El Salvador

Lage - Landschaft

Chalatenango liegt nördlich von San Salvador. Dieses Department befindet sich an der Grenze zu Honduras. Es besteht aus einem relativ kleinen Landschaftsstreifen entlang des Lempaflusses, der flach und fruchtbar ist. Der Lempafluss ist dort übrigens auf 60 Kilometer zum Suchitlansee aufgestaut. Der weitaus größere Teil Chalatenangos ist Bergland, steil mit tief eingeschnittenen Tälern, die nur mit Schotterpisten an das Straßennetz angeschlossen sind. Chalatenango besitzt zwei wichtige Straßen: Einerseits die Troncal del Norte, die Hauptverkehrsstraße von San Salvador nach Honduras und die Querstraße dazu, von Chalatenango-Stadt nach Nueva Concepción. Besonders schwierig zu erreichen sind die Gebiete im Bereich der Berge des Trifinios und des Pitals. Trotzdem, mit dem Geländewagen kann man bis auf wenige hundert Meter an den Gipfel des höchsten Berges von El Salvador, den Pital (2300 m) heranfahren. Diese Straßen wurden aus militärischen Gründen gebaut. Dagegen gibt es in Chalatenango weiterhin besiedelte Täler, die nur in stundenlangen Fußmärschen erreichbar sind. Der Name Chalatenango wurde von der Bezirkshauptstadt auf das ganze Gebiet übertragen. Es ist ein Nahuatwort und bedeutet Stadt auf einem Sandrücken zwischen Flüssen. Andere Ortsnamen in diesem Department haben ihren Ursprung in der Mayasprache, zum Beispiel bedeutet Arcatao Haus der Schlangen.

Bevölkerung

In Chalatenango war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung vorwiegend indianischen Ursprungs. Erst durch die Gesetzgebung, die verarmte Siedler aus dem Zentralland vertrieb, kam es zu einer massiven Bevölkerungszunahme. Die Indiobevölkerung wurde über die Grenze nach Honduras gedrängt. Es siedelten sich Familien europäischen Ursprungs an. Alle Gebiete, die außerhalb der Malariazone (über 300 Höhenmeter) lagen, wurden extrem dicht besiedelt. Von da an hatten die Familien gerade so viel Land, wie sie zur Produktion des Eigenbedarfs an Nahrungsmitteln brauchten. In den abgelegenen Siedlungsgebieten gab es lange Zeit keinerlei Entwicklung. Die Menschen, auch die europäischer Herkunft, lebten wie vor der Entdeckung Amerikas. Die Bewohner Chalatenangos werden übrigens in ganz El Salvador "Cheles Chalatecos" genannt, in Anspielung auf ihre Abstammung. Chele bedeutet hellhäutig und weißhaarig. Die Überbevölkerung, also das knappe Land, hatte zur Folge, dass die Kleinbauern jedes Jahr für ein paar Monate auf die großen Haziendas in anderen Landesteilen wandern mussten, um sich dort noch etwas dazuzuverdienen. Schon seit Anfang des 20 Jahrhunderts kam es immer wieder zu Auswanderungswellen, nach Honduras und Guatemala, später in die großen Städte und heute vor allem in die USA, da es einfach keine Möglichkeit gab, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

