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Aktuelles

Abitur 2020: Zeugnisverleihung an 47 Absolventinnen [zurück zur Übersicht]

VorschauDie beste Nachricht vorweg: Alle 47 Abiturientinnen des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums haben ihr Abitur bestanden – und sogar mit etwas überdurchschnittlich guten Noten. Dazu gratulierte Schulleiter Oberstudiendirektor Günter Jehl allen Absolventinnen und sprach den sieben jungen Frauen, die das Prädikat „sehr gut“ erreicht hatten (1,5 und besser), seine besondere Anerkennung aus.

Lucy Lumley, Paula von Kempis, Theresa Boßer, Lorena Hollweck, Sarah Wiesner, Laura Brugger und Rebecca Häckl durften sich über ihr besonders gutes Abschneiden freuen.

Eigentlich hat man sich ja schon daran gewöhnt in dieser Corona-Epoche: Keine größeren Menschenansammlungen, Abstand, Mund-/Nasenschutz. Dass trotz der Vorsichtsmaßnahmen, die das Kultusministerium festgelegt hatte, ein verhältnismäßig feierlicher Abschluss der gymnasialen Schulzeit am DJDG möglich war, ist allen Beteiligten zu verdanken.

Der Vormittag begann mit einem Wortgottesdienst in der Basilika St. Martin, den Schulseelsorger Studienrat Reinald Bogensperger zelebrierte. Hier wurde routiniert der Abstand gemäß den Vorgaben der Pfarrei eingehalten, und die Absolventinnen brachten sich beim Vortragen der Fürbitten und bei der Lesung ein; Lucy Lumley nutzte die Besinnung für einen kurzen Rückblick auf die abgelaufene Schulzeit und bedankte sich bei Eltern und Lehrkräften, aber auch bei den Mitschülerinnen für alle Hilfe und Unterstützung.

In seiner kurzen Begrüßung der Abiturientinnen und ihrer Angehörigen, die jeweils an einem Tisch sitzend über die Doppelsporthalle verteilt waren, erinnerte Schulleiter Jehl daran, dass es sich um eine „gemeinsame reine Zeugnisverleihung“ handle – nicht um eine Abschlussfeier, und deshalb seien weder Reden noch musikalische Auftritte von Ensembles der Schule gestattet. Er verwies darauf, dass seine Verabschiedungsrede im DJDS-Jahresbericht abgedruckt sei.

Ein bisschen Musik durfte aber dann doch sein: Für ihren Gang nach vorn zur Bühne, wo sie ihr Zeugnis mit ausgestrecktem Arm überreicht bekam, hatte jede Abiturientin sich ein Musikstück ausgesucht, das dann über die Lautsprecher abgespielt wurde. So bekam die Entgegennahme des Zeugnisses in der mit Grünpflanzen geschmückten Sporthalle eine persönliche Note.

Drei Schülerinnen erhielten außerdem die Schulmedaille für besondere Verdienste um die Schulgemeinschaft verliehen: Lena Laßen, Hannah Reichhardt und Isabella Schwarz.

Zum Abschluss dankte Schulleiter Jehl den Schülerinnen und Angehörigen für ihr diszipliniertes Mitwirken bei der Umsetzung der Präventionsmaßnahmen und wünschte den Absolventinnen für ihre Zukunft „alles erdenklich Gute, viel Glück, Erfolg, Zufriedenheit, vor allem aber Gesundheit und Gottes Segen.“

[Es folgen die Redetexte.]

(djd-Bericht vom 17.07.2020/rip; Bilder: djd)




Da die Dr.-Johanna-Decker-Schulen im Sinne eines bestmöglichen Schutzes vor Ansteckung mit dem Coronavirus vorgingen, wurde die Vorgabe des Kultusministeriums strikt befolgt. Dort heißt es: "Hinsichtlich des Rahmenprogramms sind nur die absolut notwendigen Bestandteile abzuhalten".
Deshalb soll den für diesen Tag vorgesehenen Reden hier die Öffentlichkeit geboten werden, die sie im Zusammenhang einer tatsächlichen Abiturfeier gehabt hätten. Zusätzlich hat freundlicherweise Schulseelsorger Reinald Bogensperger den Text seiner Predigt zur Verfügung gestellt.
Es folgen also hier (in theoretischer chronologischer Reihenfolge):



1. Predigt beim Wortgottesdienst für die Abiturientinnen 2020/StR Reinald Bogensperger


2. Rede des Schulleiters OStD Günter Jehl


3. Rede der Abiturientin Antonia Ferstl




1. "Wachsen und Reifen" - Predigt (StR Reinald Bogensperger)

Liebe Abiturientinnen!

