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Beeindruckende Buchvorstellung: Dr. S. Krones [zurück zur Übersicht]

VorschauKnapp 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer erscheint ein Buch, in dem die Flucht des 25-jährigen Olaf Hintze in die Freiheit die Hauptrolle spielt. Vorgestellt wurde der Roman von den Autoren, Dr. Susanne Krones und Olaf Hintze.

Fächerübergreifender und alternativer Unterricht war bei der Vorstellung des neu erschienen Romans „Tonspur. Wie ich die Welt von gestern verließ“ am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium geboten: Die Autorin, Dr. Susanne Krones, präsentierte zusammen mit dem Protagonisten des Werkes, Olaf Hintze, die Verbindung von historischer Zeitzeugen-Dokumentation und literarischer Fiktion. Der Roman, der offiziell auf der Leipziger Buchmesse Mitte März vorgestellt werden wird, schildert den Werdegang Hintzes in der DDR und die Flucht des 25-jährigen 1989 über die ungarisch-deutsche Grenze.

Bei der Begrüßung der Schülerinnen aus der Mittel- und Oberstufe gab Schulleiterin Oberstudiendirektorin Renate Gammel ihrer Freude Ausdruck, dass im Rahmen des Festkalenders zum 175. Jubiläum der Schule eine ehemalige Schülerin ein Werk über die Fluchtbewegung vorstellt, die vor 25 Jahren den Auftakt bildete für den Mauerfall in Berlin und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.

Anschließend schilderte Susanne Krones, inzwischen Lektorin, Publizistin und Autorin, wie während des Studiums der Literatur- und Buchwissenschaften in München der Zufall sie mit Olaf Hintze zusammenführte und sie von dessen Fluchtgeschichte in den Westen vor dem Mauerfall zutiefst beeindruckt war. Was sie zum Schreiben reizte, war zum einen die Tatsache, dass sich in dieser persönlichen Geschichte die Fluchtbewegung tausender Anderer im gleichen Jahr widerspiegelt, die aber gegenüber den ergreifenden Bildern vom Mauerfall im November oft in den Hintergrund treten. Zum anderen war sie fasziniert von der Leidenschaft Hintzes für Musik und Literatur, die seinen Wunsch, sein Leben in Freiheit zu gestalten, entscheidend prägte.

Im Dialog mit Susanne Krones und ergänzt durch Bildeinblendungen schildert Hintze ein­drucksvoll und spannend die schrittweise Umsetzung seines Fluchtplans, der ihn während eines gemeinsamen Urlaubs mit Freunden in Rumänien und Bulgarien allein nach Ungarn zurückführt. Hier, auf einem Campingplatz in der Nähe von Sopron, studiert er ausführlich den Grenzverlauf im Umfeld des Neusiedler Sees und bereitet sich auf die Grenzflucht vor, die trotz des kurz zuvor erfolgten Abbaus der Selbstschussanlagen immer noch mit Lebensgefahr verbunden war. In der Dämmerung nimmt er die Aktion schließlich in Angriff, kommt im wilden Gebüsch und Gestrüpp nur langsam vorwärts, überwindet einen ersten Zaun, wird aber dann von der Besatzung eines ungarisches Armeefahrzeug aufgegriffen. Droht nun die Rückführung in die DDR mit Verhören und politischer Haft wegen „Republikflucht“? Die Soldaten glauben seine Notlüge, er sei ein verirrter Tourist, und bringen ihn zum Ausgangspunkt bei Sopron zurück.

Woher nun in diesem Schockzustand aber der Mut zum zweiten Anlauf? Deutlich wird hier, so wie auch in anderen wichtigen Situationen während seiner Jugend in der DDR, dass sich als die unerschöpfliche Quelle dieser Kraft die Literatur erweist. Das Buch, das Hintze auf dem Campingplatz noch im Rucksack bei sich hat, gibt ihm, wie schon oft, Stärke und Entschlossenheit: Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“, ein autobiographisches Werk, in dem Zweig über die Stimmung des Aufbruchs und der kulturellen Freiheit im Wien der 1920er Jahre schrieb. Hintzes zweiter Anlauf an anderer Stelle ist erfolgreich: nach Überwindung der zwei Drahtzäune und einer letzten Wand aus Draht, Stahl und Eisen ist er im Westen.

In einem zweiten Teil erläutert Hintze den gespannt lauschenden Schülerinnen, warum er die DDR verlassen hat. Er erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen und macht deutlich, was für ihn diesen Staat und die von ihm angepasste Gesellschaft besonders kennzeichnete: Kontrolle und Unterdrückung, Misstrauen und Angst. Halt geben ihm, neben wenigen Menschen wie z.B. dem Vater, der ihn für die kritische Wahrnehmung der politischen Situation sensibilisierte, vor allem die Musik und Literatur.

Die Popmusik, mitgeschnitten bei den westdeutschen Rundfunksendern auf unzähligen Kassetten, sparsam erweitert durch „Lizenzplatten“ westlicher Bands und Interpreten, wird zur „Tonspur“ seines Lebens in der DDR – die Playlist fängt die Sounds seiner Generation ein und reicht von den Beatles, Chicago, den Dire Straits, Kate Bush, Mike Oldfield bis zu Nena und der Spider Murphy Gang, die er sogar 1983 bei ihrem Konzert in Gera live miterleben kann.

Schlüsselerlebnis wird für Hintze die Erfahrung der Unnachsichtigkeit der DDR-Staatsmacht: Nach einer feucht-fröhlichen Abschiedsfeier vom Zivilleben vor dem Wehrdienstantritt zerrt er lauthals an einer DDR-Fahne in der für den 1. Mai festlich geschmückten Fußgängerzone - die Fahnenstange zerbricht, die Staatsflagge liegt am Boden! Kurz darauf werden auf der Polizeiwache drei Akten angelegt, für Kriminalpolizei, Staatssicherheit und den Betrieb, in dem Hintze beschäftigt war. Eine Laufbahn als Funker bei der NVA ist nun nicht mehr möglich, die späteren Bewerbungen um Studienplätze sind sinnlos. In dieser schwierigen Zeit der Perspektivlosigkeit findet er Halt in der Literatur; in einem privilegierten Bücherladen entdeckt er das Grundlagenwerk, das ihm immer wieder Klarheit vermittelt und Kraft spendet - Stefans Zweigs „Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers“ -, das Buch, das er auch in Ungarn noch im Rucksack hat.

(djd-Pressebericht/Rudolf Künstler vom 27. Feb. 2014; Bilder: djd)

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