Wirtschaft

Das Department Chalatenango ist landwirtschaftlich geprägt. Bis auf die Berggipfel werden Bohnen und Mais angebaut. Wenige Gebiete sind Weideland oder Zuckerrohrplantagen. In hoch gelegenen Gebieten im Bereich von La Palma wird auch Gemüse angebaut. Somit besteht die Bevölkerung Chalatenangos zum größten Teil aus Kleinbauern, die gerade so viel produzieren, um ihre Familie zu ernähren und die allernötigsten Dinge kaufen zu können. In den Städten Chalatenango und Nueva Concepción gibt es Handel und Dienstleistungen. Das sieht alles wenig professionell aus und ermöglicht es den Kleinunternehmern, gerade so über die Runden zu kommen. Auch in dem Ort La Palma, der ja bekannt dafür ist, dass dort Kunsthandwerk bester Qualität hergestellt wird, gibt es keine Reichen. Im Gegenteil, die berühmten verzierten Textilien werden in Heimarbeit vergeben, der Verdienst der Stickerinnen bleibt unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgehalt. Den Gewinn machen immer die Händler, die in San Salvador leben. Auf einen grünen Zweig sind einige Bauern in den Hochtälern rund um La Palma gekommen. Neben Kohl wächst dort Marihuana besonders gut - und den Vertrieb - nicht nur vom Kohl - organisieren die Produzenten angeblich selbst. Eine weitere Einkommensquelle in Chalatenango ist der Schmuggel. Diese Aktivität ist in den letzten Jahren nicht mehr allzu lukrativ. Dennoch, da auf Grund des Wechselkurses viele Produkte in Honduras etwas billiger sind, können viele Familien mit grenzüberschreitenden Wanderungen ihr Einkommen etwas aufbessern.

In ganz Chalatenango gibt es keinerlei Industrie. Als Angestellter in einem Betrieb zu arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist nicht möglich. Wer Arbeit sucht, muss in die Hauptstadt gehen. Junge Männer gehen als Hilfsarbeiter auf den Bau. Mädchen und junge Frauen, gehen als Hausangestellte nach San Salvador: Extreme Ausbeutung ist der Normalfall. Viele nehmen das auf sich und hoffen, dort dann irgend wann einmal eine Anstellung in den Maquilabetrieben zu finden.

Bürgerkrieg

Die Situation extremer Armut bewirkte in Chalatenango eine Zuspitzung der Situation in den Siebzigerjahren. Viele Campesinos meinten nichts mehr zu verlieren zu haben. Sie brachten in den Dörfern ihren Unmut zum Ausdruck, sie schlossen sich zusammen und demonstrierten. Mit brutalster Gewalt wurde von den Autoritäten darauf reagiert. Es gab keinerlei Bereitschaft, an den Ursachen der Problematik etwas zu ändern. Informationen über die Gewalt in den abgelegenen Dörfern wurde nicht publik. Unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde in weiten Gebieten Chalatenangos die Bevölkerung im Rahmen einer offiziellen Militärstrategie vertrieben. Die Leute, die blieben, wurden als Gegner des Landes abgestempelt. Letztlich wurden viele Chalateken in den Untergrund getrieben. Die relative Nähe zu San Salvador und die Abgeschiedenheit der Region waren wohl der Grund dafür, dass in diesem Gebiet der Krieg besonders hart geführt wurde. Sogar wichtige Gemeinden (Las Vueltas, Las Flores, San Isidro, San Antonio Los Ranchos, San Antonio de la Cruz und Arcatao) mit eigenem Bürgermeistersitz wurden völlig zerstört und blieben für mehrere Jahre ohne Bevölkerung. Eine derart zugespitzte Situation gab es nur in Chalatenango. Während des Krieges war über die Hälfte Chalatenangos von der Guerilla kontrolliertes Gebiet. Regierungsbeamte hatten keinen Zugang, viele Zivilisten kehrten jedoch in ihre Gemeinden zurück. Es entwickelte sich ein Netzwerk von Selbstverwaltungsinstanzen, die alle Bereiche einer staatlichen Verwaltung abdeckte: Gesundheitssystem, Schulsystem, Rechtssystem, Entwicklung,.... alles wurde von den Campesinos in Eigeninitiative und Eigenverantwortung mit Erfolg selbst verwaltet. Eine Erfahrung, die bis heute für die Gemeinden ein wichtiges Entwicklungspotential darstellt. Der Preis des Bürgerkrieges war jedoch hoch, zu hoch: Alle Familien haben viele Tote zu beklagen - manche Familien wurden total ausgelöscht. Die, die überlebten, werden noch über mehrere Generationen unter den Traumata des Krieges leiden - eine schwere Last für die Zukunft.

