Universalreiniger bekämpft Gespenst

Oscar Wildes "Gespenst von Canterville" in einer Aufführung der Dr.-Johanna-Decker-Schulen

Von Simone Mertel

Amberg. Um es vorwegzunehmen: Mit Gespenstern sollte man nicht spaßen, mit Amerikanern allerdings erst recht nicht! Besonders dann nicht, wenn es sich um die Familie des amerikanischen Botschafters in London, Hiram B. Otis (Georgia Papanastasopoulos) handelt. Diese bittere Erfahrung muss Sir Simon de Canterville (Katrin Fleischmann) machen, seines Zeichens seit 300 Jahren als Gespenst auf Schloss Canterville tätig.

Aber der Reihe nach: Die Mittelstufentheatergruppe unter der Leitung von Andreas Hilgart entführte die Zuschauer nach England gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der amerikanische Botschafter ersteigert Schloss Canterville und zieht mit seiner Familie dort ein. Neben seiner Gattin Mrs. Otis (Sabrina Bui) gehören dazu die Kinder Washington (Alexandra Bauer), ein Junge, der Begeisterung für Universalreiniger hegt, die mitfühlende Virginia (Sabrina Maul) und die hyperaktiven Zwillinge Mortimer und Henry (Kathrin Janker, Olga Korotkov).

Sie alle wollen zunächst nicht glauben, dass im neuen Domizil tatsächlich auch ein Gespenst wohnt, finden sich dann aber erstaunlich schnell mit dieser Tatsache ab. Sir Simon wiederum beginnt sich alsbald über die Neuankömmlinge zu ärgern. Nicht nur, dass der altehrwürdige Blutfleck in der Bibliothek von Washington mittels "Pinkerton's Universal Fleckenreiniger" entfernt wird, die amerikanische Familie fordert ihn auch noch auf, seine Ketten mit "Tammany's Rising-Sun-Öl" zu schmieren, um nächtens beim Spuken keinen solchen Krach mehr zu machen! Zwar erneuert er stets den Blutfleck und greift dabei, als ihm die Farben ausgehen, auch schon einmal zu Smaragdgrün, aber seine Situation wird immer unerfreulicher. Besonders die Zwillinge verweigern jeglichen Respekt und spielen dem Gespenst, das früher stets für Angst und Schrecken zu sorgen wusste, manchen Streich. Sir Simon wird mit Kissen beworfen, rutscht auf Schmierseife aus und wird schließlich selbst erschreckt!

Nur Virginia hat Mitleid und unterstützt das Gespenst furchtlos dabei, seinen Fluch loszuwerden und endlich die letzte Ruhe zu finden. Dazu muss jedoch der Vorwurf beseitigt werden, Sir Simon trage die Schuld am Tod seiner Gattin. In einem Prozess gelingt es ihm mit Virginias Hilfe seine Unschuld beweisen, damit steht einem Happy Ending nichts mehr im Wege…

Die Zuschauer erlebten einen amüsanten Theaterabend frei nach Oscar Wilde mit einer soliden Ensembleleistung und etlichen witzigen Regieeinfällen und schnellen Szenenwechseln. Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Katrin Fleischmann, die es verstand, das beleidigte Gespenst und dessen Nöte eindrucksvoll darzustellen. Auch die Zwillinge Kathrin Janker und Olga Korotkov wussten mit ihrem forschen Auftreten besonders zu überzeugen, sodass dem Publikum eindrucksvoll klar wurde, dass es nicht immer leicht ist, ein Gespenst zu sein.




Amberger Zeitung vom 15. Juni 2005

Bild: djd