El Salvador

Bedeutung des Abiturs für unsere Stipendiatinnen in El Salvador

Information von H. Christoph Österle, Entwicklungshelfer in El Salvador, z.Zt. in Deutschland

Liebe Schwester Margrit, liebe LehrerInnen und Schülerinnen der Shalomgruppe!

Aus dem Schriftwechsel mit Schwester Margrit wurde ersichtlich, dass es einen gewissen Informationsbedarf im Hinblick auf den "Wert" eines Abiturs in El Salvador gibt. Was wird es Miriam nützen, wenn sie nun am Ende des Jahres ihr Abitur haben wird?

Zuerst einmal ist zu sagen, dass der Stellenwert des Abiturs in El Salvador höher ist als hier in Deutschland. Obwohl das Abitur von dort nur bedingt mit einem deutschen Abitur zu vergleichen ist, muss man bedenken, dass dort die Hälfte der Bevölkerung nie über den Besuch der vierten Klasse hinauskommt. Bei uns gehört der Doktortitel zur Anrede, in El Salvador muss man auch Leute mit Hochschulabschluss (Diplom, Magister... ) mit "Licenciado" anreden und viele Personen mit Abitur haben auf dem Land und in den Städten den Titel "Bachiller". "Bachilleres" findet man überall in mittleren Stellungen. Mit dem Abitur kann man bei vielen Ämtern und Unternehmen angestellt werden.

Dazu ist zu sagen: Beim Abitur in El Salvador wird vor allem auf verwaltungstechnisches Können Wert gelegt: Buchführung, Schriftwechsel, Grundlagen der Wirtschaftskunde, Maschinenschreiben und möglichst die Grundlagen des Umgangs mit Computern sollten unterrichtet werden. Das hört sich jetzt nach sehr viel an, man muss sich das aber auf dem Niveau eines Entwicklungslandes vorstellen.

Welche Vorteile und Möglichkeiten hat nun Miriam mit ihrem Abitur? Zuerst einmal im persönlichen Bereich ist es für sie ein großer Sprung nach vorne: Sie hat in einer wichtigen Phase des Lebens die Möglichkeit, zum Denken angeleitet zu werden, und ist nicht dazu verurteilt durch eine stupide Arbeit schon in der Jugend abzustumpfen.
Die Tatsache Abitur zu haben wird für ihr Selbstwertgefühl ein Leben lang ein wichtiger Faktor sein. Sie wird sich nicht mehr wie dort üblich mit vordergründigen Argumenten zur Unterordnung durch Vorgesetzte, Ehemann, Nachbarn ... zwingen lassen. Selbstverständlich wird sie auch mit mehr Nachdruck darauf achten, dass in Zukunft auch ihre eigenen Kinder mindestens das Abitur machen können und es wird ihr möglich sein ihnen zu helfen.

Wichtig ist zu bedenken, dass die Eltern, wenn sie vor der Entscheidung stehen, entweder dem Sohn oder der Tochter das Abitur zu ermöglichen, sich für den Sohn entscheiden. Noch gibt es somit eine massive Benachteiligung der Frauen. Deshalb trägt jede Frau, jedes Mädchen aus den benachteiligten Schichten mit Abitur zur Gleichberechtigung der Frauen bei.

Abitur zu haben bedeutet, in der Gemeinde Anerkennung zu haben. Miriam wird mit Sicherheit in den Gremien ihrer Gemeinde einen festen Platz haben, ihre Meinung wird gefragt sein. Mit ihrer Ausbildung kann sie dann bei ehrenamtlichen Tätigkeiten Funktionen wie Kassenwart oder Schriftführer übernehmen.

Im Hinblick auf mögliche Erwerbstätigkeiten hat Miriam natürlich ebenfalls bessere Möglichkeiten. In der öffentlichen Verwaltung, Bürgermeisterämtern, staatlichen Gesundheitsstationen und bei den Friedensrichtern werden Leute mit Abitur für Verwaltungstätigkeiten eingestellt, sie sollten möglichst aus dem gleichen Verwaltungsbezirk sein.

Eine weitere Berufstätigkeit bieten die Hilfsorganisationen, die sich um die Entwicklung in der Gegend kümmern und z.B. Leute anstellen für die Koordination von Eigeninitiativen der Gemeinden. Oft sind das Teilzeitarbeiten. Solche Jobs könnte Miriam mit dem Abitur ebenfalls übernehmen. Wenn man dann einmal in solch einer Organisation arbeitet, gibt es interne Fortbildungsmöglichkeiten, die später von anderen Institutionen anerkannt werden. Auch ist es in einem solchen Beschäftigungsverhältnis möglich, ein Stipendium für ein Studium vermittelt zu bekommen.

Mit dem Abitur hat Miriam natürlich auch die Möglichkeit in der Bezirkshauptstadt eine Arbeit zu bekommen. Die Kirche, Hilfsorganisationen und Unternehmen suchen immer Leute mit Abitur, die Schreib- und Verwaltungsaufgaben übernehmen. Ich kenne viele Personen, die zum Beispiel bei CORDES eingestiegen sind. Diese Organisation hilft in den abgelegensten Gemeinden beim Aufbau von Selbstverwaltungsstrukturen, bei landwirtschaftlichen Neuerungen, bei der Organisation und Fortbildung von Frauen und bei der Alphabetisierung von Erwachsenen. Die Angestellten von CORDES leisten Sozialarbeit, sind drei Tage in den Gemeinden und zwei Tage im Büro. Viele, die dort mit dem Abitur in der Tasche angefangen haben, haben sich inzwischen in den Abendvorlesungen der drei Universitäten, die "Zweigstellen" in Chalatenango haben, zu Fachleuten fortgebildet.

Aber auch bei Firmen sind eben Abiturienten gefragt, da oft Bauunternehmer, Elektriker, Busunternehmer und Kaufleute selbst keine gute Schulbildung haben. Sie brauchen Personal für relativ einfache Verwaltungsaufgaben. Das ist eine weitere Möglichkeit für Miriam.

Mittelfristig hat dann Miriam selbstverständlich auch die Möglichkeit zu studieren. Um das Abitur zu machen gibt es keine staatliche Unterstützung. Fürs Studium werden vom Staat, von den großen Unternehmen und von Hilfsorganisationen Stipendien vermittelt. Viele studieren auch nach Feierabend, nach der Arbeit. Das können sie dann selbst finanzieren. Da kann ein einfaches Studium auch mal 6 oder 7 Jahre dauern, aber wichtig ist eben, dass Leute aus den sozial benachteiligten Schichten überhaupt die Möglichkeit haben sich zu bilden.

Die Tatsache, dass Miriam und die anderen jungen Frauen die Möglichkeit haben, das Abitur zu machen, ist somit auf keinen Fall eine vergebliche Mühe. Nur ist es von hier aus extrem schwer zu erkennen, dass es dort Arbeitsmöglichkeiten gibt, die wir in unserer technisierten, hochentwickelten, superrationalisierten Arbeitswelt als solche überhaupt nicht mehr kennen.

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