Evaluation Religionslehre
Evaluation des Faches Religionslehre
Gegen Ende des Schuljahres 2001/2002 führte die Fachschaft Religionslehre (katholisch und evangelisch) sowohl am Gymnasium als auch an der Realschule eine anonyme Befragung der Klassen durch. Ziel der Aktion war, aufgrund der Antworten erkennen zu können, welchen Wert die Befragten dem Fach beimessen, welche Erwartungen und Hoffnungen sie damit verbinden, aber auch welche Defizite sie empfinden. Von diesem Ergebnis ausgehend, können die Lehrkräfte ihren Unterricht reflektieren und entsprechend reagieren. Die sehr positive Gesamtbewertung des Faches macht Mut, den eingeschlagenen religionspädagogischen Weg fortzusetzen.
Wie unterschied sich der Religionsunterricht in der Grundschule von dem im Gymnasium oder der Realschule? Vermisst Du etwas, das Dir in der Grundschule wichtig war?
Ist der Religionsunterricht für Dich ein Fach wie jedes andere? Wenn nicht, was ist hieran anders?
Welche Themen interessieren Dich besonders, welche (überhaupt) nicht?
Gibt es Themen, die der Religionsunterricht behandeln sollte, die Dir im bisherigen Religionsunterricht aber gefehlt haben?
Welche Arbeitsformen werden in diesem Unterrichtsfach angewandt, welche sagen Dir besonders zu, welche gar nicht?
Ist die Person des Lehrers in diesem Fach besonders wichtig? Wenn ja, warum? (KEINE NAMEN NENNEN!)
Hast Du den Eindruck, Deine (kritische) Meinung offen vertreten zu können?
Muss Deiner Ansicht nach der Religionslehrer ein gläubiger Mensch sein? „Zeigen“ Lehrer hier ihren Glauben?
Hast Du Dich, ausgehend vom Religionsunterricht, schon einmal Gedanken über Dein eigenes Leben gemacht? Wenn ja, in welcher Hinsicht?
Teilweise wurde sehr viel Negatives über das (niedrige intellektuelle) Niveau des Religionsunterrichts an der Grundschule geäußert, jedoch wurden die Methodenvielfalt und Kreativität im RU auch von den Kritikern des Anforderungsniveaus durchweg positiv bewertet. Dies wird von den Fachkollegen/-innen als deutliche Ermunterung zu noch mehr Kreativität und Methodenwechsel aufgefasst.
Unter den Gesichtspunkten von Leistungsanforderung und Benotung wird der RU von vielen Schülerinnen als „Fach wie jedes andere“ angesehen, andererseits sehen die meisten Schülerinnen sich, ihre Lebenswelt und ihre Probleme im Religionsunterricht weitaus stärker angesprochen als in anderen Unterrichtsfächern. Dies zeigt die (vielleicht zunehmende) Wichtigkeit des schulischen Religionsunterrichts gerade in einer immer stärker säkularisierten Welt.
Während sich die Schülerinnen in der Unter- und Mittelstufe noch eher für biblische Themen sowie fremde Religionen und Kulturen interessieren, fühlen sich die Oberstufenschülerinnen mehr von philosophischen und psychologischen Themen angesprochen, in denen Wesen, Tragik und Gebrochenheit des Menschen und des Individuums behandelt werden. (Wissenschaftliche fundierte) Bibelarbeit findet bei letzteren wieder mehr Zuspruch als Bibelarbeit in Unter- und Mittelstufe. Die Fachkonferenz diskutiert in diesem Zusammenhang kreative Zugänge zu biblischen Themen sowie die Möglichkeiten, mehr authentische Quellen zu nutzen als Einstieg in anthropologische Themen.
Während in Unter- und Mittelstufe noch zahlreiche Themen als behandlungswürdig genannt werden, wird in den Stellungnahmen aus der Oberstufe darauf verwiesen, dass sich im Verlaufe der verschiedenen Jahrgangsstufen das Quantum an Themen, die man früher noch vermisste, immer stärker vermisst hat. Mit Genugtuung nehmen die Fachlehrkräfte zur Kenntnis, dass die Schülerinnen zufrieden darüber sind, dass trotz der Fülle des Lehrplanes die meisten Religionslehrkräfte immer noch eine Möglichkeit finden, auf spontan angesprochene Problemfelder angemessen einzugehen.
Diskussion, Gruppenarbeit und meditative Elemente erfreuen sich größter Beliebtheit durch alle Jahrgangsstufen hindurch. Aufgrund dieses Grundtenors der Umfrage haben die Fachlehrkräfte sich auch weiter oben dafür ausgesprochen, „meditative Reisen ins Ich“ häufiger als Unterrichtselemente zu nutzen.
Die Zahl der Schülerinnen, die die Art der Darbietung des Unterrichtsstoffes für wichtiger halten als die Person der Lehrkraft, ist verschwindend gering.
Eigentätigkeit und Diskussion sind den Schülerinnen durch alle Jahrgangsstufen hindurch sehr wichtig. Sie wollen sich Unterrichtsstoff selbst erarbeiten, ihre persönliche Meinung gegenüber den Mitschülerinnen und den Lehrkräften vorbringen können und sie wollen auch wissen, wie ihre Klassenkameradinnen und Lehrer über die verschiedenen Themen denken. Die Fachlehrkräfte halten es für sehr wichtig, den divergierenden Meinungen der Schülerinnen mit einem festen eigenen Wertesystem entgegen zu treten, ohne bei den Schülerinnen den Eindruck zu erwecken, dass man sie zu Duckmäusern und Ja-Sagern erziehen wolle. Die Entwicklung einer vernünftigen Streitkultur ist wichtiger als faule Kompromissen zu erzwingen oder alle Meinungen für gleichermaßen gültig zu erklären.
Nur ganz wenige Schülerinnen erwarten von den Religionslehrkräften eher Neutralität und Sachkompetenz als eine persönliche Glaubenshaltung. Die große Mehrheit der Befragten aber hält eine klare Glaubensüberzeugung für unverzichtbar, wenn die Vermittlung von „Religions-Stoff“ glaubwürdig sein soll. Auf dem Hintergrund dieses Umfrageergebnisses diskutieren die Fachlehrer/-innen über die Bedeutung der persönlichen Spiritualität für das authentische Lehren im Religionsunterricht.
Viele Schülerinnen erfahren durch den schulischen Religionsunterricht Denkanstöße für ihr eigenes Leben. Während Unterstufen-Schülerinnen sich durch den Religionsunterricht eher mit ihren Alltagssituationen konfrontiert sehen, werden Oberstufen-Schülerinnen dadurch stärker angeregt, über ihre zukünftige Lebensplanung und ihre Haltung zu Welt und Mitmensch nachzudenken.