Vorwort des Jahresberichts 2003

Vor 50 Jahren standen der Neuseeländer Edmund Hillary und der Nepalese Tenzing Norgay als erste Menschen auf dem Gipfel des höchsten Berges der Erde. Diese Erstbesteigung des Mount Everest war ein Ereignis der Superlative, und die Welt hatte zwei Menschen mehr, deren Namen in Geschichtsbüchern stehen.

Heute muss man feststellen: Der Everest hat seinen Zauber verloren, denn er ist käuflich geworden. Wer 50.000 Dollar investieren kann, kommt mit einiger Wahrscheinlichkeit zum Gipfelglück. Günter Sturm vom Deutschen Alpenverein sagte dazu in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Für jeden zahlenden Bergsteiger werden vier Sherpas gestellt, die ihn notfalls zum Gipfel schieben. Zum Teil trägt dieser Bergsteiger nicht mal seinen Sauerstoff, das macht der Sherpa hinter ihm - der Gehende wird über einen Schlauch versorgt. Je nach zugeführter Menge verringert sich die empfundene Höhe um bis zu 2000 Meter. Hinzu kommen fest installierte Fixseile und Leitern, der ganze Weg ist präpariert wie eine Autobahn. Dieser Bergsteiger lässt sich hinterher als Everest-Besteiger feiern, aber nach meinem Verständnis hat er den Gipfel nie bestiegen."

Gipfelglück,
das keines ist, fehlt es doch an Ehrlichkeit, Anstrengung, eigener Leistung, Grenzerfahrung, Angst und ihrer Überwindung.

Das Schuljahr 2002/03, das 164. seit Gründung unserer Schule, ist zu Ende. Ein Ereignis der Superlative war es nicht, aber es hatte seinen ganz besonderen Zau­ber: Es war ein Jahr großer Anstrengungen, ehrlicher Beratungen und Diskussi­onen, gemeinsam getroffener Entscheidungen, durchgestandener Ängste, uner­warteter Freuden und heiterer Augenblicke. Wir haben mit unseren ehrlichen Mitteln, mit Körper, Geist und Seele, einen hohen Berg bestiegen.

Deshalb war es ein glückliches Jahr.

Von Herzen danke ich:



Und zu guter Letzt meine diesjährige Leseempfehlung für die lange Ferienzeit:

Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.), Sommerfantasie.

Verschiedene Autoren erzählen "von Sommern, wie sie früher einmal waren". Das Buch ist im Juni bei dtv in der Reihe Hanser erschienen.

Schöne Ferien!

Renate Gammel

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