An dieses Schuljahr werden Sie mit Sicherheit noch lange zurückdenken, vielleicht werden Sie es sogar nie vergessen, Ihr letztes Schuljahr am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium.

Zunächst fing es ja ganz normal und gewöhnlich an. Am ersten Tag der Schulgottesdienst, die Bücher wurden verteilt, die ersten Hausaufgaben gestellt, dann Stegreifaufgaben und Klausuren geschrieben. Der übliche Tages- und Wochenrhythmus nahm seinen Lauf. Sicher, die eine oder andere von Ihnen hat bestimmt auch daran gedacht, dass dieses Schuljahr ihr letztes als Schülerin am Gymnasium sein wird, und dass im Frühjahr die Abiturprüfungen anstehen.

Aber plötzlich war alles ganz anders. Mitte März wurden die Schulen geschlossen. Und nicht nur die. Shutdown. Das öffentliche Leben stand still.

Vielleicht haben das manche von Ihnen zunächst gar nicht als besonders schlimm empfunden. Viele konnten länger schlafen, der Leistungsdruck mit dem vielen Lernen und den Schulaufgaben war unterbrochen. Andere haben sich vielleicht gefragt: Wie wird das jetzt eigentlich mit unseren Abiturprüfungen? Können wir sie überhaupt in diesem Schuljahr ablegen? ---

Und dann durften Sie wieder in die Schule. Aber vieles war anders. Unterricht im Gerhardingersaal oder in der Turnhalle mit großem Abstand zueinander. Die Gesichtsmaske nur ja nicht vergessen, und vor allem: Abstand halten, um auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen. In dieser schwierigen Situation haben Sie sich auf das Abitur vorbereitet und es trotz der erschwerten Bedingungen mit Bravour bestanden. Dazu: Herzlichen Glückwunsch!

Man könnte auch sagen: Sie haben die Ernte Ihrer Gymnasialzeit, das, was in Ihnen an Wissen und Können, an schulischen Fähigkeiten und Fertigkeiten in den letzten Jahren herangewachsen und gereift ist, all das haben sie jetzt geerntet.

Begonnen haben Sie mit der Aussaat vor acht oder vielleicht neun Jahren hier an unserem Gymnasium. Viele Jahre haben Sie hier an dieser Schule verbracht. Können Sie sich noch daran erinnern, wie das ganz am Anfang war? Damals, mit ungefähr zehn Jahren, als Sie hier zum ersten Mal durch den Haupteingang kamen, an der Pforte vorbei, als Sie Ihre neue Klasse suchten, als Sie nicht wussten, ob Sie neue Freundinnen finden würden und wie die dann so sind.

Acht Jahre, eigentlich noch gar nicht so lange her, aber irgendwie doch wie von einer anderen Welt. Unsere Schule, so hoffe ich, ist für Sie in diesen Jahren zu einem vertrauten Ort geworden. Zu einem Ort, an dem Sie sich wohl fühlten. Jedenfalls: Ein Ort, an dem Ihre Talente und Begabungen heranwachsen und reifen konnten.

Die Erfahrung von Wachstum ist eine zutiefst menschliche Erfahrung, die sich auch an vielen Stellen in der Bibel zeigt. Eben haben wir das Gleichnis vom Sämann gehört. Ein Text, der Ihnen bestimmt im Laufe der letzten acht Jahr im Religionsunterricht einmal begegnet ist.

