Ich heiße Sad. Ich verkaufe Rosen. Dazu habe ich kein Recht. Wegen der Konzession. Und das sehe ich ein. Wirklich. Könnte jeder daherkommen und Rosen verkaufen. Und weiß Gott! Rosen mischen sich besser mit einer blassen Haut. Besonders rote Rosen. Das ist ästhetisch erwiesen.

Ich verkaufe rote Rosen. Der Kurt, bei dem ich die Rosen jeden Abend abholen darf, weiß, daß ich ein illegaler Rosenverkäufer bin. Nicht nur ein illegaler Rosenverkäufer, sagt er gern. Zu Recht. Man ist manchmal in einer Stimmung, da möchte man scherzen, und dann wird man überheblich. Frech, sagt der Kurt. Er nennt die Dinge beim Namen. Ich hole die Rosen bei ihm. Jeden Abend um acht. Wenn er seinen Blumenkiosk schließt. Abgezählt. Das läßt er sich nicht nehmen. Wir arbeiten gut zusammen. Ich bezahle die Rosen im voraus, und er fragt nicht nach meinem Familiennamen. Wir wissen von nichts. Auch die Rosen wissen von nichts.

Ich möchte jetzt nichts mehr über den Kurt sagen. Er ist fair. Er kann mich sogar leiden, obwohl er ahnt, daß ich ihn einmal betrügen werde.



Robert Schneider, Dreck (Leipzig: Reclam, 1993), p. 25 f.