Ostern

Vorösterlicher Gottesdienst

Freitag, 18.03.2016

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“

Einzug und Eingangslied:

Liturgische Begrüßung

Liebe Schülerinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wieder stehen wir vor den österlichen Tagen. Die kommende Woche ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. Es erinnert uns daran, dass wir bereits hier und jetzt zum Leben auferstehen sollen. Auferstehung in diesem Sinn bedeutet dann auch: Menschen nicht ausgrenzen, sondern in die Gemeinschaft hereinholen. Ausgrenzung ist leider an der Tagesordnung und betrifft beileibe nicht nur das aktuelle Thema Flüchtlinge. Ausgengrenzt und damit fremd sein kann man in vielfacher Weise. Hören wir dazu eine Text:

Einführungstext: „Eine neue Schule“ (G/R 5 – 7)

Hey ihr!
Ich bin im Moment leider nicht so gut drauf, weil ich voll Angst hab in 3 Tagen an meine neue Schule zu gehen. Es ist so, dass ich in den letzten Jahren im Ausland gewohnt habe und da war ich immer an Deutschen Auslandsschulen. Aber jetzt bin ich mit meiner Familie wieder hierher gezogen. Und ich hab ehrlich gesagt total Panik. Ich war noch nie an einer „normalen“ deutschen Schule und denke irgendwie, die Mädchen da haben alle seit Jahren ihre besten Freundinnen und ich glaube, ich werde nur schwer Anschluss finden. Ich weiß auch noch gar nicht, wo ich am Montag hin muss. Außerdem finde ich den Moment doof, wenn man in die Klasse kommt und sagt „Hallo, ich bin die Neue!“ und dann alle so komisch „gucken“. Jetzt wollte ich wissen, ob einer von euch schon mal in so einer Situation war oder wie ihr neue Leute in eurer Klasse aufnehmt. Vielleicht könntet ihr mir ein paar Tipps für meinen ersten Schultag geben? Wäre echt nett!
Die Neue

Einführungstext: „Bei uns herrscht Frieden, forever“ (G/R 8 – 12)

In einem Satz wohnten zu einer bestimmten Zeit einige Wörter, ganz so, wie etwa Menschen in einer Straße wohnen. Also, in einer solchen Satzstraße wohnten etliche Wörter. Ich erinnere mich noch genau an den Satz: „Bei uns herrscht Frieden.“
Es war ein wunderbarer Satz, und jedes Wort war glücklich, dass es zu dem ganzen Satz beitragen konnte. „Bei“ sagte zu den anderen: „Könnten wir nicht froh sein, dass wir miteinander leben?“ Und „uns“ sagte zu seinen Freunden: „Ich bin froh, dass ich alles zusammenfüge.“ So ging es auch den übrigen, und sie bildeten eine richtige Gemeinschaft.
Eines Tages kamen zwei neue Wörter; sie kamen von weither und hießen „for ever“.
„Igitt egitt “, sagten die Einheimischen, „das sind ja fremde Wörter, das sind ja reineweg Fremdwörter.“ „Die riechen schon so komisch“, sagte Frieden.
„Die sehen auch so aus“, sagte „Bei“.
„Die können wir nicht brauchen!“ sagte „uns“.
„Wir müssen sie höflich, aber bestimmt verabschieden“, das meinte „herrscht“.
So taten sie sich zusammen und versuchten den beiden Fremden klarzumachen, dass sie hier nichts zu suchen hätt en. „Wissen Sie, bei uns ist jede Stelle im Satz besetzt. Und außerdem kann Sie ja niemand verstehen. Und schließlich und überhaupt haben Fremdwörter hier nun wirklich nichts zu suchen. Verstehen Sie bitte recht, es ist kein böser Wille, aber …“
Und während sie noch so scheinheilig argumentierten und dabei ihre Plätze verließen, huschten andere Wörter an ihre Stelle: In die Wohnung von „Bei“ zog „Gegen“, in das Appartement von „uns“ zog „alle“, in das Zimmer von „herrscht“ zog sein Großvater „wütet“, und in das Haus von „Frieden“ hielt „Hass“ Einzug. Ehe sich die Einheimischen richtig besinnen konnten, war aus ihrer Satzstraße eine fürchterliche Fratze geworden: „Gegen alle wütet Hass!“.
Da weinten sie und erkannten, wie schön es gewesen wäre, wenn sie die Fremdwörter aufgenommen hätten: „Bei uns herrscht Frieden, for ever!“ Nun war es zu spät, und seit diesem Ereignis wohnen sie nur noch zur Untermiete, jederzeit kündbar.

(Verfasser unbekannt)

Kyrie-Rufe:

Herr Jesus Christus, in deinem Leben hast du Fremde, Flucht und Vertreibung erlebt.