Für Jesus und seine Jünger war dies ein gewohnter Anblick. Ein Sämann muss bei seiner Arbeit damit rechnen, dass es Verluste gibt, die sind mal größer, mal sind sie kleiner; wichtig jedoch ist: Das Säen muss sich lohnen!

Was für den Samen des Sämanns gilt, das gilt auch für Gottes Wort, es fällt von Anfang an und durch die Jahrhunderte hindurch auf genügend guten Boden und trägt gute, mitunter sehr gute Frucht.
Wer das Wort Gottes mit aufrichtigem Herzen aufnimmt und daran festhält, der bringt reiche Frucht. Dafür gibt es viele Beispiele. Der hl. Franziskus, einer meiner Lieblingsheiligen, etwa.

Für Franziskus war es typisch, dass er nicht protestierte, sondern handelte: Er hat das feudalistische System seiner Zeit nicht verurteilt, das die Gesellschaft in verschiedene Schichten eingeteilt und somit das einfache Volk diskriminiert hat.

Er machte den Herrschenden seiner Zeit keine Vorwürfe, weil sie die Räuber strafte; er ging selbst in den Wald, suchte die "Brüder Räuber", wie er sie nannte, auf und brachte ihnen Brot und Wein, damit sie nicht länger stehlen mussten.

Er prangerte die soziale Ordnung nicht an, weil sie Aussätzige absonderte, er ging selbst auf die Aussätzigen zu, umarmte sie, küsste sie und verbrachte seine Zeit mit ihnen. Oder unsere Schulgründerin, die selige Maria Theresia von Jesu Gerhardinger. Sie begnügte sich nicht damit, das Bildungssystem ihrer Zeit, in dem vor allem Jungen eine höhere Bildung zustand, hinzunehmen. Sie tat etwas für Mädchen und junge Frauen, indem sie u.a. unsere Schule gründete und somit vielen jungen Damen eine höhere Bildung zugänglich machte.

Bei diesen beiden, bei Franziskus und bei Maria Theresia, ist das Wort Gottes auf fruchtbaren Boden gefallen und brachte reiche Frucht. Beide übernahmen Verantwortung für die Menschen ihrer Zeit, aus ihrem christlichen Glauben heraus.

Wenn Sie, liebe Abiturientinnen, heute unsere Schule mit dem Reifezeugnis verlassen, dann ist unser Anspruch als christliche Bildungsanstalt nicht, dass sie gleich heute Abend in den Wald gehen und Räuber suchen, denen sie dann einen Big-Mac und eine Cola oder dergleichen bringen. So nicht, aber so ähnlich schon.

Unser Anspruch war es, sie mit Wissen und Können, mit Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit christlichen Werten und Glaubensüberzeugungen auszustatten, damit Sie Verant¬wor-tung übernehmen können. Für sich selbst, für ihre Angehö-rigen, Freundinnen und Freunde, aber auch für unsere Gesellschaft und für die Kirche.

Wie und in welcher Weise genau, das bleibt Ihnen überlassen, und das wird Ihr weiterer Lebensweg zeigen.

Das Aussäen jedoch geht weiter. Eigentlich ist das Abitur ja eher so etwas wie eine Zwischenernte. Sie werden also weiterhin säen, im beruflichen Bereich wie im privaten. Dabei lehrt das Gleichnis vom Sämann, dass immer auch mit Verlusten zu rechnen ist. Manches Samenkorn fällt auf felsigen Boden und verdorrt, weil es nicht genug Wasser erhält, eine musikalische Begabung zum Beispiel, die nicht oder nicht mehr gepflegt wird. Ein anderes Samenkorn fällt mitten in die Dornen und wird von ihnen überwuchert, eine sportliche Fähigkeit zum Beispiel, die nicht trainiert wird, weil viele andere Dinge jetzt wichtiger geworden sind und keine Zeit mehr ist für sportliche Betätigung.

Für den Sämann ist es also wichtig, auf die richtige Stelle zu säen, auf den fruchtbaren Boden. Für uns könnte das bedeuten, seine Lebenszeit, seine Kraft und Energie auf das zu konzentrieren, was Frucht bringt und gelingt.

