Fast den Sirenen zum Opfer gefallen


Decker-Schulen warten mit "Sindbad - das Musical" auf - Publikum begeistert - Interessante Atmosphäre


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Die verkleidete Prinzessin (links, mit Bart) hat zusammen mit ihrem Hund (ganz links) die Mannschaft vor den Verlockungen der Sirenen gerettet - manche erwachen ungern aus dem verführerischen Traum.

Von Uta Löw

Amberg. Ein Schulprojekt der besonderen Art präsentierten die Dr.-Johanna-Decker-Schulen einem begeisterten Publikum, das trotz Biergartenwetters den Gerhardinger-Saal bis auf den letzten Platz gefüllt hatte: Sindbad - Das Musical.

Mitten durch Zuschauer

Mit einfachen, aber ausdrucksstarken Requisiten (Gertrud Räß mit G11b) wird schnell eine Atmosphäre aus Tausendundeiner Nacht aufgebaut. Orientalische Wächter (Theresa Feltner, Bianca Hampl, Marina Prechtl) jagen einen Dieb (Miriam Stanciu) mitten durch die Zuschauer. Im Haus des alten Sindbad (Mirjam Ritz) findet er Zuflucht und veranlasst den Seefahrer, über sein Leben nachzudenken.

Die Binnenhandlung ist schnell erzählt: Der junge Sindbad (Konstanze Pfister) kauft bei einem Händler (Ulli Lehmann) eine geheimnisvolle Karte, auf der ein Schatz verzeichnet ist, der Sindbad ein Leben in Reichtum verspricht. Das Schiff eines verbrecherischen Kapitäns (Katharina Wiesner) soll ihn zum Versteck bringen. Leider versinkt das Schiff bei einem Sturm, Besatzung (Sarah Kusikowski, Sabine Ruckwied, Katharina Bäumler), Kapitän und Sindbad werden an Land gespült, wo sie von Aisha (Sarina Wagner), dem Hund der Sultanstochter Laila (Stefanie Kraus) aufgespürt werden. Sindbad drängt es zu dem Schatz und so kapert der Kapitän ohne dessen Wissen ein Schiff für die Weiterfahrt. Auf der ereignisreichen Seereise, bei der die Seefahrer fast den Sirenen und einem sich aufbäumenden Wal (Veronika Stich) zum Opfer fallen, gibt sich der neue Matrose als verkleidete Leila zu erkennen, die so einer vom Sultan (Kathrin Kleppmann) arrangierten Ehe entgehen will.

Der wahre Schatz

Die emanzipierte Sultanstochter widersteht dem Werben des machtgierigen Kapitäns, der am Ende nicht einmal den Schatz gewinnen kann, weil die Höhle über ihm und seiner Mannschaft zusammenkracht. Leila und Sindbad entdecken ihre Liebe und damit den wahren Schatz des Lebens. Der Rahmen schließt sich, als der alte, kinderlose Sindbad den jungen Dieb adoptiert. Und somit ist alles, alles gut!

Gut waren aber vor allem Inszenierung, Ausstattung und Darbietung des Musicals, angefangen vom variablen Bühnenbild (Veronika Thomann mit G11c) über die von Sigrid Ringeisen perfekt inszenierte und einstudierte Choreographie bis hin zur eindrucksvollen Leistung von Chor und Orchester. Hut ab vor den Solosängerinnen Konstanze Pfister, Stefanie Kraus, Katharina Wiesner und Veronika Stich - jede von ihnen hätte wohl gute Chancen, Deutschlands nächster Superstar zu werden.

Sichere Spielweise

Wunderbar gelungen auch die Verknüpfung von Spiel, Bewegung und den Liedern und der Musik aus der Feder von Franz Hanauska, der auch noch am Klavier begleitete. Die spritzigen Regieeinfälle der beiden Regisseure Andreas Hilgart und Veronika Thomann ließen keine Sekunde Langeweile aufkommen. In Erinnerung bleibt hier neben vielen anderen die pantomimische Darstellung des Schiffsuntergangs und der Tropfsteinhöhle. Ein großes Lob aber vor allem auch den zahlreichen Akteurinnen auf und vor der Bühne! Sie überzeugten durchwegs durch sichere, präzise Spielweise, Bühnenpräsenz und hervorragendes Sprechen. Bis zuletzt schafften sie es, Spannung und Tempo zu halten.

Mit dem gemeinschaftlichen Schulprojekt "Sindbad - Das Musical" haben alle Beteiligten ein Highlight der diesjährigen Schultheatertage auf die Bühne gebracht! Der tosende Beifall mag für die harte Arbeit, die hinter so einem gelungenen Projekt steckt, entschädigen.



Amberger Zeitung vom 2. Juni 2008
Bild: djd