Zum Autor

Robert Schneider

1961 in Bregenz (Österreich) geboren, wuchs in einem Bergdorf in den rheintalischen Alpen auf, wo er heute als freischaffender Schriftsteller lebt.
1981-86 Studium der Komposition, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Wien
1990 Abraham-Woursell-Award, ein amerikanisches Privatstipendium zur Förderung junger europäischer Autoren, für die Arbeit an seinem ersten Roman »Schlafes Bruder« • Filmdrehbuchpreis des ORF für sein Drehbuch »Die Harmonien des Carlo Gesualdo« • Landespreis für Volkstheaterstücke des Landes Baden-Württemberg für sein Stück »Traum und Trauer des jungen H.« (Uraufführung am 20.11.93 im Schauspielhaus in Hannover)
1992 »Schlafes Bruder« erscheint im Reclam Verlag Leipzig und erlebt innerhalb weniger Monate vier Auflagen (über 200 Rezensionen, u. a.: Spiegel, FAZ, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Vogue; Besprechung im »Literarischen Quartett«, der Literatursendung mit Marcel Reich-Ranicki); Übersetzung in 11 Sprachen: Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch
1993 »Dreck« erscheint im Reclam Verlag Leipzig, Uraufführung am 10.1. im Thalia Theater in Hamburg. Der dramatische Monolog »Dreck« wird zum meistgespielten Theaterstück der Saison (mehr als 30 Inszenierungen); Dramatikerpreis der Potsdamer Theatertage • Alemannischer Literaturpreis • Robert-Musil-Stipendium der Stadt Wien • Die Zeitschrift »theater heute« wählt den Autor zum Nachwuchsdramatiker des Jahres
1994 Literaturpreis der Salzburger Osterfestspiele
1995 Verfilmung des Romans »Schlafes Bruder« (Joseph Vilsmaier)

Quelle: Werbebroschüre "Robert Schneider: Schlafes Bruder" (Leipzig: Reclam, 1994) [bearb.]



Zu weiteren biographischen Einzelheiten siehe auch die Interviews,
die der Autor im Zusammenhang mit der Veröffentlichung
des zweiten Romans gegeben hat (Ende 1997/Anfang 1998).





"In weichem Vorarlbergisch erzählt Schneider von seiner Kindheit. »Ich habe gelitten darunter, in einem Haus aufgewachsen zu sein, in dem es weder Bücher noch Musik gab. Die einzige Musik, die ich während meiner Kindheit hörte, war die des Dorforganisten, sonntags in der Kirche. Und der hat ganz abscheulich gespielt.« Schneider hat sich für diese frühe Pein gerächt: Heute spielt er selbst die Orgel in der Meschacher Kirche - und mehr als passabel. »Musik hat mir eine Ausdrucksmöglichkeit geboten. Später kam dann noch die Literatur hinzu. Ein gutes Stück Musik treibt mir die Tränen in die Augen. Da weine ich. Die Literatur vermag das nicht.« Gesprochene Worte gab es während Schneiders Kindheit ohnehin nicht allzu viele. »Bergbauern arbeiten und reden nicht.« Schneider erzählt, dass es im Vorarlbergischen auch keine Möglichkeit gibt, »Ich liebe dich« zu sagen. »Das existiert einfach nicht, das ist nicht drin in dieser Sprache.« Auch nicht für die Leute in Meschach, die es ohnehin nicht gewohnt sind, viel zu reden. Im Herbst 1991, nach Monaten des verzweifelten Wartens und 23 Absagen, traf bei Robert Schneider ein langer Brief vom Leipziger Reclam Verlag ein. Auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt, schrieb da der Lektor Thorsten Ahrend, dass Reclam das Buch machen wolle, »falls Sie es noch nicht anderswo gedruckt haben«. »Das war ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich war am Ziel«, erinnert sich Schneider. »Ich hatte diese Zeit, die zur größten Krise meines Lebens wurde, überwunden.« Heute kann er stolz darauf sein, dass es in der deutschen Literatur noch nie einen Debütroman gegeben hat, der sich wie Schlafes Bruder in so kurzer Zeit 250 000mal verkauft hat, dass sein Buch gerade in die 25. Sprache übersetzt wird, und dass Joseph Vilsmaier aus dem Roman für 15 Millionen Mark einen Kinofilm gedreht hat."

Michael Saur, "Einer aus dem Dorf", Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 41 (13.10.1995), S. 26.




© (hg.) Peter Ringeisen, 1996, 1998