Post aus Honduras
9. Jan. 2008: Post aus Honduras
9.1.08 Ein glückliches Neues Jahr, Margrit!
Was für ein Geschenk, in regelmäßigerem Austausch mit dir zu sein. Es ist frustrierend, immer wieder zu versuchen, andere zu erreichen, und dann zu merken, dass sie die Briefe nicht bekommen.
Im Moment ist die Situation in Honduras sehr schwierig, jeden Tag nimmt die Gewalt zu. Erst kürzlich wollte Sr. Fatima, eine unserer Schwestern hier, das Tor zu unserem Grundstück in El Progreso schließen, als ein Mann auf sie zuging mit einer Schusswaffe und sie zwang, aus dem Auto zu steigen, und das Auto und alles, was sie darin hatte, stahl. Das war eine sehr erschreckende Erfahrung für sie, aber Gott sei Dank war sie nicht verletzt. Solche Dinge geschehen ständig und auch bei weniger wertvollen Sachen als ein Auto. Es bedeutet nichts mehr, dass Leute bei einem Raubüberfall wegen eines Handys oder eines Fahrrads ermordet werden. Das Leben hat nur noch sehr wenig Wert.
In unserem Apostolat bei den jungen Leuten tun wir unser Möglichstes, damit sie verstehen können, was Gewaltlosigkeit für ihre Lebensweise bedeutet. Es ist sehr schwierig für sie, das aufzufassen, denn sie sind auf allen Ebenen von so viel Gewalt umgeben.
Vor fast zwei Jahren zog ich mit einer weiteren Schwester auf eine neue Missionsstation, die etwa fünf Stunden von El Progreso entfernt ist. Wir arbeiten mit 30 Gemeinden von Ureinwohnern, die seit vielen Jahren von der Regierung und der Kirche praktisch im Stich gelassen worden sind. Sie brauchen dringend Erziehung und Bildung auf jeder Stufe. Wir tun, was wir können, um sie zu ermutigen und Mittel bereitzustellen, dass sie Bildung bekommen und so ihre Lebensqualität verbessern können. Wenn Du Dir das vorstellen kannst: Die meisten Kinder hören nach der 3. oder 4. Klasse mit der Schule auf und beginnen, auf dem Feld zu arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Um das zu ändern, wird es noch viel Geduld und Ausdauer brauchen, aber ich glaube, es ist die Anstrengung wert.
Gib bitte meine Grüße an die Schülerinnen weiter und versichere sie meiner tiefen Dankbarkeit für ihr Interesse an unserem Volk und für ihre Großherzigkeit uns gegenüber. Sie verwirklichen unseren Aufruf zur Solidarität durch das Generalkapitel (unseres Ordens im Herbst 2007). Ich frage mich, ob Du einmal mit einigen herkommen könntest, damit sie selber erleben, welch großen Einfluss ihre Spenden und Gebete auf das Leben unserer Kinder hier hat.
In tiefer Dankbarkeit
Mary