Die Verrücktheiten des Verliebtseins


Auftakt der Schultheatertage an Decker-Schulen mit Shakespeares "Wie es euch gefällt"



Liebe auf den ersten Blick: Rosalinde kann Orlando nicht vergessen

Von Johann Ott

Amberg. Dass sich nicht jedes Stück von Shakespeare für die Schulbühne eignet, ist fast ein Gemeinplatz. Denn jeder Spielleiter wird sich davor hüten die Shakespeare-Szenen, die eher an "Pulp Fiction" oder Horrorfilme erinnern, Schülern zuzumuten. Manche Texte verarbeiten auch nur Themen des Alters. Was dann aber bleibt, sind eher die Komödien, die ihren Witz aus der Verwechslung beziehen oder auch aus den "Verrücktheiten" des Verliebtseins.

Begeisterung spürbar

Schultheaterleiter greifen hier gerne zu. Schüler sind begeistert, wenn es neben den Verwechslungen auch noch um Liebe (ihr Thema) geht - wenn auch bei "Romeo und Julia" mit tragischem Ende. Diese Begeisterung kann eine Aufführung tragen, springt über, nimmt den Zuschauer mit, wie es auch bei der ersten Vorstellung der Amberger Schultheatertage mit "Wie es Euch gefällt" an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen zu spüren war.

Es war eine Freude, den Spielerinnen zuzusehen, mit welcher Begeisterung sie auf der Bühne standen, mit welcher Spielfreude und Spaß sie manchen Versprecher bewältigten. Alles Mädchen oder junge Frauen. Zu Shakespeares Zeiten mussten alle Rollen von Männern besetzt werden. Hier war es mal umgekehrt, hier hatten die Frauen die Hosen an. Begeisternd war die Textsicherheit der Spielerinnen - manche standen etwa zwei Stunden auf der Bühne, überzeugend auch die Besetzung der Rollen durch den Spielleiter.

Der Inhalt des Stückes ist etwas verwirrend. Doch handelt es von den Themen, welche die Leute damals und heute sehen woll(t)en. Damals ging man ins Theater, heute schaut man sich die "Daily soap" an. Einerseits geht es, wie schon gesagt, um die "Verrücktheiten" der Liebe. Da wird der Eine zum Dichter, der Andere zum Melancholiker.

Der richtige Schwerpunkt

Andererseits geht es auch um Geschwisterrivalitäten oder auch um das Verhältnis zur "besten Freundin", um männliche und weibliche Verhaltensmuster. Darum, was uns davon angeboren oder anerzogen ist, um die Zwänge innerhalb der Gesellschaft und der Freiheit der "Blumenkinder" in der Schäferwelt, aber auch um die oft irrationalen Machtspiele der Erwachsenen. Das alles wird dann noch "geerdet" durch die Melancholie des Philosophen Jacques. Wahrlich ein bunter Strauß.

All das ist für eine Profibühne schon nicht zu schaffen, geschweige denn für eine Schulbühne. Schwerpunkte muss jeder Regisseur setzen und man spürte, dass Peter Ringeisen hier zurecht das Thema "Liebe" ausgewählt hatte. Aber größerer Mut zur Umarbeitung, Mut zu Streichungen und stärkerer Neuformulierung des alten Textes, die Ansätze waren doch überzeugend, hätten dem Abend gut getan. Dann hätte man vielleicht auch Zeit gehabt, bei allen Szenen aus dem "Hörspiel" ein "Schauspiel" zu machen.

Überzeugende Liedeinlagen

Es ist inzwischen fast ein Markenzeichen des Schulspielleiters, auf Bühnenbild und Kostümausstattung zu verzichten, allein der Lichtmodulation und der Körpersprache der Darstellerinnen zu vertrauen. In vielen Inszenierungen hat sich dies bewährt. Es ist auch richtig, deutlich zu machen, dass Theater kein Film ist, Kostüm und Requisite auf der Bühne eine andere Funktion haben, der Schauspieler im Mittelpunkt steht. Bisweilen drängte sich aber der Eindruck auf, dass er seine hervorragende Truppe doch etwas überfordert.

Es gehört schon einige Bühnenpräsenz dazu, den "leeren Raum" zu gliedern oder gar auszufüllen. Gut gefallen haben die Liedeinlagen mit Kompositionen aus der Renaissancezeit, die an den richtigen Stellen für Ruhe in der Hektik des Geschehens sorgten. Sigrid Ringeisen hatte sehr überzeugende Tanzeinlagen choreographiert, die das Sahnehäubchen - oder die geschäumte Milch - auf dem insgesamt doch wohlschmeckenden Cappuccino waren.



Amberger Zeitung vom 12. März 2008
Bild: djd