Ostern

Vorösterlicher Gottesdienst
Freitag, 03.04.2009
Basilika St. Martin, Amberg

"Kinderrechte"

Eingangslied: Im Dunkel unserer Ängste

Liturgische Begrüßung

Liebe Schülerinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das Vorbild für unser Osterfest ist das Paschafest der Juden. Das Paschafest erzählen sich die Juden die alten Geschichten von der Befreiung aus Not, Unterdrückung und Sklaverei. Doch diese Erzählungen sind heute ebenso aktuell wie damals. Noch immer werden weltweit Frauen, Männern und Kindern diese Rechte vorenthalten, obwohl sie längst "beschlossene Sache" sind. Hören wir einmal kurz in die UN Kinderrechtskonvention hinein:

[Michael Zenger:]
Artikel 27: Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an.
Artikel 32: Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte.
Artikel 35: Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten innerstaatlichen, zweiseitigen und mehrseitigen Maßnahmen, um die Entführung und den Verkauf von Kindern sowie den Handel mit Kindern zu irgendeinem Zweck und in irgendeiner Form zu verhindern.

[Hirblinger:]
Zwischen diesen formulierten Rechten und der Wirklichkeit besteht oft ein großer Unterschied. Hören wir dazu drei Beispiele aus verschiedenen Ländern und Erdteilen:

[Andreas Hilgart:]
Sonntagmorgen. 7 Uhr. Nagpur, Indien: Rekha knüpft an ihrem Teppich. Sie durfte sich um 3 Uhr nachts hinlegen. Auf den Boden, neben ihrem Webstuhl. Sie konnte drei Stunden schlafen, dann weckte sie der nächste Aufseher wieder auf, um den Teppich weiterzuknüpfen. Sie kann eigentlich schon lange nicht mehr, doch sie fürchtet sich vor den Schlägen des Arbeitgebers. Einmal, da hat sie um eine kurze Pause gebeten. Da wurde sie verprügelt und bekam einen Tag lang nichts mehr zu Essen. Die Kinder, die ich kenne, schlummern Sonntagmorgens um diese Uhrzeit in ihren bequemen Betten. Der Sonntag ist gefüllt mit Freizeitaktivitäten oder sie faulenzen das ganze Wochenende.

[Arno Thaler:]
Montagvormittag. 11 Uhr. Salvador, Brasilien: Die neunjährige Sarina sammelt auf der Müllhalde weggeworfene Gegenstände, die sie später sortiert und verkauft. Schon oft hat sie sich dabei an Glas geschnitten. Ihre beste Freundin ist im letzten Jahr deswegen an einer Blutvergiftung gestorben. Sie war sieben.
Bei uns sitzen Siebenjährige am Montagvormittag in der Schule. Davon kann Sarina nur träumen. Der Schulbesuch kostet Geld. Und die finanzielle Situation seiner Familie ist so schlecht, dass sie nicht einmal genug zum Essen haben. Sarinas Eltern sagen immer, dass sie auch nie eine Schule von innen gesehen haben und als Kinder genauso hart arbeiten mussten.

[Michael Zenger:]
Freitagabend. 20 Uhr. Birni-Nkonni, Nigeria: Abu schleppt Ziegelsteine. Er arbeitet in einer Ziegelbrennerei. Seine beiden jüngeren Schwestern ballen die Lehmklumpen, legen sie in Ziegelformen, schneiden sie mit einem Drahtbogen und stellen sie in die brütende Hitze zum Trocknen. Dann muss Abu die Steine zum Abholplatz tragen. Jeden Tag. Abu ist blind, seit er 12 ist. Die hohe Bleikonzentration im Ton ist Schuld daran. Seinem Arbeitgeber ist das gerade recht. Dann ist die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass er davon läuft. Der Besitzer der Ziegelei wird die drei Geschwister nicht freiwillig gehen lassen. Denn ihr Vater hat sich damals, nach dem Tod der Mutter, eine Vorrauszahlung des späteren Lohns der Kinder geben lassen und ist dann mit dem Versprechen, den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, in die Hauptstadt gegangen. Abu wird sich wohl niemals freikaufen können.

