Besuch der Gedenkstätte Flossenbürg – ein Ort gegen das Vergessen

Die R10 der DJDR setzt ein Zeichen der Erinnerungskultur

Bereits im Vorfeld wurden die Klassen der R 10 auf den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers vorbereitet, z. B. im letzten Schuljahr durch einen Demokratie-Workshop in der jüdischen Gemeinde Amberg, durch Besprechung der Thematik im Geschichtsunterricht oder durch Unterrichtsfilme. Sehr emotional war v. a. die Reportage „Die zwei Leben des Jack Terry“, die sehr eindrucksvoll das Leben eines Überlebenden schilderte. Und so wussten wir am Morgen des 14. November bereits beim Einsteigen in den Bus, was uns an diesem Tag erwarten würde.

Bei der Ankunft am Busparkplatz in Flossenbürg wurden wir gleich von unseren drei Rundgangsleitern begrüßt. Im Herbst hat dieser Ort noch einmal eine zusätzliche drückende Stimmung. Was Häftlinge zur Zeit des Nationalsozialismus hier erleiden mussten, lässt sich nicht einmal erahnen. Unsere Rundgangsleiterin verdeutlichte zunächst die Abgeschiedenheit dieses Lagers. Man könnte meinen, dass die Nationalsozialisten versucht haben, zu verstecken, was hier Grausames vor sich ging. Doch anhand von Zeichnungen wurde deutlich, dass die Bevölkerung genau gewusst hat, was in dem Lager ablief. Im Granit-Steinbruch, der Anlass war, das Lager zu errichten, arbeiteten Einheimische und Häftlinge nebeneinander – allerdings mit dem Unterschied, dass Häftlinge keine Schutzkleidung erhielten für ihre gefährliche Arbeit. Zudem war die Bevölkerung in den Ablauf des Lagers mit involviert. In der SS-Kantine, die sich außerhalb des Lagers befand, wurden Kinoveranstaltungen organisiert, die auch die Bevölkerung von Flossenbürg besuchen durfte. Zudem arbeiteten junge einheimische Frauen als Sekretärinnen in der Kommandantur. Auch die Angehörigen der SS und deren Familien waren in den Ort eingebunden. Ein fast schon zynisch anmutender Widerspruch lag darin, dass es neben dem Lager für die SS einen Tennisplatz oder einen Sonnen-Liegeplatz für die Ehefrauen der SS-Offiziere gab, während die Schreie aus dem Lager drangen. Die Ausstellung bot dann die Gelegenheit, Einzelschicksale von Häftlingen genauer unter die Lupe zu nehmen. Schicksale von Menschen, die zuvor ein normales und geregeltes Leben führten, bis sie aus ihrem Alltag, teilweise sogar von der Straße weg, entrissen wurden. Hier tauchte dann auch Jakub Szabmacher auf, dessen Schicksal die Schülerinnen unter seinem anderen Namen, Jack Terry, im Unterricht kennengelernt hatten.

Man spielte den Häftlingen in sadistischer Weise vor, dass sie eine Chance hätten, dem Lager wieder zu entkommen – nicht zuletzt durch den Spruch „Arbeit macht frei“ über dem Eingangstor zum Lager. Die Vertuschung der Grausamkeiten des Lagers fand auch durch die offizielle Gründung der Firma „Deutsche Erd- und Steinwerke“ statt. In Wahrheit steckten dahinter aber die SS und die Nationalsozialisten. Nur hätten eventuell einige Kunden den Granit nicht gekauft, wenn sie gewusst hätten, wie der Stein gewonnen wurde.

Unzählige Menschen fanden im Steinbruch oder im Lager den Tod. Am Ende reichte das Krematorium in Selb nicht mehr aus, um die Leichen zu verbrennen und die SS errichtete ein eigenes Krematorium direkt neben dem Lager. Auf einer Rampe wurden die Leichen aus dem Lager dorthin gebracht. So war auch der Tod straff organisiert in Flossenbürg. Als auch dieser Ofen nicht mehr ausreichte, sammelte man die Leichen auf einen Haufen, begoss diesen mit Benzin und zündete diesen an. Der Leichengeruch wurde sicherlich im Ort registriert. Im Rahmen des Rundgangs wurden dann die Überreste des Arrestbaus gezeigt, in dem u. a. englische Spione, Mitglieder aus dem französischen Widerstand und Widerstandskämpfer des 20. Juli wie Dietrich Bonhoeffer kurz vor Ende der nationalsozialistischen Herrschaft den Tod fanden. Gründe, weshalb Menschen in ein Konzentrationslager kamen, konnten ganz unterschiedlich sein. So reichte bereits eine falsche Anschuldigung oder eine öffentlich geäußerte Hoffnung, der Krieg möge bald zu Ende sein.

Einige Schülerinnen haben nach dem Rundgang vor, selbst noch einmal nach Flossenbürg zu fahren, um sich in Ruhe die Ausstellung genauer anzusehen. Die jährlich stattfindende Fahrt mit der R 10 der DJDR nach Flossenbürg ist wichtig, da es in der Verantwortung der Deutschen liegt, etwas gegen das Vergessen dieser Schreckenszeit zu unternehmen. Dazu hörten die Schülerinnen am Ende ein Zitat der in diesem Jahr verstorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer.

Text, Bilder: Andreas Hilgart