Liebe?
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  Eine Sammlung von Liebeslyrik deutscher Dichter und Dichterinnen (angelegt von Irena Stasch)
  Ausgewählte Lyrik deutschsprachiger Dichterinnen (zusammengestellt von Wolf Busch)
  Liebesgedichte - Achim von Arnim bis Ulla Hahn
  "Verführt vom Leben, lebe ich" - Gedichte von Frauen (zusammengestellt von Flora)





Dietmar von Eist (1139-1171)*

"Slâfest du, vriedel ziere?
wan wecket uns leider schiere.
ein vogellîn sô wolgetân,
daz ist der linden an daz zwî gegân".

"Ich was vil sanfte entslâfen,
nu rüefestu, kint, wâfen.
liep âne leit mac niht sîn.
swaz du gebiutest, daz leiste ich, vriundîn mîn".

Diu vrouwe begunde weinen.
"du rîtest hinnen und lâst mich eine.
wenne wilt du wider her zuo mir?
owê, du vüerest mîne vroide sant dir!"



Unbekannt
(Bestandteil der Handschrift von Benediktbeuren,
verarbeitet in Carl Orff, Carmina burana)

Chume, chume, geselle mîn,
ich enbîte harte dîn!
Ich enbîte harte dîn,
chum, chum, geselle mîn.

Suozer roservarwer munt,
chum unde mache mich gesunt!
chum unde mache mich gesunt,
suozer roservarwer munt!



Walther von der Vogelweide

Herzeliebez vrouwelîn

Herzeliebez vrouwelîn,
got gebe dir hiute und iemer guot.
kund ich baz gedenken dîn,
dez hete ich willeclîchen muot.
Waz sol ich dir sagen mê,
wan daz dir nieman holder ist? owê, dâ von ist mir vil wê.

Sie verwîzent mir daz ich
sô nidere wende mînen sanc.
Daz si niht versinnent sich
waz liebe sî, des haben undanc !
die getraf diu liebe nie,
die nâch dem guote und nâch der schœne minnent; wê wie minnent die?

Bî der schœne ist dicke haz:
zer schœne niemen sî ze gâch.
liebe tuot dem herzen baz:
der liebe gêt diu schœne nâch.
liebe machet schœne wîp:
desn mac diu schœne niht getuon, sin machet niemer lieben lîp.

Ich vertrage als ich vertruoc
und als ich iemer wil vertragen.
dû bist schœne und hâst genuoc:
waz mugen si mir dâ von gesagen?
swaz si sagen, ich bin dir holt,
und nim dîn glêsin vingerlîn vür einer küneginne golt.

Hâstû triuwe und stætekeit,
sô bin ich sîn âne angest gar
daz mir iemer herzeleit
mit dînem willen widervar.
hâst aber dû der zweier niht,
sô enmüezestû mîn niemer werden. owê danne, ob daz geschiht!



Heinrich Heine

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen andern erwählt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.




Rainer Maria Rilke

Die Stille

Hörst du, Geliebte, ich hebe die Hände -
Hörst du: es rauscht...
Welche Gebärde der Einsamen fände
sich nicht von vielen Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider,
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder...
...aber warum bist du nicht hier.

Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille sichtbar;
unvernichtbar drückt die geringste Erregung
in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter Engel.
Nur die ich denke: Dich
seh ich nicht.



Annette von Droste-Hülshoff

Brennende Liebe

Und willst du wissen, warum
So sinnend ich manche Zeit,
Mitunter so töricht und dumm,
So unverzeihlich zerstreut,
Willst wissen auch ohne Gnade,
Was denn so Liebes enthält
Die heimlich verschlossene Lade,
An die ich mich öfters gestellt?

Zwei Augen hab ich gesehn,
Wie der Strahl im Gewässer sich bricht,
Und wo zwei Augen nur stehn,
Da denke ich an ihr Licht.
Ja, als du neulich entwandtest
Die Blume vom blühenden Rain
Und "Oculus Christi" sie nanntest,
Da fielen die Augen mir ein.
Auch giebts einer Stimme Ton,
Tief, zitternd, wie Hornes Hall,
Die tuts mir völlig zum Hohn,
sie folget mir überall.
Als jüngst im flimmernden Saale
Mich quälte der Geigen Gegell,
Da hört ich mit einem Male
Die Stimme im Violoncell.

Auch weiß ich eine Gestalt,
So leicht und kräftig zugleich,
Die schreitet vor mir im Wald
Und gleitet über den Teich;
Ja, als ich eben in Sinnen
Sah über des Mondes Aug
Einen Wolkenstreifen zerrinnen,
Das war ihre Form, wie ein Rauch.

Und höre, höre zuletzt,
Dort liegt, da drinnen im Schrein,
Ein Tuch mit Blute genetzt,
Das legte ich heimlich hinein.
Er ritzte sich nur an der Schneide,
Als Beeren vom Strauch er mir hieb,
Nun habe ich sie alle beide:
Sein Blut und meine brennende Lieb.