Kyrie-Rufe:

Herr, auch heute werden Kinder ausgebeutet und ihrer Kindheit beraubt.
Herr, oft sind wir zu bequem oder zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um aufzustehen gegen Ausbeutung und Diskriminierung.
Herr, wie die Propheten bist du aufgestanden und auferstanden aus Hass, Ausgrenzung und Ausbeutung und hast dich für eine gerechtere Welt eingesetzt.

Vergebungsbitte

Tagesgebet:

Gütiger Gott, dein Sohn Jesus Christus hat die Menschen seine Jünger genannt, die deinen Willen erfüllen, die für Recht und Gerechtigkeit unter den Menschen sorgen. Stärke uns, damit wir mitbauen an einer Welt des Friedens und der Gerechtigkeit, an einer Welt, in der Kinder eine Zukunft haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Lesung: Jer 20, 10-13

Jeremia sprach: Ich hörte das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.
Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach.
Aber der Herr der Heere prüft den Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut.
Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

Gesang nach der Lesung: Mitten in der Nacht blüht die Hoffnung

Evangelium: Markus 9,33-37

Jesus und seine Jünger kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, frage er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, dann sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Predigt:

Liebe Schülerinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Rheka, Sarina und Abu, drei Einzelschicksale aus verschiedenen Teilen der Welt, Angehörige verschiedener Weltreligionen. In diesen Religionen gibt es deutliche Appelle zur Mitmenschlichkeit, denken wir nur an den Islam mit seiner dritten Säule, der Armensteuer. Besonders der Heimatort von Sarina, dem Mädchen aus Brasilien macht mich nachdenklich: "Salvador de Bahia", Salvador, der Erlöser. Die spanischen und portugiesischen Eroberer haben sich zwar sehr unchristlich benommen, aber den Orten in der neuen Welt lauter christliche Namen geben. Sarina hört an Ostern in Brasilien die Botschaft von der Auferstehung Jesu genauso wie wir in Europa. Vielleicht hört sie in der Predigt zu Ostern, dass Christus, der Erlöser, sich für die Mitmenschen eingesetzt hat und mit den Mächtigen seiner Zeit in Konflikt geraten ist. Sie haben ihn am Kreuz erledigt und damit die Hoffnung auf eine andere Welt. Wie es in der Lesung heißt: Zeigt ihn an! Wir wollen ihn fertig machen! Und sie denkt sich resigniert: es bleibt wie es ist! Mein Zuhause ist die Müllhalde, auf der ich mir immer wieder die Finger aufschneide.
Kaum mag sie an die Fortsetzung des Karfreitags glauben, die sie hört: Christus ist auferstanden, er lebt, die Menschen konnten ihn nicht erledigen, seine neue Welt lebt weiter! Jetzt schweifen ihre Gedanken von der Predigt ab und sie beginnt zu träumen: Wie wäre es, wenn viele Menschen auf der Welt die Osterbotschaft nicht nur hören, sondern sich von ihr anstecken lassen? Wenn Menschen in Europa an den Satz Jesu denken: Was ihr einem meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! Wenn sie aufstehen und zu überlegen beginnen: Wo kann ich mein Leben umstellen und gegen Strukturen ankämpfen, die Ungerechtigkeit in der Welt schaffen und erhalten?
Viele von uns werden den Traum Sarinas nachvollziehen können, aber sind wir ehrlich, sofort steigt der Gedanke auf: Was kann ich schon machen? Für mich ist Ostern ein schönes Fest! Endlich ist diese Fastenzeit mit ihren Fastenvorsätzen vorbei. Ein paar Tage Ferien, mehr nicht!
Ich denke, liebe Schülerinnen, wir haben mit dem Aufstehen, mit dem "Aufstand" schon begonnen. Ein Schritt gegen die Müllhalden dieser Welt ist sicher auch unsere Fastenaktion. Sie scheint nicht viel zu sein, aber wenn sich viele zusammentun, kann aus vielen Mosaiksteinen das Bild des Auferstandenen werden. Wir haben Misereor und Brot für die Welt unterstützt. Damit können viele Projekte finanziert werden, die Menschen wie Sarina konkrete Hilfe bieten. Wir haben unsere Partnergemeinde Ignacio Ellacuria in El Salvador (schon wieder "Salvador"!) unterstützt. Junge Frauen haben durch uns eine echte Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Ähnlich ist es mit den Straßenkindern am Rand von Lima. Bei uns gibt es Menschen, deren Seele wie eine Müllhalde ist, Frauen, die geschlagen werden,… sie finden Hilfe beim Sozialdienst katholischer Frauen.
Über unseren konkreten Schulalltag hinaus mit Schulaufgaben, Lernstoff und Hausaufgaben sind das die wichtigen Schritte zum Aufstand, der an Ostern begann, der uns an Jesus zeigt, dass der Einsatz für den Menschen nicht vergeblich ist. Die Werke, von denen Jesus im Evangelium redet, sind auch unsere Aufgabe. Lassen wir nicht zu, dass Sarina, nach ihrem Traum immer wieder auf der Müllhalde aufwacht, sondern spürt, dass die Osterbotschaft ganz handgreifliche Veränderungen mit sich bringt. Amen