Wenn Sie jetzt also vor der Entscheidung stehen, welchen Lebensweg sie weiterhin einschlagen, in welche Richtung Sie sich beruflich oder privat orientieren, auf welches Feld sie „säen“, dann überlegen Sie: Ist das fruchtbarer Boden, auf den ich meine Aussaat ausbringe? Können meine Fähigkeiten und Talente in diesem Umfeld gut wachsen und reifen? Auch wenn ein heftiger Sturm oder Hagel über das Feld hinwegzieht, so wie im Augenblick die Corona-Pandemie?

Doch trotz der Rückschläge, die der Sämann hinnehmen muss und die einem im Leben oft nicht erspart bleiben: Säen lohnt sich! Das macht Jesus deutlich, wenn er ruft: Wer Ohren hat zum Hören, der höre! Darum: Gehen Sie mit Ihrem bestandenen Abitur in die Welt und säen Sie: Suchen Sie neue Erfahrungen, nehmen Sie die Dinge dieser Welt in sich auf und lassen Sie sich inspirieren, damit Sie Stufe für Stufe wachsen und zu reifen Kindern Gottes werden.

Amen.



2. Rede des Schulleiters OStD Günter Jehl zur Verabschiedung der Abiturientinnen und Absolventinnen (wie im Jahresbericht abgedruckt, S. 90-91).


Liebe Schülerinnen, die 2020 mit Abitur bzw. Realschulabschluss die DJDS verlassen!

Schon die Anrede ist „einmalig“, aber was ist in diesem Schuljahr nicht alles „einmalig“? Wer hätte noch zur Jahreswende gedacht, dass der Schulbetrieb über Monate stillgelegt sein könnte?
Ebenso ist es der Situation geschuldet, dass zum Redaktionsschluss des Jahresberichts eine festliche Verabschiedung der diesjährigen Abiturientinnen sowie der Realschulabsolventinnen im gewohnten Rahmen im Gerhardinger-Saal aufgrund der Corona-bedingten Beschränkungen immer noch in weiter Ferne ist. Wir wollen zwar mit allen Mitteln und innerhalb der gültigen Rahmenbedingungen eine würdige schulische Verabschiedung sowohl für die Q 12 als auch für die R 10 realisieren, aber zumindest der Anteil der Redezeit wird deutlich kürzer sein müssen. Aus diesem Grund und weil die Rede voraussichtlich gar nicht live gehalten werden kann, wende ich mich mit einer Rede im Jahresbericht an alle Absolventinnen der DJDS, die am 17. Juli bzw. am 24. Juli die Schule hinter sich lassen.

Liebe Schülerinnen, ich gratuliere euch zunächst zum erfolgreichen Abschluss eurer Schullaufbahn, egal ob Abitur oder Realschulabschluss. Ihr habt vor allem in den letzten Wochen viel Flexibilität gezeigt, sogar die Sporthalle als Klassenzimmer erfahren und auf viele gewohnte Dinge im alltäglichen, schulischen Tagesablauf verzichten müssen. Seht es positiv: Ihr habt dabei auch sehr viel für euer zukünftiges Leben gelernt – ganz ohne Lehrplan.
Für euer engagiertes Mitgehen auf diesem für uns alle neuen Weg danke ich euch, ebenso euren Eltern und euren Lehrkräften, die auch ganz neue Herausforderungen zu bewältigen hatten.

Die letzten Monate waren von noch mehr Informationsflut, Kommunikation und Organisation geprägt als sonst. Es ist durchaus empfehlenswert, über die vielfältigen und komplexen Ereignisse und Entwicklungen nachzudenken. Gerade in unserer Zeit der ständigen Verfügbarkeit aller Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort – Stichwort world-wide web – kommt dem Denken bzw. dem einzelnen Gedanken eine besondere Rolle zu.

Hierzu gibt es im jüdischen Talmud eine interessante Textstelle, die mich seit langem beschäftigt:

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

Solche „Weisheiten“ lesen sich leicht, erscheinen vielleicht manch einem/ einer etwas abgedroschen, aber sie enthalten große Wahrheiten:
Ich spreche von Dingen, über die ich mir Gedanken mache. Ich handle so wie ich rede. Was ich tue, wird oft zur Regel bzw. zur Gewohnheit. Und schon formt sich daraus mein eigentliches Ich, mein Charakter. Dieser prägt mich dann, begleitet mich das ganze Leben und wird so mein Schicksal.

