Statt Reichtum wahren Schatz gefunden



Sindbads abenteuerliche Reisen als unterhaltsames Musical an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen

von Bettina Arens-Cakir


Fotos von der Generalprobe

Amberg. Was auf fernen Inseln, in finsteren Höhlen aus hölzernen Truhen funkelnd herauslugt, muss noch lange kein wahrer Schatz sein. Ein solcher nämlich - so lehrte das kurzweilige Singspiel zu den Amberger Schultheatertagen - kommt bisweilen als ruppige orientalische Prinzessin daher, die mit beiden Beinen fest auf den Planken eines schwankenden Schiffes steht. Dort hält sie nicht nur die raubeinige Mannschaft auf Trab, sondern bewahrt auch Sindbad nebst dem schurkenhaften Kapitän und seinen meuternden Matrosen vor dem sicheren Seemannstod, als diese, von verführerischem Sirenengesang betört, gänzlich die Kontrolle über sich verlieren.

Bis Sindbad allerdings feststellt, dass die resolute Prinzessin Laila der eigentliche "Schatz" ist, den es in den heimatliche Hafen von Basra zu verschiffen lohnt, muss er viele Abenteuer überstehen.

Von diesen erfuhr der Theaterbesucher nicht nur über das engagierte Spiel der Akteure, sondern besonders durch die gelungenen Darbietungen des Chores, der mit Liedtexten des Regisseurs Andreas Hilgart und der selbstkomponierten Musik von Chorleiter Franz Hanauska die Handlung erzählend vorantrieb bzw. kommentierte. Hervorzuheben ist dabei die Qualität des präzise artikulierenden Chores sowie die einfühlsame Klavierbegleitung und das beeindruckende Bläserensemble in der Ouvertüre unter Leitung von Irmgard Eichenseer.

Gelungen auch die Abstimmung zwischen Musik, szenischem Spiel und der Technik, die mit entsprechenden Licht-und Geräuscheffekten für die passende Atmosphäre auf hoher See sorgte. So z.B. bei der Darstellung des Schiffbruches, der Sindbad (Ulli Lehmann) an den Hof des gastfreundlichen Sultans Hassan führt (Olga Korotkov), von wo aus später auch Prinzessin Laila (Pia Roscher) die gefährliche Seereise antrat, um einer arrangierten Eheschließung zu entkommen.

Mit von der Partie ihr Hund Aisha (Lisa Gilliland): Mit seinem eigenwilligen Beschützerinstinkt trug er zwar nicht gerade zur Hochstimmung unter den Seeleuten bei, verbreitete dafür aber umso mehr Frohsinn im Zuschauerraum. Daran konnte auch der "fiese Kapitän" (Anja Pfitzner) nichts ändern, der in einem der zehn eingängigen Songs ankündigte, wie er Sindbad die Schatzkarte abjagen will, um selbst reich zu werden. Am Ende bekamen natürlich er und seine betrügerischen Matrosen (Eugenia Lempert, Katharina Seifert) die Strafe für soviel Gier und Bosheit, denn die Schatzhöhle brach unversehens über den Frevlern zusammen. Sindbad erkannte aber endlich in Laila "das wirkliche Schmuckstück" und belehrte am Schluss als alternder Mann (Sarina Wagner) einen vorwitzigen, jungen Dieb (Katharina Bäumler) darüber, dass es nicht glitzernder Tand, sondern die Liebe ist, die den Reichtum des Lebens ausmacht.

Für diese Botschaft, verpackt in einer vergnüglichen Stunde, bedankten sich die Zuschauer im Gerhardinger-Saal mit herzlichem Applaus.



Amberger Zeitung vom 26. Juli 2006
Bild: djd