Die dunklen Spuren einer noch nicht angebrochenen Vergangenheit

Julia Hecht (G7a)

Da war er wieder, der Traum. Ich sah alles so deutlich wie noch nie, jede einzelne Handlung, jede noch so kleine Geste, nichts entging mir:

Es war im Krieg. Meine Mutter und ich. Wir rannten und hinter uns die Feinde, mit scharfen Waffen und nicht nur grimmigen Gesichtern, sondern kantigen wie Sperrholz, voller Machtgelüste und Streben nach Bösem. Ganz anders das Gesicht meiner Mutter, in ihrem spiegelte sich Panik, Sorge, Angst, ja sogar ein bisschen Zorn. Doch dann merkte meine Mutter, wie nah die Verfolger waren, und ihr Gesicht verfinsterte sich noch mehr.

Ich weiß nicht, wie alt ich in diesem Traum bin, ich weiß auch nicht, wie ich aussehe, so wie jetzt oder anders, ich weiß nur eines - dass ich nur eine von vielen bin, die um ihr Leben rennt. Immer wieder verfehlen uns die Kugeln nur um Haaresbreite. Sogar die Geräusche hörte ich, wie Blitz und Donner. Dann passierte es, eine Kugel traf meine Mutter. Ich sah alles, hörte, fühlte alles, spürte die Tränen, die mir hinunterliefen, spürte den harten Boden unter meinen Knien, sah den Blick meiner Mutter, hörte ihre Stimme, die mit letzter Kraft "renn!" schrie und fühlte den Schock, den Schmerz, als ihre Worte erstickten, ihr Kopf leblos zur Seite fiel und ihre Augen trüb wurden. Ich merkte auch, wie ich, wie von einer höheren Macht gezwungen, aufstand und mich in einer dunklen Gasse versteckte.

Dann schreckte ich auf, in meinem Bett in meinem Zimmer, weit weg von Krieg und Verderben. Ich weiß, was passieren wird, ich werde wieder die ganze Nacht nicht schlafen können, werde wieder über die Bilder nachdenken müssen, werde wieder in das Zimmer meiner Mutter gehen und nachschauen, ob sie da ist, und werde weiter in Angst leben, so wie ich es seit der Zeit tue, als der Traum zum ersten Mal aufgetaucht war. Aber keiner wird davon wissen, keiner wird etwas über meine Träume und Ängste erfahren, niemand wird sie kennen - außer meine kleine, verwirrte, verlorene Seele.

Doch vielleicht sollte ich aus diesem Traum lernen, vielleicht sollte er mir bei einer Entscheidung helfen, die ich zu treffen habe.

Es könnte auch ein Erlebnis aus einem früheren Leben sein, das ich noch nicht verarbeitet habe. Tausende dieser Gedanken streiften mich in dieser Nacht, die, wie die vielen, in meinem Leben war.