Fürbitten (Schülerinnen aus R5a/R9c)

Gott, wir können dich nicht einfach bitten, dass Du das Elend der Straßenkinder und die Kinderarbeit auf dieser Welt abschaffst. Denn wir wissen, dass Du uns die Regeln für eine gerechte Welt schon gegeben hast und dass Jesus dem Gebot der Nächstenliebe höchste Priorität eingeräumt hat. Dennoch werden die Rechte der Kinder überall auf der Welt mit Füßen getreten.

  1. Herr, wir bitten für die Politiker überall auf der Welt: Gib ihnen die Einsicht und den Willen, die Rechte der Kinder einzufordern, die schon so lange auf dem Papier stehen.

  2. Herr, wir bitten für die Unternehmen dieser globalisierten Welt, dass sie sich für fairen Handel einsetzen und dass sie sich verpflichten, unschuldige und hilflose Kinder nicht auszubeuten.

  3. Herr, wir bitten für uns alle, die wir die Produkte der Kinderarbeit konsumieren: Stärke unser Bewusstsein im Hinblick auf Kinderarbeit beim täglichen Einkauf.

  4. Herr, wir bitten für die Opfer, die ihrer Kindheit beraubt werden, weil sie für sehr wenig Lohn wie Sklaven schuften müssen.

  5. Öffne uns die Augen für die Situation der über zwei Millionen Kinder, die in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze leben.

  6. Schenke den Empfängern unserer Fastenspende die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben und eine gute Zukunft.

Herr Jesus Christus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Wir danken dir für deine große Liebe und preisen dich mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt in dieser Stunde und in Ewigkeit. AMEN !

Gabenbereitung: Gott hört dein Gebet

Gabengebet:

Gott, dein Sohn hat Brot und Wein zu Zeichen seiner grenzenlosen Hingabe zu uns Menschen gemacht. Stärke uns durch diese Gaben, dass wir den Mut und die Kraft haben, uns für benachteiligte Mitmenschen einzusetzen. Darum bitten wir…

Sanktus: Heilig rufen Himmel

Vater unser

Friedenslied: Wie ein Fest nach langer Trauer

Kommunion (Kammerchor)

Text nach der Kommunion
(dazu Steine und Plakate)

Auf unserem Weg zu den Außenseitern liegen so manche Steine:
Steine der Gleichgültigkeit
Steine der Bequemlichkeit
Steine der Oberflächlichkeit
Steine des Desinteresses
Steine der Menschenfurcht
Steine des Mitläufertums
Steine der Feigheit
Steine, Steine, Steine!
Wir müssen sie aus dem Weg räumen,
wir müssen die Straße frei räumen, Herr,
denn der Weg zu dir
führt über den Weg zu den Außenseitern.
So hast du es gesagt und gewollt.

Schlussgebet

Guter Gott, dein Sohn Jesus Christus ist zum Anwalt der Schwachen und Ausgegrenzten geworden. Besonders die Kinder lagen ihm am Herzen.
Stärke durch die Auferweckung deines Sohnes unseren Aufstand, unseren Einsatz, damit Kinder in dieser Welt leben können.
Darum bitten wir ...

Schlusslied: So gibt euch Gott ein Lebenszeichen

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