Abitur

Abiturgottesdienst am 24.06.2016
08:30 Uhr, Schulkirche

„Reise“

Eingangslied: Amazing grace

Liebe Abiturientinnen, liebe Eltern und Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Der Abiturgottesdienst bildet stets einen besonderen Höhepunkt im Ablauf eines Schuljahres. Diesen Gottesdienst wollten Sie unter das Motto „Reise“ stellen. Am Ende der Schulreisezeit und am Beginn einer neuen Reise habt ihr einen ganz speziellen Rucksack mitgebracht:

Rucksack:

Wie oft wohl habt ihr euch in der zurückliegenden Schulzeit morgens auf den Weg zur Schule gemacht? Wie oft habt ihr vorher euren Rucksack gepackt für Mathe, Englisch, Reli, Sport…? Manchmal fröhlich, manchmal ängstlich, manchmal lustlos. Gezwungenermaßen halt – stimmt´s? Vielleicht habt ihr euch vor zwei Wochen gedacht: Jetzt ist alles gelaufen! Nichts wie weg mit dem Rucksack und dem übrig gebliebenen Inhalt, den Stiften, vergammelten Heften, Tempos, Kaugummi, Haarbürste und der alten CD…
Wir vom Vorbereitungsteam haben nochmals einen Rucksack für euch alle gepackt. Er ist größer als die üblichen Schulrucksäcke – er soll ja hier gut sichtbar sein. Da sind jetzt eure ganz persönlichen Erinnerungen drin. Manche schöne und sicher auch so manche schwierige. Manche Erinnerung liegt oben drauf und andere wieder sind versteckt und so einfach gar nicht zu entdecken; doch ihr tragt sie mit euch; sie lassen sich nicht einfach nur ausräumen und wegwerfen! Steckt da vielleicht etwas ganz tief im Rucksack – hat einen Platz, an dem es gar nicht auffällt? Mal schauen, was ich im Rucksack entdecke!

Ein Seil:

Bergsteiger wissen: Es ist eine sog. „Rebschnur“ mit Karabinerhaken. Im Gebirge gibt solch ein Klettergurt den nötigen Halt, wenn das Gelände zu gefährlich wird. Allein nützt das Seil oft nichts, man braucht eine Mannschaft dazu, mit der mich das Seil verbindet. Sicher ward ihr in eurem bisherigen Leben öfter an solch einem Seil gehangen, vielleicht habt ihr es manchmal gar nicht bemerkt. Eltern, Freunde, Klassenkameraden oder Lehrer waren da als „Seilschaften“ gefragt. Weggefährten, die hoffentlich nicht (nur) enttäuschten. Wegbegleiter, die an der Seite blieben, auch wenn das Gelände schwierig wurde. Ein zu fest angelegtes Seil kann aber auch Enge verursachen, keine eigene Bewegungsfreiheit lassen, Atemnot und Ängste auslösen. Manche Bindungen werden in Zukunft nun lockerer oder gehen sogar verloren. Darum lege ich das Seil jetzt vor den Altar.

Bücher:

Ganz schön schwer, dieser Stapel Bücher. Oft habt ihr sie in die Schule geschleppt, manchmal auch in die Ecke gestellt. Jetzt dürft ihr sie erst einmal liegenlassen. Sie müssen euch nicht mehr beschweren. Abgelegt auch die Belastungen der Schulaufgaben und Prüfungen, zurückgelassen die Angst und das schlechte Gewissen, dass man zu wenig gelernt hat. Hier am Altar sind sie gut aufgehoben: „All eure Sorgen, heute und morgen, werft auf ihn.“ (Manfred Riedel)

Stein:

Noch immer sieht der Rucksack sehr schwer und beladen aus – ich glaube, man müsste noch etwas herausnehmen…Kein Wunder, dass der Rucksack so schwer war – dieser Stein wiegt ganz schön viel. Er steht für alle möglichen Dinge, die uns belasten, z. B. Probleme mit Freunden, Streit in der Familie. Krankheiten, Angst vor der Zukunft…und was es dergleichen mehr gibt. Doch können und müssen wir diese Last nicht allein tragen, denn in Ps 121 steht: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“

Kyrie: (Kyrie, mein Gott)

Herr Jesus Christus, du bist der Begleiter auf unserer Reise durch das Leben, auch wenn wir das nicht immer sehen.