Kirche

Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die ganze Landbevölkerung katholisch. Die katholische Kirche war eine wichtige "stabilisierende" Säule im alten Autoritätssystem. Das Aufkommen der Ideen der Befreiungskirche veränderte die Situation. Viele Gläubige bestanden nun darauf, als Menschen behandelt zu werden und mit einem Minimum an Würde zu leben, so wie es die Bibel vorsieht. Mit diesem Anliegen bahnte sich ein Konflikt an, der sich dann zum Bürgerkrieg ausweitete.

Die Bedeutung der Kirche war diesbezüglich so groß, dass 1988 das Gebiet Chalatenangos aus der Diözese San Salvador ausgegliedert wurde und von da an einen eigenen Bischof bekam. Trotz dieser Schwächung hatte die katholische Kirche, die neue Diözese Chalatenango, in den letzten Jahren des Bürgerkrieges eine extrem wichtige Funktion. Nur kirchliche Mitarbeiter konnten in fast alle Bürgerkriegsgebiete gehen. Die Kirche hatte ein System zur Erfassung und Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen. Damit wurden tausende von Menschenleben gerettet. Über Jahre waren von der Kirche ausgestellte Ausweispapiere die einzigen Dokumente für Personen, die im Kriegsgebiet lebten. Entwicklungsprojekte und Nothilfeprojekte während des Krieges und danach wurden vor allem von der Kirche oder über die Kirche abgewickelt. Staatlichen Stellen wurde nicht das nötige Vertrauen entgegengebracht.

Selbstverständlich fühlte sich ein Teil der Bevölkerung mit dem neuen Kirchenverständnis nicht wohl. Sie sehnten sich nicht nach der Befreiung im Glauben, sondern nach den klaren Vorgaben eines Pfarrers und nach dem Heilsversprechen im Jenseits der traditionellen Kirche, das das Leid auf der Erde als Prüfung erklärt. Gegenwärtig gibt es eine Pendelbewegung zurück, hin zu charismatischen Bewegungen innerhalb der katholischen Kirche oder aber hin zu Sekten, die einen sicheren Platz im Himmel versprechen und so dem Leiden des Alltags einen scheinbaren Sinn geben.

Dennoch, die Arbeit der katholischen Kirche nimmt in Chalatenango weiterhin einen höchst wichtigen Platz ein, nicht nur um Gottesdienste anzubieten, sondern auch um den Menschen zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituation einen Beitrag zu leisten; vielleicht doch, wie es eines der Fernziele der Befreiungskirche ist, um sich dem Himmel auf Erden ein paar kleine Schritte zu nähern.

Politik

Politisch gesehen haben die Departments kaum eine Bedeutung. Vom Staatspräsidenten wird ein Departementvorsteher (Gobernador) bestellt, der vor der Regierung die Interessen des Departments vertreten und die Aufgaben der Regierung vor Ort weiterleiten soll. Der Gobernador und sein Helferteam hat nur im Bereich des Straßenbaus etwas zu sagen, ansonsten ist er nur Bindeglied zwischen Regierung und den Bürgermeistern. Auch bei den Zweigstellen des Gesundheits- und des Erziehungsministeriums hat der Gobernador beratende Aufgaben. Auf einer zweiten Ebene ist die Departementverwaltung allerdings wichtig: Wenn es um "Tráfico de Poder" geht. Dies ist ein Ausdruck, der nichts anders als Machtmissbrauch oder Bestechung bedeutet, aber eigentlich auf spanisch unverfänglich klingt. Bei der Vergebung von Bauaufträgen, bei der Besetzung von Lehrerstellen und bei vielem mehr wird der Gobernador gefragt - und niemand will Probleme mit ihm. Und wenn man von ihm Wohlwollen erfahren hat, kann man sich ja erkenntlich zeigen - rein privat natürlich. Auch wir, Marta und ich, waren davon betroffen. Bis etwa 1994 gab es das Gesetz, das besagte, dass, wenn ein Ausländer eine salvadorianische Person heiraten will, der Verwaltungsakt vom Gobernador des entsprechenden Departments selbst vorgenommen werden musste. Ich ließ unverbindlich anfragen, als wir heiraten wollten - 1200 Dollar für diese Anfrage war die Verhandlungsbasis für das Zusatzhonorar neben den offiziellen Verwaltungsgebühren. Für das Geld konnten wir zum Heiraten nach Deutschland fliegen.

