Abitur

Abiturgottesdienst am 26.06.2009

"Unser Weg"

Eingangslied: O happy day (Chor)


Begrüßung


Liebe Abiturientinnen, liebe Eltern und Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Ich darf Sie alle zu unserem Abiturgottesdienst herzlich begrüßen. Ein "happy day", oder doch ein etwas wehmütiger Tag des Abschieds von der Schule? Beides wohl, Altes zurücklassen und Neues Wagen, neue Lebensschritte, manchmal kleine Schritte wie bei Beppo, dem Straßenkehrer:


Besinnungstext:


"Von Beppo, dem Straßenkehrer", Erzählung von Michael Ende
Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Schritt - Atemzug - Besenstrich.
Schritt - Atemzug - Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter - Schritt - Atemzug - Besenstrich.
Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere,
kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte. Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und als sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.
"Siehst du, Momo", sagte er dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt noch immer vor einem. So darf man es nicht machen."
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten." Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein." Und abermals, nach einer langen Pause fuhr er fort: "Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste." Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: "Das ist wichtig."


Überleitung zum Kyrie:
An den nächsten Atemzug und Besenstrich denken, das ist richtig. Und doch geht es auch um den weiten Blick, den großen Bogen, der all den kleinen Schritten erst Sinn und Richtung gibt. So blicken wir jetzt auf Christus, den Herr, den Weg und bitten um sein Erbarmen:


Kyrierufe:


Herr, ein neuer Anfang bedeutet, offen für neue Möglichkeiten in die Zukunft zu blicken und Herausforderungen anzunehmen.
Herr, erbarme dich unser…
Herr, ein neuer Anfang bedeutet, dass jeder für sich versuchen muss, den richtigen Weg zu finden.
Herr, ein neuer Anfang bedeutet, auch das Vergangene nicht zu vergessen und daraus etwas Neues aufzubauen.


Gloria: Ich lobe meinen Gott


Tagesgebet


Gütiger und Leben spendender Gott, am Ende unserer Schulzeit sind wir zusammengekommen um Dir zu danken für alles, was wir an Gutem und Wertvollem empfangen durften.
Wir bitten dich: Bleibe bei uns nahe, wenn wir jetzt auseinander gehen und sei unser Halt in den vielen Herausforderungen, die auf uns warten.
Darum bitten wir...


Lesung aus dem Buch der Psalmen (Psalm 23):


Der Herr ist mein Hirte, / nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen / und er führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen; / er leitet mich auf rechten Pfaden,
treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht / ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir, / dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch / vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl, / du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, / und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.


Antwortgesang: I will follow him


Evangelium: Lk 24,13 - 35


Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazareth. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben Ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es sei ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weiter gehen, aber sie drängten ihn, und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.


Predigt:


Liebe Abiturientinnen, liebe Schwestern und Brüder!
"Ich bin dann mal weg!" Ich denke, sie alle kennen diesen Buchtitel von Hape Kerkeling aus dem Jahr 2006. In diesem Buch beschreibt er den Pilgerweg nach Santiago de Compostela im Jahr 2001. Gezeichnet durch Hörsturz und Gallenoperation macht er sich auf den Weg, um sich selbst neu zu finden, zu erfinden. Das Buch hat die ohnehin schon starke Pilgerwelle in den berühmten Wallfahrtsort im Nordwesten Spaniens noch verstärkt.
Im Mittelalter pilgerten Menschen besonders dorthin, um symbolisch den Weg ihres Lebens nachzugehen und das Ziel ihres Lebensweges, die Vollendung in Gott, in Blick zu nehmen. Daran erinnern aber auch bei uns viele Wallfahrtsorte. Vielleicht sind auch sie in der Nähe von einem aufgewachsen.
"Ich bin dann mal weg" - das können Sie, liebe Abiturientinnen heute auch sagen. Lange neun Jahre waren Sie hier an der Schule und haben Schritt für Schritt eines Weges absolviert. Sie waren und sind bereits auf dem "Pilgerweg des Lebens". Beleuchten wir diesen Ihren neuen Lebensschritt mit den Bibeltexten des heutigen Gottesdienstes. Wie viele Texte der Bibel, sind sie nicht einfach Literatur aus der Vergangenheit, sie sind Gegenwart und damit für uns bestimmt.
Auf dem Pilgerweg ihres Lebens waren auch die Emmausjünger. Enttäuscht und verunsichert machten sie sich auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus. Sie waren dann mal weg. Weg für immer, untergetaucht in der anonymen Masse, der vielen, die sich einfach so durch das Leben treiben lassen. Oder doch nicht? Irgendetwas, irgendjemand störte dieses Abtauchen in die Anonymität mit dem Ruf: ich brauche euch, euer Leben ist mir wichtig und wertvoll, kehrt um, macht euch auf den Weg zurück nach Jerusalem zu den anderen Jüngern und verkündet, dass das Leben über den Tod gesiegt hat, dass Ostern gegen alle Resignation und gegen alles Scheitern steht.
Das ist auch das Thema des Psalms 23: Er spricht von den grünen Auen, auf denen Gott, der gute Hirte mich lagern lässt. Er spricht aber auch von der finsteren Schlucht, durch die der Pilgerweg des Lebens immer wieder führt: die vielen Negativnachrichten, entmutigende Schlagzeilen, unsichere Zukunft und Orientierungslosigkeit. Ja, die Sprechweise des Psalms scheint mir sehr realistisch: Es wird freudige Höhepunkte geben und Etappen durch das dunkle Tal. Seien sie sich gewiss: Auch auf diesen Etappen wird es wahr sein: der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Wie auf dem Pilgerweg der Emmausjünger kann es immer wieder die Wendung geben, die sie herausführt aus der Resignation, heraus aus dem Stillstand. Und wie die Emmausjüngern sollen auch sie die Erfahrung machen: Auch wenn es aus scheint, wir werden immer wieder gebraucht, wir haben eine Aufgabe und sind nicht ohne Hoffnung unterwegs.
Und dann: Wer unterwegs ist, muss ein Ziel haben. So wie die Wallfahrt in einer Kirche endet, so soll die Wallfahrt unseres Lebens bei und in Gott enden. Das ist unsere Überzeugung als Christen. Und deshalb: Wer ein Ziel hat, kann auch die Strapazen auf dem Weg gut ertragen. Ein Ziel, eine Hoffnung, verleiht Flügel, lässt manche Blase, Schramme und Verletzung auf dem Weg überstehen und wieder heilen.
Liebe Abiturientinnen, seien Sie nun mal weg, um diesen Pilgerweg anzutreten, um Probleme anzugehen, um Leben verantwortlich zu gestalten und dann in diesem "weg sein" auch immer wieder einmal zurückzukehren an diese Schule, die Ihnen (hoffentlich) das nötige Rüstzeug für diesen Ihren Pilgerweg des Lebens mitgegeben hat. Amen.


