Realschulabschluss

Realschulabschlussgottesdienst
20.07.2012, 08:30 Uhr
Schulkirche

„Den Absprung wagen – Ängste überwinden“

Eingangslied: Meine Zeit steht in deinen Händen


Liturgische Begrüßung

Liebe Absolventinnen, liebe Eltern und Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Zu unserem Abschlussgottesdienst möchte ich Sie alle ganz herzlich begrüßen. „Den Absprung wagen – Ängste überwinden, dieses Thema habt ihr den Texten dieses Gottesdienstes zugrunde gelegt. Angst überwinden, darum geht es auch zu Beginn in einer sehr bekannten Geschichte:

Die Begegnung mit dem Scheinriesen Tur Tur
(aus Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer)

Jim Knopf und Lukas sind mit ihrer Lokomotive Emma unterwegs, um die Prinzessin Li Si zu befreien. Sie haben bereits einige abenteuerliche Wege hinter sich und fahren gerade durch die Wüste, wo sie eben die erstaunlichsten Luftspiegelungen gesehen haben. Jetzt taucht eine neue Gestalt auf: …

Am Horizont stand ein Riese von so ungeheurer Größe, dass selbst das himmelhohe Gebirge „Die Krone der Welt“ neben ihm wie einen Haufen Streichholzschachteln gewirkt hätte. Offenbar war er ein sehr alter Riese, denn er hatte einen langen Bart, der ihm bis auf die Knie herabhing und merkwürdigerweise zu einem dicken Zopf geflochten war. Wahrscheinlich, weil es auf diese Weise einfacher war, den Bart in Ordnung zu halten. Man kann sich ja vorstellen, wie mühsam es sein muss, einen solchen Urwald jeden Tag zu kämmen! Auf dem Kopf trug der Riese einen alten Strohhut. Wo in aller Welt mochte es nur so riesige Strohhalme geben? Der gewaltige Leib steckte in einem alten, langen Hemd, das freilich größer war als die allergrößten Schiffsegel. „Oh!“, stieß Jim hervor. Das ist keine Fata! Schnell fort, Lukas! Vielleicht hat er uns noch nicht gesehen.“ „Immer mit der Ruhe!“, erwiderte Lukas und paffte kleine Wölkchen. Dabei beobachtete er den Riesen scharf. „Ich finde“, stellt er fest, „außer seiner Größe sieht der Riese ganz manierlich aus.“
Auf die Bitte des Riesen hin, näher kommen zu dürfen, geht Lukas seinerseits – trotz Jims Warnungen – auf ihn zu, Jim folgt ihm schließlich.
Aber was nun geschah, war so erstaunlich, dass Jim Mund und Nase aufsperrte und Lukas an seiner Pfeife zu ziehen vergaß. Der Riese kam Schritt für Schritt näher, und bei jedem Schritt wurde er ein Stück kleiner. Als er etwa noch hundert Meter entfernt war, schien er nicht mehr viel größer zu sein als ein hoher Kirchturm. Nach weiteren fünfzig Metern hatte er nur noch die Höhe eines Hauses. Und als er schließlich bei Emma anlangte, war er genauso groß wie Lukas, der Lokomotivführer. Er war sogar fast einen halben Kopf kleiner. Vor den beiden staunenden Freunden stand ein magerer alter Mann mit einem feinen und gütigen Gesicht. „Guten Tag!“, sagte er und nahm seinen Strohhut ab. „Ich weiß gar nicht, wie ich euch danken soll, dass ihr nicht vor mir weggelaufen seid. Seit vielen Jahren schon sehne ich mich danach, dass einmal jemand so viel Mut aufbringen würde. Aber niemand hat mich bis jetzt näher kommen lassen. Dabei sehe ich doch nur von ferne so schrecklich groß aus …
„Wissen Sie, in Wirklichkeit bin ich nämlich gar kein Riese. Ich bin nur ein Scheinriese …Ach übrigens – ich habe ganz vergessen, mich vorzustellen: Mein Name ist Tur Tur. Mit Vornamen heiße ich Tur und mit Nachnamen auch Tur.“



Kyrie-Rufe: R10c

Oft wissen wir nicht, wohin wir uns wenden sollen, doch du bist der Gott der Liebe.
Herr erbarme dich.