Politik wird in den Departments von den Bürgermeisterversammlungen gemacht. Allerdings lähmt die parteipolitische Polarisierung einen großen Teil der Tatkraft. So ist es leider weiterhin so, dass fast jeder Bürgermeister mit seinem Gemeinderat vor sich hinarbeitet, ohne sich regional abzustimmen, um die Ergebnisse zu potenzieren.

Koordinierende Aufgaben übernehmen auf Departementebene einige NGO´s. Hierbei ist wieder die parteipolitische Polarisierung ein ausschlaggebender Faktor. Die Bürgermeister und die Direktiven der Ortschaften suchen jeweils die Koordination und Unterstützung nur bei den Institutionen die der entsprechenden Partei nahe stehen.

Innerhalb der Gemeinden gibt es die Möglichkeit, dass die Bevölkerung ein Selbstvertretungsorgan, die Direktive wählt. Diese Direktiven können bei den Bürgermeistern beratend vorstellig werden und haben das Recht, gemeinnützige Projekte in den Ortschaften durchzuführen. Im Nordosten Chalatenangos gibt es nun den Zusammenschluss von fast 80 Direktiven. Sie sind ein Netzwerk, das ein wichtiges Einflusspotential darstellt. Der CCR, so nennt sich dieser Zusammenschluss, vertritt eher die linke Tendenz der Bevölkerung dieser Gemeinden und wird bei wichtigen Entscheidungen zu Rate gezogen.

CCR - Cordes

Dieses CCR-Netzwerk, unterstützt von der Institution Cordes, ist nicht nur politisches Sprachrohr der Gemeinden, sondern ein massiver Motor für die Entwicklung auf allen Ebenen. Der CCR ist ein Zusammenschluss der Direktiven der angeschlossenen Gemeinden. Direktiven sind demokratisch gewählte Selbstverwaltungsorgane der Ortschaften. In einer Generalversammlung der Direktiven der Region wird dann ein Koordinationsausschuss gewählt, der nicht nur die Gemeinden repräsentiert, sondern sich auch aktiv für die Entwicklung dieser Ortschaften einsetzt. Dabei sind die Protagonisten keine besserwisserischen Fachleute, sondern Personen aus den Gemeinden, die so lange Informationen suchen und weitergeben, bis auch der letzte Bewohner einer Gemeinde das nötig Wissen hat, um eine einmal getroffene Entscheidung zu unterstützen. Dies ist jeweils ein langwieriger Prozess, ist jedoch eine Erfolgsgarantie für Entwicklungsprojekte.

Fast wöchentlich finden deshalb in den dem CCR angeschlossenen Gemeinden Bürgerversammlungen statt. Immer wird viel informiert und diskutiert um letztendlich abzustimmen. Dann wird darüber entschieden, ob die Gemeinde an einer Demonstration teilnimmt, sich gemeinsamen für den Umweltschutz einsetzt oder eine Gemeinschaftsarbeit beziehungsweise ein kommunales Projekt in Angriff nimmt. Die fachlich kompetente Unterstützung von Cordes ist eine wichtige Hilfe, um bei den verschiedenen Projekten Erfolg zu haben, und andererseits baut dies das Vertrauen auf, das wichtig ist, um internationale Hilfsgelder zu bekommen. Wichtige Bestandteile der Arbeit des CCR ist das Schulsystem, die "Escuelas Populares de Chalatenango" und das Gesundheitssystem, das in den dem Gemeindenetzwerk angeschlossenen Gemeinden früher das staatliche System ersetzte und heute ergänzt, beziehungsweise potenziert.

Karte Chalatenango

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