Herr, erbarme dich
Christus, manchmal scheint unser Leben eine Sackgasse zu sein. Wir spüren nicht, dass Du uns den richtigen Weg zeigst.

Herr, immer wieder treffen wir Entscheidungen, die unseren Lebensweg gefährden.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er nehme sich unserer Lebensreise an und führe sie in die Fülle des ewigen Lebens. Amen

Gloria: Ehre, Ehre sei Gott

Tagesgebet

Gütiger Gott, am Ende unserer Schulzeit sind wir zusammengekommen, um Dir zu danken für alles, was wir empfangen durften.
Wir bitten dich: Bleibe uns nahe, wenn wir jetzt die Reise des Lebens fortsetzen. Sei unser Halt in den vielen Herausforderungen, die auf uns warten und gib uns Mut und Kraft, die Gesellschaft in deinem Geist mitzugestalten! Darum bitten wir...

Lesung aus dem Buch Jona:

Und das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn Amittais, folgendermaßen: Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen! Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des Herrn weg nach Tarschisch zu fliehen; und er ging nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. Da bezahlte er sein Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarschisch zu fahren, weg von dem Angesicht des Herrn.
Aber der Herr schleuderte einen starken Wind auf das Meer, so dass ein großer Sturm auf dem Meer entstand und das Schiff zu zerbrechen drohte. Da fürchteten sich die Schiffsleute und schrien, jeder zu seinem Gott; und sie warfen die Geräte, die im Schiff waren, ins Meer, um es dadurch zu erleichtern. Jona aber war in den untersten Schiffraum hinabgestiegen, hatte sich niedergelegt und war fest eingeschlafen. Da trat der Schiffskapitän zu ihm und sprach: Was ist mit dir, dass du so schläfst? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleich wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht untergehen! Und sie sprachen einer zum anderen: Kommt, wir wollen Lose werfen, damit wir erfahren, um wessentwillen uns dieses Unglück getroffen hat! Und sie warfen Lose, und das Los fiel auf Jona. (…) Darauf nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer; und das Meer hörte auf mit seinem Wüten (…). Und der Herr entsandte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte; und Jona war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte lang. Und Jona betete aus dem Bauch des Fisches zu dem Herrn, seinem Gott. (…) Und der Herr gebot dem Fisch; und der spie Jona ans Land.
(Jona 1 – 2, in Auszügen)

Wort des lebendigen Gottes

Gesang nach der Lesung: O happy day (Chor)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke sich nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt: Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. Wohin ich aber gehe, wisst ihr, und ihr kennt den Weg. Thomas sprach zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg kennen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!
(Joh 14,1 - 6)

Predigt:

Liebe Abiturientinnen, liebe Eltern und Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen!