Du bist Quelle, Mitte und Zukunft unseres Lebens. Dir vertrauen wir uns an.
Christus erbarme dich.

Oft fehlt uns Menschen der Mut, gewohnte Dinge loszulassen und neue eigene Wege zu gehen.
Herr erbarme dich.

Manchmal fehlt uns die Kraft, belastende Steine aus dem Weg zu räumen, um frei urteilen zu können.
Christus erbarme dich



Vergebungsbitte



Tagesgebet
Gütiger Gott, am Ende unserer Schulzeit sind wir zusammengekommen um Dir zu danken für alles, was wir an Gutem und Wertvollem empfangen durften.
Wir bitten dich: Bleibe bei uns, wenn wir jetzt auseinander gehen und den Absprung zu einem neuen Lebensabschnitt wagen.
Darum bitten wir...


Lesung aus dem Buch Kohelet:

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
Eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
eine Zeit zum Steine werfen und eine Zeit zum Steine sammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.

Wort des lebendigen Gottes

Zwischengesang: Ins Wasser fällt ein Stein

Evangelium: Mk 4, 35 – 41

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Am Abend des Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen an andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Predigt

Liebe Absolventinnen, liebe Schwestern und Brüder!

In meiner eigenen Schulzeit in Regensburg ging ich oft im Sommer mit Freunden ins Westbad. Dort gab es einen Zehn–Meter–Sprungturm und es gehörte natürlich zu den Mutproben, aus dieser Höhe zu springen. Zugegeben, ich zögerte lange, hatte auch Angst, besonders als ich dann oben stand – zehn Meter sind aus dieser Höhe ganz schön viel – doch dann wagte ich den Absprung. Solche Begebenheiten mögen nun im Rückblick als belanglos erscheinen, aber sie haben doch eine nachhaltige und für das Leben auch symbolische Bedeutung. Wie oft heißt es da: Den Absprung wagen – Ängste überwinden? Immer wieder denkt man dann an verschiedenen Etappen des Lebens, bei bestimmten Zäsuren an solche Ereignisse zurück.
Nun haben auch Sie für Ihren Abschlussgottesdienst nach sechsjähriger Realschulzeit dieses Motto ausgewählt. Heute gilt es, den Absprung zu wagen, in neue Wasser einzutauchen. Dieser Absprung kommt natürlich nicht plötzlich, Sie wurden auch von niemand gedrängt, es war klar, dass nach sechs Jahren die Zeit an der Realschule enden wird und Sie in neue Lebensfelder, in Arbeit und Beruf, früher oder später auch in Ehe und Familie eintauchen werden. Doch irgendwie gehört es auch zu unserer Grundausstattung als Mensch, dass wir Ängste verspüren, wenn wir Gewohntes zurücklassen, den Absprung wagen und Neuland betreten.
Gerade wenn es um den Lebensweg, um bestimmte Etappen, um Neuorientierung geht, ist ein Blick in die Schriften sinnvoll, die von tiefen Weisheiten reden, die das Leben wirklich kennen, und zwar nicht nur so an der Oberfläche. Wir nennen sie deshalb auch „heilige Schriften“, weil sie uns anleiten, dieses Leben mit seinen Absprüngen und Übergängen gut zu bestehen.
Zunächst stellt der Prediger Kohelet nüchtern fest: „Alles hat seine Zeit“. In zahlreichen Gegensatzpaaren wird dies dargelegt. Und es entspricht auch der Lebenserfahrung. Es gibt Zeiten, da meint man, alles läge einem zu Füßen. Da gilt es, nicht überheblich zu werden. Und es gibt Zeiten, da glaubt man, alles laufe gegen einen. Da gilt es, die Hoffnung nicht zu verlieren. „Den Absprung wagen“ kann hier bedeuten: es hängt nicht immer auf eine Seite, alle Etappen haben ihre Risiken, aber auch ihre Chancen und gerade eine Krise kann das Sprungbrett zu einem neuen Lebensabschnitt sein.
Sehr deutlich geht das Neue Testament an dieses Thema heran. Sind nicht die Jünger Jesu ein lebendiges Beispiel dafür, dass es immer wieder um den Absprung geht. Schon die Berufung durch Jesus war der Absprung in ein neues Leben, ein Abenteuer. Die Abfahrt vom Ufer in der Bibelstelle hier führt sie in die Stürme des Lebens. Jesus im Boot des Lebens ist hier das Bild eines inneren Ankers, eines Ruhepols, ein Zustand der Seele, der mir sagt: Bleibe du ruhig und souverän, wenn du hinausfährst auf die hohe See des Lebens.
Beide Bibelstellen können uns demnach sagen, wie der Absprung gelingen kann, wie manche großen Probleme bei näherer Betrachtung – siehe die Geschichte vom Scheinriesen Tur Tur am Beginn des Gottesdienstes - lösbarer erscheinen. Die Gesellschaft heute braucht solche Menschen, keine Zögerer und Zauderer, keine Angsthasen, keine, die nur darauf warten, dass andere ihre Probleme lösen, sondern Menschen, die immer wieder den Absprung wagen, die kreativ und mit Phantasie und Engagement die Zukunft gestalten. Amen

