Ein ereignisreicher Tag

Lorene Löffler (G6b)

"Wie lange dauert es denn noch?", fragte ich meine Eltern gelangweilt, als wir auf dem Weg zu meiner Tante waren, denn meine Eltern hatten beschlossen einen Tag bei meiner Tante und meinem Onkel zu verbringen. "Das werden wieder qualvolle Stunden!", nuschelte ich mich vor mich hin.

Nachdem wir zwei Stunden Fahrt hinter uns hatten, sahen wir endlich das rosa Haus unserer Verwandten. Ich freute mich überhaupt nicht und schon gar nicht auf meinen Cousin. Er ist fünf Jahre alt und geht einem den ganzen Tag voll auf die Nerven. Als wir klingeln wollten, kam uns meine Tante gleich an der Tür entgegen. Sie hatte wahrscheinlich schon auf uns gewartet. Sie bat uns alle herein und dort erwartete uns bereits ein schön gedeckter Tisch mit Kaffee und Kuchen. "Mami, ich gehe ein bisschen hinaus, okay?", meinte ich zu meiner Mutter. "Ja natürlich, ein wenig frische Luft wird dir sicher gut tun, mein Schatz!", entgegnete sie.

Aber ich ging nicht hinaus. Spontan hatte ich beschlossen auf den Dachboden zu schleichen. "Da finde ich bestimmt viele interessante Sachen!", schoss es mit durch den Kopf. Ich huschte zur Dachbodentreppe und stieg sie leise hinauf. Sie war sehr wacklig. Als ich oben ankam und vor der alten Dachbodentür stand, drückte ich langsam die Türklinke hinunter. Ein modriger Geruch kam mir entgegen. "O Gott, riecht das muffig hier!", dachte ich mir, als ich die knarrende Tür einen Spalt öffnete. Ich lugte in den dunklen gruseligen Dachboden. Ein schmaler Lichtstrahl schien durch ein kleines Fenster. "Iih, überall Spinnweben!", stieß ich laut hervor. Ich lauschte. "Gott sei Dank, es hatte keiner gehört". Ich lief weiter in den Dachbodengang hinein. "Wow, gibt es hier viele Sachen!", dachte ich mir. Dort waren große Regale mit vielen verstaubten Kisten. Autsch! Ich war über etwas Hartes gestolpert. Es war ein riesiges Buch mit der Aufschrift "Großes Zauberbuch". Ich starrte ganz gebannt auf mein Fundstück. Langsam öffnete ich es und versuchte, einen der geheimnisvollen Sprüche zu entziffern. Ich murmelte einen Zauberspruch ohne zu ahnen, was er bedeuten könnte. Doch was war das? Meine Hände fingen plötzlich an, fürchterlich zu glühen. Hilfe! Es gab einen leisen Knall. Was war passiert? Ich war geschrumpft. Ich war klein. Alles um mich war plötzlich riesig. Schnell lief ich zu einem zerbrochenen Spiegel, der in einer Ecke angelehnt stand. "O nein!", kreischte ich. "Ich bin, ich bin - eine Fliege!" stotterte ich verzweifelt. Ich setzte mich erst einmal auf einen kleinen Stein, um mich zu beruhigen. Ich drehte mich nochmals zum Spiegel um. Tatsächlich, ich war zu einer fetten, schwarzen Fliege geworden. Diese Vorstellung hatte mich zuerst erschreckt, aber dann fand ich es ganz witzig. "Ich müsste ja eigentlich auch fliegen können oder?", schoss es mir dann durch den Kopf.

Ich kletterte zum Fensterbrett empor, um aus dem offenen Fenster zu fliegen. Ich nahm Anlauf und - juhu, ich flog! Über große saftige Wiesen mit bunten Blumen und über plätschernde Bäche. "Oh, bin ich durstig", stöhnte ich schon nach kurzem. Im Sturzflug raste ich hinab zum Bächlein und erfrischte mich mit dem kühlen Wasser. Nachdem ich meinen Durst gestillt hatte, knurrte plötzlich mein kleiner Fliegenmagen. "Mann! Wo soll ich denn jetzt etwas zu essen finden?" fragte ich mich. Ah! Da hatte ich aber auch schon eine Idee.

Ich flog wieder hinauf in die Lüfte. Von dort aus sah ich ein gelbes Haus mit offen stehenden Fenstern. Ich summte genau hinein. Anscheinend war ich in der Küche angekommen. Mmh! Dort stand eine riesige Sahnetorte auf dem Tisch, und weil ich Appetit bekam, wollte ich unbedingt etwas davon naschen. Genüsslich ließ ich mich in die Torte plumpsen. "Schmeckt das gut!", nuschelte ich leise. Doch plötzlich hörte ich eine Frauenstimme kreischen: "Igitt! Eine fette schwarze Fliege!" Ich blickte auf und - "Oh nein!" piepste ich: Gerade sauste eine riesige Fliegenklatsche auf mich zu. Gerade noch, in letzter Minute, konnte ich mich aus der Sahne retten und durch das Fenster entkommen. Später kam ich noch bei einem Kuhstall vorbei. Ich wollte mich auf einer braun-weißen, gefleckten Kuh ausruhen, aber sie schüttelte mich immer wieder mit ihrem Schwanz ab. So surrte ich müde durch die trockenen Lüfte. "Ich will nach Hause, mir ist kalt und es wird langsam dunkel", jammerte ich. Gott sei Dank entdeckte ich bald das rosa Haus meiner Tante. Schnell kehrte ich durch das Fenster zurück. Ich war froh, wieder hier zu sein - trotz meines Cousins. Aber die nächste Sorge war: Wie kann ich mich wieder in einen Menschen verwandeln? Ich flog zum Zauberbuch auf dem Dachboden. Vor lauter Aufregung lief ich auf dem Buch hin und her - plötzlich gab es wieder einen leisen Knall und ich war tatsächlich zurückverwandelt. Ich stand mit meinen beiden Füßen mitten auf dem Buch. Im nächsten Augenblick standen auch schon Tante, Onkel, meine Eltern und mein Cousin vor mir, die mich überall gesucht hatten.

Das war wahrhaftig ein ereignisreicher Tag, den ich sicherlich nie vergessen werde. Und ich werde bestimmt nie mehr einer Fliege was zu Leide tun. Das ist gewiss!