Der Lebensweg, der vor euch liegt, wird immer wieder unvorhergesehene Herausforderungen mit sich bringen. Ich wünsche euch viel Mut auf diesem Weg:
Mut zum Hören – in dieser oftmals unmenschlichen Zeit,
Mut zum Dienen – in dieser oftmals egoistischen Zeit,
Mut zur Stille – in dieser oftmals lauten Zeit,
Mut zum Glauben – in dieser oftmals gottlosen Zeit.
Diese vier Mut-Wünsche sind in einem Gotteslob-Text unter Nr. 448 vertont.

Liebe Absolventinnen der R 10 und der Q 12,
ich wünsche euch für eure Zukunft alles erdenklich Gute, viel Glück, Erfolg, Zufriedenheit, vor allem aber Gesundheit und Gottes Segen!



3. Rede der Abiturientin Antonia Ferstl

Sehr geehrter Herr Jehl, liebe Lehrer und Lehrerinnen, liebe Eltern und Verwandte und natürlich liebe Mitschülerinnen,

heute die Rede zu unserem bestanden Abitur halten zu dürfen, ist eine große Ehre für mich. Deshalb beschloss ich bei der Vorbereitung nichts dem Zufall zu überlassen und wandte meine normale Taktik an, die mir bei der Vorbereitung vor allen Prüfungen gute Dienste erwies. Nachdem ich zwei Wochen lang jede Serie auf Netflix durchgeschaut hatte und meine gesamte Instatimeline fünfmal durchgescrollt hatte, fing ich gestern Abend leicht gestresst an, diese Rede zu schreiben. Zu meinem Schrecken fand ich auch noch heraus, dass Simple Club keine Rhetorikabteilung besitzt, weshalb ich jetzt doch mehr oder weniger improvisieren muss – also eigentlich alles so wie immer.

Wenn ich mich an meinen ersten Schultag an dieser Schule zurückerinnere, dann denke ich zuerst an den Gerhardinger-Saal. Ich weiß noch, als ich als kleiner Zwerg, wobei ich dennoch vermutlich zu den Größten gehörte, in diesem riesigen Saal saß und wir den Lehrern zugewiesen wurden. Das allererste Klassenzimmer, in das wir gesteckt wurden, lag im E-Bau – es war einer der kleinsten Räume, in dem ich in meiner bisherigen Schullaufbahn gelandet bin und dennoch fühlte ich mich in diesem engen Raum so winzig und hilflos wie nie zuvor. Doch ich war nicht allein. Neben mir standen 25 weitere – mir fremde Gesichter -, die sich vermutlich ähnlich fühlten. Schaute ich mich in den Gängen um, wirkte alles äußerst riesig und unübersichtlich. Es glich einem Labyrinth. Doch innerhalb von ein paar Jahren wurde aus dem Irrgarten mehr oder weniger ein Zuhause. Betrachtete ich die älteren Schülerinnen, dann kam es mir so vor, als müsste eine halbe Ewigkeit vergehen bis ich in der 12. Klasse bin. Es erschien mir ziemlich unwahrscheinlich, dass man innerhalb von 8 Jahren derart an Reife und Selbstbewusstsein gewinnen würde. Doch ich denke, jede Einzelne kann von sich selbst behaupten, dass sie in den letzten Jahren charakterlich sehr stark gewachsen ist.
Innerhalb von ein paar Schulwochen wurden aus Fremden Freunde.

