Die Generation der "Kinder" in Schlafes Bruder

Fritz Alder

Fritz Alder, Bruder der Hauptperson Elias, wird vom Erzähler äußerst stiefmütterlich behandelt. Zwar ist es Fritz, der die Hebamme zur Geburt seines Bruders aus dem Dorf holt, doch ansonsten wird er im Text kaum noch erwähnt. Als Grund gibt der Erzähler folgende Erklärung ab:

Und der Bruder Fritz? Wir geben ohne Hehl zu, daß er uns nicht interessiert. Fritz war zeitlebens ein so unbedeutender Mensch, daß wir ihn dem Leser am liebsten überhaupt unterschlagen möchten. Er war von jener Art des vollkommen nichtssagenden Zeitgenossen. Und tatsächlich: Aus dem Mund des Fritz Alder ist uns kein einziges Wort überliefert. Wäre eines überliefert, es interessierte uns nicht. (S. 51)



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Philipp Alder

Der mongoloide jüngere Bruder des Elias ist das einzige Familienmitglied, mit dem Elias unbeschwert umgehen kann.

Nur das närrische Brüderlein gewann er lieb. Er gab sich mit ihm ab, wann immer es die Zeit erlaubte, nahm es mit zu sich in den Gaden, lehrte es gehen, lehrte es eine Sprache aus Lauten und Tönen, die nur sie beide verstanden. Und als Elias in dem Idiotenkind eine hohe Begabung für die Musik entdeckte, da wuchs die Liebe nur desto mehr, und beide wurden sie Brüder bis auf die Seele. (S. 93 f.)



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Lukas Alder

Der Mann, mit dem Peter seine Schwester Elsbeth verkuppelt, ist ein ganz durchschnittlicher Bauernsohn, allerdings mit dem Vorteil eines soliden finanziellen Hintergrunds:

Der Lukas Alder stammte vom reichsten Hof in Eschberg, war ein fleischiger Kerl, aber nicht grob oder etwa roh. (S. 138)

Und in ihrem Tagtraum, in dem Elsbeth ihre beiden Verehrer, Elias und Lukas, miteinander vergleicht, kommt die junge Frau zu dem Schluss:

[Elias] müßte einfach entschlossener und stärker sein im Leben. Dann hätte sie ihm schon lange [...] verhohlen angedeutet, daß sie ihn wolle. Gottlob sei der Lukas ganz anders. Was sie da mit ihm nach der Kirmes erlebt hatte, das habe sie derart durstig gemacht. (S. 139)



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Die Enkelgeneration: Kinder von Lukas und Elsbeth

Cosmas Alder steht gewissermaßen als Rahmen am Anfang und am Schluss der Erzählung: Er ist es, der (nach dem Vorwort) in dem Kapitel „Das letzte Kapitel“ dem Leser als letzter Bewohner des Dorfs Eschberg präsentiert wird, und der sich aus Trotz gegen Gott und die Menschen zu Tode hungert. Über ihn heißt es dort:

So zeigte der letzte Alder und zugleich letzte Eschberger noch einmal jenen verhängnisvoll störrischen Charakter, welchen überhaupt das ganze Dorf jahrhundertelang an sich getragen und welchem es schließlich seine Auslöschung zu verdanken hatte. (S. 12)

Dieser Cosmas ist der älteste Sohn von Lukas und Elsbeth, und der Leser trifft ihn wieder am Ende des Romans, als er bei dem Ausflug Elsbeths mit ihren sechs Kindern seine Mutter nach der Bedeutung des Wortes „Liebe“ fragt - und, natürlich, keine Antwort erhält (S. 204). So steht auch am Ende des Romans wieder eines der dominierenden Themen: die Sprachlosigkeit angesichts von Emotionen.



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© Peter Ringeisen, 1996