An diesem Tag des Abschieds mit vielen Gedanken, die in die Vergangenheit gehen, aber auch in die Zukunft, ist es gut, den reichhaltigen Schatz der biblischer Texte aufzumachen, hineinzugreifen und zu hören. Sie haben mir in der Vorbereitungsgruppe zwei Texte ausgesucht, einen Abschnitt einer alten Lehrerzählung, die den Namen „Jona“ trägt und einen Abschnitt aus dem Johannesevangelium.
Mit den Thema „Reise“/Lebensweg können wir leicht die Brücke zum Propheten Jona schlagen. Jona soll nach Ninive reisen. Aber warum weigert sich Jona, nach Ninive zu gehen? Ninive ist eine bedeutende Stadt der Antike, in dieser Erzählung aber Symbol für alle Menschen außerhalb Israels, deshalb ist sie groß. Sie ist aber nicht nur groß, sondern auch voller Bosheit. Jona hat einen Verdacht. Wenn er jetzt nach Ninive gehen würde, könnten die Menschen doch tatsächlich Buße tun. Sein Gott Jahwe wäre dann nicht nur für Israel da, sondern für alle Menschen. Genau so geschieht es dann auch und Jona ist am Ende zornig auf Gott, der auch mit den „Heiden“ gnädig ist. Das Buch bedeutet einen Meilenstein in der Religionsgeschichte: Die einzelnen Völker hatten ihre eigenen Götter – das war bisher, jetzt heißt es: ein Gott für eine Menschheit!
Das müsste auch heute bedacht werden: Religionen sind Produkte der verschiedenen Kulturen, aber vor aller Zersplitterung in die Kulturen sind wir eine Menschheit. Im Hinblick auf die Christen sagt es Paulus so: Es gibt nicht mehr Juden noch Griechen, nicht Sklaven oder Freie, nicht Mann noch Frau, ihr alle seid eins in Christus.
Damit bin ich bei einem zweiten Gedanken dieses Buches Jona: Jona war schon in der frühen Kirche ein Sinnbild für Christus: Drei Tage im Bauch des Fisches – drei Tage im Grab. Es handelt sich um einen Neuanfang, Jona muss seinen Weg nach Ninive gehen, Christus, der Gekreuzigte geht seinen Weg in die Herzen der Jünger, um zukünftig in ihnen zu wirken: Damit sie nicht Juden noch Griechen sind, sondern neue Menschen – trotz aller Verschiedenheit.
Das Evangelium meint es ebenso: Die Wohnung, von der Jesus spricht, das sind wir selber, unsere Herzen, unser Leben. Wir können unser Herz auch als Grab Jesu belassen, indem wir ein wenig an ihn denken, mit ein bisschen katholischer Folklore, ihn herausholen, wenn wir ihn gerade brauchen. Aber im Grunde bleibt er tot, denn er ergreift nicht unsere Herzen und unser Leben.
Bei den Jüngerinnen und Jüngern wurde das Herz ergriffen. Maria von Magdala hätte ihn zu gerne für sich behalten, in frommer Erinnerung. Aber es ging nicht: Halte mich nicht fest, hört sie Jesus sagen und: Geh und sag den Jüngern!
Liebe Abiturientinnen, auch wir haben heute die Möglichkeit, ihn im Grab zu lassen oder ihm Wohnung zu bieten, damit wir sind, wo er ist. Nur so wird es gelingen, die Welt in positiver Weise mitzugestalten. Und das ist auch dringend nötig. Die Frage lautet ja: Welche Zukunft wollen wir? Und welchen Menschen brauchen wir dafür? Packen wir doch – um mit Ihrem Eingangsbild zu sprechen – den Rucksack für die Reise so, dass er zukunftstauglich ist mit den Utensilien, die Jesus in den Mittelpunkt gestellt hat:
Reden Sie nicht so viel von Gott, sondern packen sie selber an! Das mag jetzt provozierend klingen, aber „Gott“ kann auch zum Verhinderer unserer eigenen Verantwortung werden. Wir brauchen kein Gottesgeschrei, sondern ein Hören der menschlichen Schreie. Wir brauchen keinen Menschen, der immer nur nach seinen Bedürfnissen fragt, sondern in Bescheidenheit teilen kann, was diese Erde gibt. Wir brauchen im Geiste Jesu einen Menschen, der vor der Verantwortung nicht davonläuft wie Jona zunächst. Wir brauchen einen Menschen, für den Frieden und Versöhnung nicht Träume sind, sondern Realpolitik. Wenn so Christus Wohnung in uns, in ihnen nimmt, wenn Sie dort sind, wo er ist, dann ist mir nicht bange um den Teil der Zukunft, den Sie zu gestalten haben. Amen

Fürbitten:

Herr, wir haben ein wichtiges Ziel unserer Lebensreise erreicht, wir sind am Ende unserer Schulzeit angelangt. Am Beginn eines neuen Lebensabschnitts stehen wir nun mit unseren Bitten vor dir:

  1. Wir bitten für uns Abiturientinnen: Begleite uns auf unserem Lebensweg, gib uns Mut, Neues zu versuchen, und schenke uns Menschen an unserer Seite, denen wir vertrauen können.


  2. Wir bitten für unsere Familien: Stärke ihre Hoffnung, dass wir miteinander verbunden bleiben, auch wenn wir unsere eigenen Wege gehen werden. Lass diesen Tag auch für sie zu einem Neuanfang werden, auf den sie sich voll Vertrauen einlassen können.


