Vorwort des Jahresberichts 2004

Das Schuljahr 2003/04 ist zu Ende. Man wird sagen, dass es ein normales, ja vielleicht sogar ein gutes Jahr war. Menschen sind wieder klüger und weiser geworden und, da wir alle Lernende sind, kann ich feststellen, dass dies für Schülerinnen und Lehrkräfte (mich eingeschlossen) gilt.

Und dennoch ist dieses Schuljahr ein bisschen mehr als "normal". Das Jahr 2004, in das es ja mit sieben Monaten hineinragt, wird einmal in den Geschichtsbüchern als das "15 + 10" - Erweiterungsjahr stehen: Am 01. Mai traten 10 neue nordost-, ost- und südosteuropäische Länder der Europäischen Union bei. Diese hat nun ein neues, ausdrucksstärkeres Gesicht. Das alleine ist schon denkwürdig genug.

Aber 2004 ist aus einem zweiten Grund ein besonderes Jahr: Am 9. Mai jährte sich der Todestag von Theresia Gerhardinger, der Gründerin der Kongregation der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr. und unserer Schule hier in Amberg, zum 125. Mal.

Sie war nicht nur die bedeutendste Pädagogin des 19. Jahrhunderts und uner­schrockene, glaubensstarke Gründerin einer großen, weltweit tätigen Ordensgemein­schaft. Da ihr ein langes Leben geschenkt war (1797 - 1879), durchlebte sie wahrhaft epochale Veränderungen in Europa: Hineingeboren in die Wirren und Nöte der Napoleonischen Kriege, erlebte sie den Untergang des Hl. Römischen Reiches deutscher Nation und die Erhebung Bayerns zum Königreich. Als der Wiener Kongress "tanzte", war sie 18 Jahre alt und königlich-bayerische Lehrerin in Regensburg. Sie wurde Zeitzeugin der aufkeimenden liberalen und nationalen Ideen. Als diese in der Revolution von 1848 vorerst scheiterten, hatte sie bereits eine Schiffspassage nach Nordamerika und eine Reise durch viele Städte der USA hinter sich, wohin sie gerufen worden war, um für die Kinder deutscher Einwanderer Schulen zu gründen. Als sie 70 war, veränderte sich die europäische Landkarte erneut: Die Habsburger waren "nur" noch Herrscher über die Donaumonarchie, und das Deutsche Kaiserreich mit seinem Reichskanzler Bismarck erfüllte vielen den Traum vom deutschen Nationalstaat.

Theresia Gerhardinger war eine Frau ohne Scheu vor fremden Ländern und Kulturen. Schon zu ihren Lebzeiten gründete sie Ordensniederlassungen, und damit auch Schulen, Kindergärten und Waisenhäuser in Gegenden Europas, die am 01. Mai 2004 bereit waren, sich auf das Abenteuer Europäische Union einzulassen, nämlich in den heutigen Ländern Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Slowenien und Ungarn. Nationalistisches, sich abschottendes Denken war ihr fremd, und ich bin sicher, sie, die gelobte und gelebte Armut mit Lebensfreude zu verbinden wusste, hätte am 01. Mai 2004 gerne gefeiert. Und sie hätte sich einig gewusst mit dem 1964 geborenen polnischen Schriftsteller Radek Knapp, der über das „Europa der 25“ und die diffusen Ängste in West und Ost schrieb: "Vielleicht wird man endlich auch einsehen, dass es in Wirklichkeit keine germanische und keine polnische Seele gibt. Oder wie es einmal ein großer Denker ausgedrückt hat, der weder Slawe noch Germane war, dass wir niemanden so sehr fürchten wie uns selbst."

Aufrichtig danke ich all jenen, die mal mehr, mal weniger sichtbar zum Gelingen dieses 165. Schuljahres seit Gründung unserer Schule beigetragen haben. Viele Hände und Herzen sind nötig, damit Gutes geschehen kann.

Mein besonderer Dank gilt heute


Und nun noch meine Leseempfehlung für die lange Ferienzeit:

Schmökern Sie ganz einfach in der SZ-Bibliothek "50 große Romane des 20. Jahrhunderts". Unter http://www.sz-bibliothek.de finden Sie Angaben zu Autoren und Werken. Wenn es Sie auch stört, dass die SZ-Feuilleton-Redaktion nur eine Handvoll Frauen für würdig befunden hat, zu den Jahrhundert-Romanciers zu zählen, dann nenne ich hier eine paar Autorinnen, die man offensichtlich übersehen hat: Ingeborg Bachmann, Pearl S. Buck, Simone de Beauvoir, Assja Djebar, Nadine Gordimer, Harper Lee, Doris Lessing, Astrid Lindgren, Selma Lagerlöf, Toni Morrison, Iris Murdoch, Arundhati Roy, Anna Seghers, Christa Wolf, Virginia

Schöne Ferien!

Renate Gammel

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