Gegen Ende der 7. Klasse stand uns die Klassenteilung bevor. Die Tränen, die deswegen geflossen sind, hätte man problemlos verwenden können, um den Schulgarten ein Jahr zu bewässern. Als man zu diesem Zeitpunkt versuchte, uns davon zu überzeugen, dass man auch über Klassen hinweg befreundet sein kann und es doch nicht für ewig wäre, trafen diese tröstenden Worte vielmehr auf eine leere Hülle als auf einen Menschen. Aber wer kann es uns verübeln? Für uns waren die nächsten zwei Jahre nun mal eine Ewigkeit und es war nicht leicht, Freundinnen, die einem erst vor kurzem ans Herz gewachsen waren, einfach so loszulassen. Und dennoch bin ich davon überzeugt, dass die eine oder andere Freundschaft seit der 5. Klasse besteht. Aber dabei war es wirklich nur für eine kurze Zeit, denn bereits nach der 8. Klasse wurden die Klassen erneut vermischt. Aus drei kleinen Klassen entstanden zwei große. Ich glaube, dass erst durch dieses Durchmischen eine bessere Gemeinschaft entstehen konnte.

Ich habe viele Mitschülerinnen gefragt, was ihnen aus ihrer Schulzeit am meisten in Erinnerung geblieben ist.
Die häufigste Antwort war – Die Klassenfahrten.
5. Klasse: Trausnitz, 7. Klasse: Pfünz, 8. Klasse: Habsberg, 9. Klasse: Straßburg und die Englandfahrt. Die Chorfahrten, 10. Klasse: Berlin. Köln, Prag und Taizee wurden auch unsicher gemacht, und - selbstverständlich - der Favorit von allen: die Abifahrt.

Ich glaube, es ist für alle Beteiligten besser, wenn ich nicht weiter ins Detail gehe, und allein beim Nennen dieser Orte schießen jeder von uns ganz eigene, persönliche Erinnerungen in den Kopf.

Aber auch der Schulalltag ist zu erwähnen. Mal abgesehen von den Schultagen an bzw. nach Weiberfasching.

Die Schule erfüllte nämlich ihren Zweck als „Ort des Lernens“ und brachte uns auch so manches bei.

Wir lernten neben Kurvendiskussionen und Gedichtinterpretationen auch reichlich Nützliches.

Wir lernten gewisse Fähigkeiten der Augenkoordination und somit möglichst unauffällig aufs Handy zu schauen, wobei man zugeben muss, dass diese Fähigkeit in der Oberstufe immer mehr vernachlässigt wurde.

Wir lernten, dass der Weg das Ziel ist, und so konnte der Weg vom Sportplatz zurück auch mal 15 min beanspruchen.

Wir lernten flexibel, variabel und anpassungsfähig zu sein, und so wurde manche Hausaufgabe erst 5 min vor Unterrichtsbeginn angefertigt.

Wir lernten, wie hilfreich Teamwork ist – auch wenn Teamwork von Lehrern anders definiert wird.
Und zu guter Letzt lernten wir auch, dass das Wort „Blau“ mehrere Bedeutungen hat.

Aber jetzt einmal Spaß beiseite - neben den vorgeschriebenen Fachkenntnissen schafften es die Lehrer, falls die Zeit es mal erlaubte, mit allerlei Geschichten, Allgemeinbildung oder dem einen oder anderen Witz, uns zu begeistern. Vor allem die Kurzstunden am Ende des Jahres wurden gerne von manchen Lehrern genutzt, um uns wichtiges Kulturgut näher zu bringen. Jeder Einzelne trug dazu bei, dass wir heute hier stehen.

Noch dazu bestritten wir als erster Jahrgang erfolgreich das Mathe-Abitur ohne Taschenrechner. Dafür bitte einen kurzen Applaus.

War zwar nur der A-Teil, aber das lassen wir mal außer Betracht. Und wenn ich schon dabei bin, unsere besonderen Umstände zu erklären, komme ich selbstverständlich, wer hätte es gedacht, zu Corona alias Covid 19.

