsah, war er sehr unzufrieden. Dieses Nichts machte ihn ganz traurig. So schuf er einen riesigen Raum und hängte viele große und kleine Kugeln hinein, die er nach Belieben verzierte. Gott nannte sie Eten. Als er damit fertig war, betrachtete er sein Werk, doch er musste feststellen, dass es ihm so noch nicht gefiel. "Ich muss es besser planen", dachte er. "Es soll jeder Et seinen bestimmten Platz bekommen, seine eigene Aufgabe und einen eigenen Namen."

Gott überlegte lange und erstellte einen genauen Plan. "Du bist Jupiter, rücke bitte ein Stück nach links! Du heißt von nun an Mars. Bitte etwas nach oben rutschen!", so rief Gott einen Eten nach dem anderen auf und wies ihm seinen Platz zu.

Unter den vielen Eten gab es auch einen winzigen, der ganz gespannt auf seinen Namen wartete. "Wann werde ich wohl dran kommen? Wie wird Gott mich nennen?" Voller Hoffnung wartete er ab. Nach und nach wurden die Eten aufgerufen, nur er war immer noch nicht an der Reihe. Er wurde ganz traurig, seine Hoffnung schwand und er bekam Angst, Gott könnte ihn vergessen. Doch nein, jetzt wurde der Et neben ihm aufgerufen. Bestimmt war er als Nächster dran. Ganz bestimmt, ermutigte er sich selbst.

Gott war inzwischen zum Ende gekommen. "So, und jetzt noch Venus!", sagte Gott "Du bist die Letzte!" Der kleine Et war entsetzt. Was war mit ihm? "Halt! Ich bin auch noch da!", rief er, doch seine Stimme ging in den Weiten des Alls verloren. Gott blickte sich ein letztes Mal um, betrachtete sein neues Werk und war sehr zufrieden. Alles war nach seinem Plan verlaufen. "Ab sofort seid ihr keine Eten mehr, sondern Planeten. der Name passt jetzt besser", sprach er und wandte sich ab. Gott hatte den kleinen Eten wirklich vergessen. Da bekam dieser furchtbare Angst und fing an zu weinen. "Was geschieht jetzt mit mir? Ich habe keinen Platz bekommen und auch keinen Namen. Ich darf mich nicht einmal Planet nennen", schluchzte er. Alle anderen Planeten dagegen kreisten glücklich und zufrieden auf ihren Bahnen, nur er, der kleine Et, wusste nicht wohin. Er war alleine und von allen ausgeschlossen. Verzweifelt, ängstlich und ohne jede Hoffnung irrte er im All umher.


Es war schon einige Zeit vergangen, als der kleine Et eines Tages plötzlich etwas Leuchtendes vor sich sah. Es war größer als all die Planeten und wie verzaubert flog er darauf zu. Ihm wurde dabei ganz warm. Mit funkelnden Augen starrte er in das Licht und fragte es: "Wer bist du? Du siehst ganz anders aus als die Planeten." "Stimmt! Man nennt mich Sonne. Ich bin kein Planet wie die anderen, aber trotzdem für alle sehr wichtig.", erklärte sie vertraulich.

Gefesselt und begeistert beobachtete der kleine Et die Sonne, als er plötzlich durch eine tiefe, klare Stimme aus seinen Gedanken gerissen wurde: "Was ist das? Ein wunderschön leuchtender kleiner Punkt. Hab ich dich etwa dahin geschickt?", fragte Gott den kleinen Eten, der sich erschrocken umdrehte. Gott war wieder gekommen, er hatte ihn entdeckt, endlich! Der kleine Et rief mit lauter Stimme: "Du hast mich vergessen! Ich habe keinen Platz bekommen und auch keinen Namen!" "Das ist ja schrecklich! Das tut mir aber leid. Wie konnte ich nur einen so wunderschön leuchtenden Eten übersehen?"

"Wunderschön?", dachte der kleine Et, "leuchtend?". Wieso leuchtete er? Nachdem er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte, deutete Gott auf den Planeten namens Erde, der riesengroße, blaue Wasserflecken hatte. Zögernd wandte sich der kleine Et um. Da spiegelte er sich in einem der Meere. "Bin ich das? Ich strahle?" Doch er konnte gar nicht lange darüber nachdenken, so glücklich war er. Gott hatte ihn endlich entdeckt und jetzt würde er bestimmt auch seinen Platz und seinen Namen bekommen. "Werde ich jetzt auch ein Planet?" fragte er hoffnungsvoll. Gott antwortete: "Du bist etwas Besonderes und deshalb sollst du auch einen besonderen Namen bekommen. Du heißt von jetzt an Mond und darfst als Einziger um die Erde kreisen. Die Erde ist der Planet, auf dem es einmal Leben geben wird."

Der kleine Mond war so glücklich wie kein anderer Planet es je war. "Endlich habe ich einen Namen, einen wunderbaren Platz und eine Aufgabe." Erleichtert und zufrieden blickte er zur großen Sonne empor, die ihn liebevoll ansah. Da wusste er, wem er sein Glück zu verdanken hatte. Von nun an wechselten sich Sonne und Mond bein Bestrahlen der Erde ab.

So entstanden Tag und Nacht.