Der Evangelist Johannes berichtet über dich: „Du kamst in diese Welt, aber du wurdest nicht aufgenommen.“

Du bist auf Menschen zugegangen, hast Kinder in die Arme genommen, Kranke berührt, Trauernde getröstet und Menschen Hoffnung geschenkt.

Vergebungsbitte

(kein Gloria!)

Tagesgebet

Güter Gott, dein Sohn hat sich den Menschen besonders verbunden gefühlt, die am Rande standen. Auch heute werden Menschen ausgegrenzt wegen ihrer Rasse, Sprache, Hautfarbe oder wegen ihren Eigenschaften oder einfach, weil sie anders sind.
Gib und die Einsicht, dass jeder Mitmensch eine Bereicherung ist und lass uns aufstehen aus Gleichgültigkeit und Abgrenzung.
Darum bitten wir...

Lesung aus dem Buch der Psalmen (Ps 137, 1 – 6)

An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.
Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land.
Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, unsere Peiniger forderten Jubel: «Singt uns Lieder vom Zion!»
Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern, auf fremder Erde?
Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.
Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

Wort des lebendigen Gottes
Gesang nach der Lesung

Evangelium: Mt 25,31 – 40

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.

Predigt

Liebe Schülerinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen

Jetzt kommen wir auch schon in unserem Ostergottesdienst mit der Flüchtlingskrise daher, wenn wir das Thema dieses vorösterlichen Gottesdienstes hören. Aber ihr habt sich an den Texten bisher gemerkt, es geht beim Thema „fremd sein“ nicht nur um die aktuelle Krise, sicher aber auch.
Die tragischen Ereignisse, die durch zahlreiche Fehler der Vergangenheit und Gegenwart ausgelöst wurden, sind ja nur ein weiterer trauriger Mosaikstein in einer langen Kette menschlichen Elends.
Ich habe mir angesichts dieses Themas die Bibel etwas genauer durchgeblättert und da stößt man schon bei einer oberflächlichen Betrachtung auf zahlreiche Stellen zum Thema „fremd sein“.
Dem Volk Israel war das Thema „Fremde“ sehr vertraut. In einem Bekenntnis steht: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer (Abraham). In Ägypten sind die Israeliten Fremde gewesen und wurden versklavt, hart behandelt. Das Fest der Befreiung, das sich da entwickelte, ist heute noch die Wurzel für unser Osterfest. Paschafest und Osterfest gehören zusammen. In den Gesetzestexten des Volkes Israel, wenn es um die menschliche Behandlung der Fremden geht, heißt es jedes Mal: Denkt daran, dass ihr in Ägypten Fremde gewesen seid. Ihr wisst also, wie das ist. Eine besonders schlimme Zeit spricht die Lesung an: Die Verbannung nach Babylon: Die neuen Herren verlangten Lieder von Jerusalem (Zion), aber die Verbannten konnten sie nicht singen vor lauter Trauer und Sehnsucht nach zu Hause.
Jesus ist die Fremde ebenfalls nicht unbekannt. Er ist in vielfacher Weise fremd geblieben: Die Flucht nach Ägypten, seine eigene Familie lehnt ihn ab, erklärt ihn für verrückt, seine Botschaft wird missverstanden. Eindringlich nennt er als Kriterium für seine Jünger: ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.
Zuletzt war er ganz fremd, draußen vor der Stadt, ans Kreuz gehängt, verspottet, von Gott und der Welt verlassen, besonders von seinen Jüngern. Die Jünger Jesu sind sich selbst fremd geworden mit ihren unterschiedlichen Erwartungen an Jesus, waren dann ja auch versprengt, zogen sich zurück, doch dann fanden sie allmählich wieder zusammen, waren sich nicht mehr fremd, vertrauten sich und Jesu Botschaft neu und bildeten Gemeinden, in denen die Menschen nicht weiter ausgegrenzt und fremd waren. Der Schock des Karfreitags hat in den Jüngern etwas ausgelöst. Aus Entfremdeten wurden Freunde. Ist das nicht auch ein Teil des Wunders von Ostern, das wir ein Geheimnis nennen?
So gehört zur Gemeinde Jesu bis heute das Kennzeichen: nicht ausgrenzen, sondern hereinholen, wenn jemand in Not ist, nicht Vorbedingungen aufstellen, sondern Not lindern, dem anderen, dem Fremden als Mensch begegnen: in der Klassen, im Freundeskreis, in der Kirche, in der Gesellschaft.
Es ist ja immer wieder die Frage, was wir an Ostern feiern: ich denke neben anderen Gesichtspunkten geht es auch darum, zu einer neuen Gesellschaft aufzustehen, in der Fremde zu Freunden werden. Es wird eine Lebensfrage für die Zukunft sein. Amen

(kurze Stille)

Fürbitten

Gütiger Gott, dein Sohn ruft uns zur Umkehr und zu neuen Wegen auf. Deshalb kommen wir vor dem Osterfest mit unseren Bitten zu dir:

  1. Wir bitten für alle, die sich fremd fühlen in unserem Land. Lass sie spüren, dass sie nicht alleine sind und schenke ihnen helfende Hände, damit sie bei uns ein neues Zuhause finden.


