Winterglück

Sabrina Maul (G10b)

Vergesst alles, was ihr in billigen amerikanischen Filmen gesehen habt. Ja sicher gibt es sie, die Obdachlosen, so Leute wie mich. Überall. Aber wer ist denn auf die überaus bescheuerte Idee gekommen, wir würden uns immer an Tonnen mit brennenden Benzin wärmen können? Glaubt ihr wirklich, dass ich mir das leisten könnte? Ihr schimpft ja schon, wenn der Preis für eine Tankladung eurer Luxusschlitten um ein paar Euro steigt. Soll ich euch mal was sagen? Ich brauche mich über die Erhöhungen nicht beschweren. Das letzte Mal, dass ich Kunde bei so 'ner Zapfstelle war, ist nämlich schon ewig her. Sollte für so 'nen eingebildeten Schnösel volltanken und bezahlen. Ha denkste! Wenn ich mal 'nen Hunnie in der Hand ab, mach ich mich auf und davon. Gab zwar ein großes Geschrei samt Polizeiuntersuchungen, aber meine Kumpels von der Straße hielten dicht. Überhaupt wäre ich schon oft aufgeschmissen gewesen ohne die. Der Hannie zum Beispiel, der hat es gut getroffen. Hat 'ne ältere Dame kennen gelernt. Bei der darf er im Winter immer in ihrer Garage übernachten. Jetzt macht er das dicke Geld. Die Alte kann uns andere zwar nicht ausstehen, aber für ein paar Pfandflaschen drückt Hannie beide Augen zu. Des ist auch gut so, weil vor allem im Winter kannste in der Saukälte ned schlafen. Bis vor kurzen war bei uns also alles super. Aber dann kamen öfters fremde Leute zu unseren Treffpunkten. Die nehmen dann ein paar beiseite und reden auf sie ein. Sozialarbeiter oder so ähnlich nennen sie sich und wollen uns 'ne richtige Arbeit verschaffen. Nene, hab ich denen gleich mal gesagt, ich soll für den Staat schuften? Was hat denn der für mich getan nach dem Tod meiner Frau und nach der Schließung meines Betriebs? Sie sollen bleiben wo der Pfeffer wächst, hab ich gemeint. Danach haben sie mich in Ruhe gelassen. Dachte natürlich, meinen Kumpels wär' auch ned der Sinn nach einen spießigen Leben. Falsch gedacht. Nach und nach sind die verschwunden. Auch Hannie. Feige und ohne Bescheid zu geben. Klasse Jungs! Na mir sollt es egal sein. Ist es aber ned, weil ich jetzt auf der Straße steh. Also ich mein halt, jetzt so richtig. Ende Dezember ist es und die Metereologen haben gesagt, des wird ein besonders kalter Winter. Glaub solchen Idioten, die einen auf Zukunftsseher machen, ja eigentlich ned. Aber ich versuch schon seit Stunden auf meiner Parkbank einzuschlafen. Na wenigsten sind meine Arme und Beine nicht mehr so kalt. Wenn ich es so recht bedenke, fühlen die sich richtig warm an. Sogar in meinen Finger, die ich schon 'ne Ewigkeit nicht mehr bewegen konnte, breitet sich diese angenehme Wärme aus. Mir ist, als müsst ich aufstehen, um ein paar Schritte zu gehen. Auf den Weg kommt mir eine zierliche Gestalt entgegen. Sie ist ganz in weiß gekleidet. Irgendwie erinnert sie mich sehr an meine Frau. Und auf einmal ist da nur noch Glück.