Fürbitten


Herr, wir sind am Ende unserer Schulzeit angelangt und stehen nun mit unseren Bitten für einen neuen Lebensabschnitt vor dir:


1. Für alle, die manchmal vom Weg abkommen: Stelle ihnen Menschen zur Seite, die ihnen helfen und sie auf die richtige Spur zurückführen!

2. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg gehen. Lass die anderen den richtigen Weg des Einzelnen akzeptieren!

3. Obwohl wir alle einzigartig sind, neigen wir viel zu sehr dazu, nur auf der menschlichen Hauptstraße entlang zu rasen. Gib uns die Fähigkeit und den Mut, unsere eigenen Pfade zu finden und zu begehen, auch wenn sie noch unbetreten sind!

4. Wir sind an einer Kreuzung angekommen und sollen uns nun für eine bestimmte Richtung entscheiden. Hilf uns beim Orientieren, um die für uns richtige Abzweigung zu wählen!

5. Wenn wir irgendwann einmal erkennen müssen, dass wir uns verirrt haben oder auf den Abgrund zusteuern, dass wir also die falsche Abzweigung genommen haben, dann gib uns in solchen Zeiten Kraft umzukehren, um eine neue Richtung einzuschlagen!


Allmächtiger Gott, erhöre unsere Bitten, die wir in dieser Stunde des Abschieds an Dich richten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen


Lied zur Gabenbereitung: Er hört dein Gebet


Gabengebet:


Herr, mit den Gaben von Brot und Wein bringen wir uns unsere Schulzeit vor dir. Wir bitten dich: Wandle alles, was wir in den zurückliegenden Jahren erfahren durften zum Guten.
Darum bitten wir durch...


Sanktus: O Lord (Katharina Wiesner)


Friedenslied: Du und ich


Kommunion: Hymne a la nuit (Chor)


Meditationstext nach der Kommunion: "Spuren im Sand"


(Gedicht von Ken Brown)


Ich träumte eines Nachts,
ich ging am Meer entlang
mit meinem Herrn.
Und es entstand vor meinen Augen,
Streiflichtern gleich, mein Leben.


Nachdem das letzte Bild an uns
vorbei geglitten war, sah ich zurück
und stellte fest,
dass in den schwersten Zeiten
meines Lebens
nur eine Spur zu sehen war.


Das verwirrte mich sehr,
und ich wandte mich an den Herrn:
"Als ich dir damals, alles
was ich hatte, übergab,
um dir zu folgen, da sagtest du,
du würdest immer bei mir sein.
Warum hast du mich verlassen,
als ich dich so verzweifelt
brauchte?"


Der Herr nahm meine Hand:
"Geliebtes Kind,
nie ließ ich dich allein,
schon gar nicht
in Zeiten der Angst und Not.
Wo du nur ein Paar Spuren
In dem Sand erkennst, sei ganz gewiss:
ICH HABE DICH GETRAGEN."


Schlussgebet


Allmächtiger Gott, in diesem Gottesdienst haben wir für die zurückliegenden Schuljahre gedankt. Erfülle uns für die Zukunft mit deinem Geist, damit wir Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen. Darum…


Dank - Wünsche - Segen


Schlusslied: Möge die Straße…

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