  3. Nach dem Abitur wird jede ihre eigenen Wege gehen. Herr, sorge dafür, dass Freundschaften, die sich in der Schule gebildet haben, trotz größerer Entfernung nicht zerbrechen.


  4. Wir bitten für alle Schülerinnen unserer Schule: Hilf ihnen über ihrem Schulalltag nicht zu vergessen, dass du ihnen nahe bist und sie in das Leben führen willst.


  5. Für unsere Lehrerinnen und Lehrer: dass sie weiterhin die Kraft und Freude haben, Schülerinnen erfolgreich auf das Abitur vorzubereiten und ihre Begeisterung weiterzugeben.


  6. Wir bitten heute auch für alle, die schon verstorben sind. Schenke Ihnen dein Licht und deinen Frieden!

Allmächtiger Gott, du bist immer bei uns, um uns zu beschützen, wohin wir auch gehen auf unserem Weg in die Freiheit. Erhöre unsere Bitten durch Christus, unseren Herrn. Amen

Lied zur Gabenbereitung: Chor

Gabengebet:


Herr, mit den Gaben von Brot und Wein bringen wir uns unsere Schulzeit vor dich. Lass reiche Frucht bringen, was in den vergangenen Jahren ausgesät wurde. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Hochgebet

Sanctus: Heilig…Erd und Himmel – sind deiner Ehre voll

Friedenslied: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Kommunion: Fly (instrumental)

Text nach Kommunion

Meine Zeit. Folg dem Sinn. Reisen heißt: Träume finden, Freiheit, ein Neubeginn.
Ich such, wovon ich träum´, vielleicht find ich mich selbst, der schnellste Weg zu mir führt einmal um die Welt.

Reisen ist Abschied, genießen wie die Glut zu Asche wird, um die Stadt der Träume nach ´nem guten Zug im Nachtzug, wieder zu verlassen, wir sind jung und tanzen – fast verwirrt, wissen nach Sekunden, es war goldrichtig hier hinzufahren, nehmen Menschen in den Arm, beginnen dann, den Sinn zu ahn´,
Schönheit küss mich wach am Puls der Nacht in den bunten Clubs der Stadt, die Welt ist nur für uns gemacht, die Zehen im Sand vergraben, eigentlich seltsam, dieses Gefühl von „zu Hause sein“ erst in ´nem anderen Land zu haben, am Sterbebett bereust du keine Fehler und Laster, nur Erfahrungen, die du nie gemacht hast. Reisen will mich eines lehre, man reist um wieder heimzukehren, bis zum nächsten Mal.

Meine Zeit. Folg dem Sinn. Reisen heißt: Träume finden, Freiheit, ein Neubeginn.
Ich such, wovon ich träum´, vielleicht find ich mich selbst, der schnellste Weg zu mir führt einmal um die Welt.

Man sagt, Reisen veredelt den Geist, jeder Fußabdruck, den ich hinterlasse, geht in die Ewigkeit ein, reisen heißt, in jedem Augenblick leben und sterben, nach eigenen Regeln und Werten mein Leben entwerfen, Reisen ist Zeit nehmen, ich sitz´ am Meer unter Sternen, ich mach die Augen zu und seh mit dem Herzen, komme mir näher und lerne auf meinem Wege in der Ferne, ich gestalte es und halt fest, genieße mein Leben in vollen Zügen, und will nur mal eben zur Sonne fliegen. Die Welt ist ein Buch, um damit weiterzukomm´, will ich reisen, sonst seh ich nur ´ne Seite davon, nicht um anzukomm´, sondern um unterwegs zu sein, und ich bin schon befreit, wenn der erste warme Windhauch mich streift.

Kurze Stille

Meine Zeit. Folg dem Sinn. Reisen heißt: Träume finden, Freiheit, ein Neubeginn.
Ich such, wovon ich träum´, vielleicht find ich mich selbst, der schnellste Weg zu mir führt einmal um die Welt.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, in diesem Gottesdienst haben wir für die zurückliegenden Schuljahre gedankt. Erfülle uns für die Zukunft mit deinem Geist, damit wir Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Dank für die Vorbereitung

Segen

Schlusslied: Irische Segenswünsche

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