Denn am 13. März 2020 beschloss der Staat aus Gründen, die wir alle kennen, kurzerhand die Schulen zu schließen. Ich weiß noch, wie an diesem Freitag alle Deutschkurse gebannt dem Live-Interview folgten, und ab da ähnelte unser Zustand dem Titel eines Disneyfilms „Alles steht Kopf“. Es gab Lehrer, die an diesem Tag durchs Schulhaus heizten, um uns verzweifelt die wichtigsten Bücher mitzugeben. So manch anderer ergatterte die letzte Chance und schrieb an diesem Tag noch eine Stegreifaufgabe und dann gab es wiederum die „Prepper“ unter den Lehrern, die auf diesen Katastrophenfall schon vorbereitet waren und den Stoff im Grunde schon durch hatten. Nach unzähligen Diskussionen in der Stufengruppe und über einem Monat Wartezeit durften wir erneut unter strengen Auflagen in die Schule.

Atemschutzmaske, 1,5m Abstand und Desinfektionsmittel wurden zu unseren treuen Begleitern. Wobei ich zugeben muss, dass die Begrüßung durch die Lehrer jeden Morgen in der Pforte und der Smalltalk mit Herrn Renner am Eingang schon seine Vorzüge hatte.

Wir sind durch Corona ein Jahrgang, der in die Geschichte eingeht. Auch wenn auf einiges verzichtet werden musste, steht eines fest: das Abitur ist genauso einmalig und besonders wie jede einzelne von uns und wir können stolz auf uns sein, dass wir es auch mit Abstand geschafft haben.

Wir hätten nie gedacht, dass es einmal so schnell soweit ist, dass wir trotz allem - und ich rede hier nicht nur von Corona, sondern von all den Erlebnissen, Enttäuschungen und Fehlschlägen, die wir durchgemacht haben, - hier stehen können und unser Abitur feiern.

Doch jetzt, da es soweit ist, fühlt es sich schwerer an, als gedacht. Denn es bedeutet, Verlust - Verlust von Freunden, mit denen ich soviel erlebt habe, Verlust von Lehrern, die zu meinen Mentoren wurden, Verlust von so vielen Menschen, die mich geprägt haben.

Ich werde die Schulzeit, die Ferien, die Freistunden, die meistens im Zentral verbracht wurden, die Pausen, der gute alte Cookie beim Pausenverkauf, absolut alles definitiv vermissen.

Dieser Lebensabschnitt ist einer der bedeutendsten in unserem Leben, denn wir konnten uns entwickeln und immer wieder neu erfinden, wir durften Fehler machen und daraus lernen, wir konnten Freundschaften knüpfen und zusammen Erinnerungen sammeln, wir konnten wachsen und uns immer wieder übertreffen.

Die letzten Jahre sind ausschlaggebend für die Person, die wir sind und sein werden. Diese Schule hat uns den Grundstein für unser Leben gelegt, und auch wenn es schwer ist, sollten wir mit einem Lächeln im Gesicht in unsere Zukunft schauen, denn all das hat uns geformt und wird immer ein Teil von uns sein. Auch wenn wir bald über ganz Deutschland, ach was sag ich, vermutlich die ganze Welt verstreut sein werden, kann uns niemand nehmen, was wir hier erleben und lernen durften.

Ich wünsche jeder von euch aus tiefstem Herzen, dass ihr das erreicht, was ihr euch vorgenommen habt und noch viel mehr, dass ihr Fehler macht und euer Leben genießt, dass ihr viele neue Leute kennenlernt, die euch auch prägen werden, dass ihr offen für Neues bleibt und auch mal einfach was Dummes anstellt, dass ihr nicht verlernt zu lachen und euch selbst treu bleibt und dass ihr diese Zeit hier nicht vergesst.

Und wenn wir schon dabei sind und auch am Ende meiner Rede, möchte ich, so kitschig es klingt, Danke sagen an die, die mich auf diesem leider viel zu kurzem Weg begleitet haben.

Der Dank gilt nicht nur meinen Mitschülerinnen, sondern auch unseren Lehrern, die sich stets bemüht haben, uns den Unterrichtsstoff, so gut es ging, zu übermitteln, und an die Oberstufenkoordinatoren, die ihr Bestes gegeben haben, alles zu organisieren.

Ein Dank an die Eltern, die uns auf alle erdenkliche Weise unterstützt haben, und selbstverständlich ein besonderer Dank an Herrn Jehl, der das alles ermöglicht und für diesen feierlichen Abschluss gekämpft hat!

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