(kurze Stille)

Fürbitten: R10b

Gütiger Gott, am Ende unserer Schulzeit kommen wir mit unseren Bitten und Fürbitten zu dir:

Herr, hilf uns, unsere kommenden Pflichten gewissenhaft und zuverlässig zu erfüllen.

Herr, gib uns Kraft, den Absprung in einen neuen Lebensabschnitt zu wagen.

Herr, gib uns den Mut neue Dinge zu entdecken und anzupacken.

Guter Gott, steh uns bei zukünftigen Prüfungen und Aufgaben bei.

Herr, lass uns alle weiteren Steine, die uns in den Weg gelegt werden, ohne Probleme beseitigen.

Herr Jesus Christus, unsere Schulzeit war voller Lebensfreude. Lasse uns diese Freude und unsere Erfahrungen mit auf unseren weiteren Lebensweg nehmen.


Gütiger Gott, du hörst uns, wenn wir zu dir rufen und dich bitten. Sei uns nahe, wenn wir jetzt den Absprung wagen und aus einander gehen, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Gabenbereitung: Instrumental


Gabengebet:
Gütiger Gott, in dieser Feier danken wir Dir für die zurückliegende Schulzeit und bitten dich: Stärke uns durch deine Gaben damit der Weiterbau auf der „Baustelle Leben“ gelingt.
Darum bitten wir durch....
Sanktus - Vater unser (gebetet)

Kommunion


Nach der Kommunion: Meditationstext

„Man kann fast alles
in kleinen, wohlüberlegten Schritten erreichen.
Aber manchmal braucht man den Mut,
einen großen Sprung zu wagen.
Einen Abgrund
überquert man nicht
mit zwei kleinen Schritten.“
So sagt
zumindest David Lloyd George in seinem Gedicht.
Und er hat Recht.
In jedem Leben gibt es genügen Absprünge zu überwinden,
Sprünge zu wagen.
Einen
haben wir jetzt hinter uns,
unsere Schulzeit an dieser Schule ist vorbei,
ein Zurück gibt es nicht.
Wir treten ins Berufsleben ein,
oder bilden uns an einer anderen Schule weiter.
Doch was im Einzelnen geschehen wird,
weiß niemand so genau.
Sicher aber ist,
dass wir nicht durchgehend erfolgreich sein können,
niemand von uns.
Und dennoch...
mit kleinen Schritten,
und einer großen Portion Mut,
werden wir Misserfolge
wegstecken können.
Doch wir sind nicht allein, wir haben Unterstützung
von Familie,
von Freunden,
alten Mitschülerinnen
und natürlich
auch von Gott.
Aber wir dürfen uns nicht nur
auf andere verlassen.
Wir brauchen auch Mut,
unseren Weg in Richtung Zukunft weiterzugehen.
Egal,
ob mit zwei kleinen Schritten
oder einem großen Sprung.


Schlussgebet
Guter Gott, wir haben dir in dieser Feier gedankt. Unsere Zukunft geben wir in deine Hände. Wir bitten dich: Bleibe bei uns, wenn wir nun weiterbauen an unserem Leben und an unserer Gesellschaft.
Darum bitten wir...


Schlusslied: Amazing grace

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