Allerheiligen

Brief des Schulseelsorgers an das Kollegium

Amberg, 20. Oktober 2004

Halloween - Allerheiligen - Allerseelen

Gedanken

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In den kommenden Tagen wird unsere Gesellschaft - angespornt von den Medien - wieder zunehmend vom "Halloween-Fieber" gepackt werden. Ich muss Ihnen gestehen, dass mich diese Entwicklung schon seit einigen Jahren sehr nachdenklich macht. Was auch immer die Wurzeln von Halloween sein mögen, Fakt ist, dass am Vorabend des Allerheiligentages spaßig-gruselige Partys gefeiert werden, die für viele Zeitgenossen zum alleinigen Inhalt dieser Tage geworden sind. Offensichtlich sucht sich eine desorientierte (Spass-)Gesellschaft immer neue Rituale und Feiern und verdrängt unmerklich (oder auch ganz bewusst?) die gewachsene christliche Feiertagskultur um Allerheiligen und Allerseelen.

Dabei wären gerade diese beiden Tage am Anfang des (grauen) Monats November sehr geeignet, uns an wesentliche christliche Inhalte zu erinnern.

Allerheiligen ist ein fröhliches Fest, das in einer unmittelbaren Verbindung zu Ostern steht. Die Kirche feiert "alle Heiligen" und verweist auf das Ziel für jeden Menschen. Das Leben wird "heil", weil es bei Gott vollendet wird. Heilige, das sind ja nicht mehr oder weniger ko-mische Gestalten, zu denen wir uns keinesfalls zählen wollen, Heilige sind Menschen, die uns exemplarisch sagen, dass das Leben letztendlich gelingt. Allerheiligen ist ein hoffnungsvolles, österliches Fest.

Dieser Eindruck wird meist etwas getrübt, weil viele den Allerheiligentag lediglich mit dem nachmittäglichen Friedhofsbesuch in Verbindung bringen. Diese Feier gehört aber eigentlich schon zum Allerseelentag und hat sich am Allerheiligentag nur deshalb "angesiedelt", weil dieser Tag arbeitsfrei ist. Allerseelen - das Gedächtnis der Verstorbenen - feiert die Kirche im Licht von Allerheiligen. In der optimistischen Sichtweise des Allerheiligentages gedenken wir unserer Verstorbenen. Gerade das Thema "Tod" bricht immer wieder plötzlich in unseren Alltag ein. Viele Zeitgenossen sind dann ratlos und hilflos. Ohne zu vertrösten möchte ich sagen: Allerheiligen und Allerseelen zeigen Sinnstrukturen auf, wollen helfen, unsere End-lichkeit und Begrenztheit zu deuten und ein Stück weit zu bewältigen.

Es wäre schön, wenn Sie in den Tagen vor Allerheiligen und Allerseelen mit Ihrer Klasse über dieses Thema ins Gespräch kommen könnten. Auch die Religionslehrerinnen und Religionslehrer werden hier ihren Beitrag leisten. Aber sie können die Verantwortung nicht alleine tragen. Im Sinne der vierten Säule unseres Schulprofils sind wir alle gefordert, unseren Schülerinnen Hilfen bei der Lebensorientierung zu geben. Das authentische, persönliche Zeugnis eines Erwachsenen kann für Heranwachsende eine große Hilfe sein. Die christlichen Feier- und Gedächtnistage wollen echte Orientierung geben. Wir sollten sie uns nicht nehmen lassen!

Für Ihre Mitarbeit danke ich Ihnen ganz herzlich!

Stefan Hirblinger

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