Die Zwerge im Stress



Das mit Schneewittchen war ganz anders: Schultheater


Amberg. Acht Zwerge betreten aufgeräumt und glücklich die Bühne beim letzten Stück der Amberger Schultheatertage unter der Leitung von Andreas Hilgart: "Die sieben Zwerge und Schneewittchen". Ein Irrtum, wie sich nach dem Abzählen herausstellt. Doch der ist durch den Abgang des erkälteten und überflüssigen "Hatschi" schnell korrigiert.

Schneewittchen stresst die Zwerge Offensichtlich fühlt sich die emsige Workaholic-Schar rundum wohl, bis das Unglück in Gestalt von Schneewittchen über sie hereinbricht und ihr beschauliches Dasein unerträglich macht. Statt - wie es die Gebrüder Grimm berichten - an der Besucherin, die sich unerwartet einquartiert hat, große Freude zu empfinden und sie deshalb nicht aufzuwecken, steht ihnen der erste Schock bevor: Beim Anblick eines Gespenstes - es ist Schneewittchen - griesgrämig, aus seinem Schönheitsschlaf gerissen, mit dem Betttuch um den Kopf, zeigt sich gleich, wer nun der "Herr im Haus" ist. Weder führt Schneewittchen von nun an den Zwergen den Haushalt, aus Dankbarkeit, vor der bösen Stiefmutter Schutz gefunden zu haben, noch bäckt sie Apfelkuchen.

Stattdessen empfiehlt die Dame den Hausherren einen Fertigkuchen von Deutschlands größtem Discounter und fällt ein knallhartes Urteil: "Das wollen Männer sein - elende Waschweiber sind das." Im gemeinsamen Schulterschluss mit der bösen Stiefmutter, die schließlich einen Prinzen als Köder für die "Bissgurn" auftreibt, geht der sehnlichste Wunsch der gestressten Zwerge endlich in Erfüllung: Ruhe, Sauberkeit und Ordnung zieren wieder ihr Kleinhäuschen.

Die Zuschauer dankten mit lebhaftem Applaus, bedauerten aber gleichzeitig, dass im Rahmen des Tages der offenen Tür an den Johanna-Decker-Schulen nicht mehr Zeit blieb, sich an dem Ideenreichtum der engagierten Schülerschar erfreuen zu dürfen.

Edgar Dietl







Amberger Zeitung, 4. August 2005

Bild: djd