  2. Wir bitten für alle, die sich fremd fühlen in einer neuen Klasse. Gib ihnen Mitschülerinnen, die sie in die Gemeinschaft aufnehmen und lass sie neue Freunde finden, damit sie sich in ihrer neuen Umgebung geborgen fühlen.


  3. Wie bitten für alle, die sich fremd fühlen in ihrem eigenen Körper. Dass ihnen Menschen begegnen, die sie verstehen und ihnen Mut machen, und die sie lieben wie sie sind.


  4. Wir bitten für uns alle, wo immer wir uns fremd fühlen mögen – zu Hause, in der Schule, bei der Arbeit. Lass uns nicht verzweifeln und schenke uns Vertrauen in deine göttliche Fügung.


Herr Jesus Christus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir danken dir für deine große Liebe und preisen dich mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt in dieser Stunde und in Ewigkeit. Amen.

Gabenbereitung

Gabengebet:

Gott, dein Sohn hat Brot und Wein zu Zeichen seiner grenzenlosen Hingabe zu uns Menschen gemacht. Stärke uns durch diese Gaben, damit wir die Welt in deinem Geist verändern und erneuern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Sanktus

Agnus Dei

Kommunion

Text nach der Kommunion:

Für die Jahrgangsstufen 5 – 7: „Fremd sein“

Ich verstehe meine Mitschülerinnen nicht, sie sind mir fremd

Sie reden von Dingen, die ich nicht kenne, die mich nicht interessieren.
Sie reden von Sachen, die mir nicht wichtig sind.
Sie reden, sie lachen, sie lärmen, sie toben, sie schwärmen von Urlaub, Designerklamotten, von Songs, von Schauspielern
Mir ist das nicht wichtig.

Wir verstehen unsere Mitschülerin nicht, sie ist uns fremd

Sie ist meist still und sagt wenig.
Wenn sie redet, dann von Dingen, die uns kaum ansprechen
Sie macht nicht mit, wenn wir Spaß haben wollen.
Sie ist immer so ernst
Sie tut so, als seien wir ihr lästig, als sei sie etwas Besseres.

Pause

Wie können wir die Fremdheit überwinden?

Das Gegenüber akzeptieren, statt gleich die Nase rümpfen?
Aufeinander mehr hören, statt gleich loszuplappern?
Die Anderen ansprechen, statt uns abzuwenden?
Uns selber hinterfragen, statt anderen die Schuld an unserer Einsamkeit zu geben?

Vielleicht fällt das Ändern dann nicht so schwer und Fremdes wird uns vertraut.

Für die Jahrgangsstufen 8 – 12 „Fremdsein“

Vieles ist mir fremd
die, die von irgendwo herkommen
die, die jeden neuen Film gesehen haben müssen
die, die die neuesten Smartphones besitzen, in tollste Discos gehen, Designerklamotten anhaben oder angeblich darüber Bescheid wissen, was angesagt ist. Oft meine ich, ich gehöre nicht dazu. Vieles ist mit fremd

Pause

Was brauche ich wirklich, um meine Fremdheit zu überwinden?
Ich könnte mich selbst und andere besser kennenlernen und verstehen, wenn ich auf manche Dinge keinen Wert lege, so wie andere es tun, auf Leute zugehe, die etwas Wichtiges zu sagen haben, die Verständnis aufbringen, denen es um mich geht, für die die Sache im Vordergrund steht, von denen man etwas lernen kann, mit denen man reden kann und die mir zuhören.

Dann bin ich nicht fremd
dann sind sie mir nicht fremd
dann sind wir Menschen

Schlussgebet:

Gütiger Gott, wir waren Gäste am Tisch deines Sohnes und haben das Brot des Lebens empfangen. Lass uns durch die Kraft dieser Speise wachsen und leben und so diese Welt im Geist deines Sohnes mitgestalten.
Darum bitten wir durch Christus, unsere Herrn. Amen

Dank/ – Oster- und Ferienwünsche

Segen

Schlusslied:

aktuelle Termine:

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Buß- und Bettag

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Elternsprechtag 1

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Gottesdienst in St. Martin
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