In tiefer Erinnerung

Mit großer Trauer haben wir vom Tod unserer früheren Kollegin und Lehrerin Fachlehrerin i.K. M. Lienharda Leichtle erfahren (04. Juli 1927 – 23. März 2019).

Sr. Lienharda unterrichtete an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen von 1954 bis 1991 Textiles Gestalten.

In ihrer Verabschiedung im Jahresbericht 1991/92 schrieb die damalige Schulleiterin, Oberstudiendirektorin i. K. M. Canisia Engl unter anderem:

Wir kannten und schätzten sie als stille, bescheidene Kollegin, als eine in ihrem Beruf sehr tatkräftige, tüchtige und auch mutige Handarbeitslehrerin. Kein Wunder, dass sich Sr. Lienharda der uneingeschränkten Liebe und Wertschätzung ihrer Schülerinnen erfreute; denn sie ersann immer wieder wunderschöne Dinge zum Anziehen und zur Wohngestaltung, die sie mit den Schülerinnen im wahrsten Sinne des Wortes so gekonnt herstellte, dass sie überall Gefallen fanden!

Sie arbeitete mit ihren Schülerinnen und für ihre Mädchen mit unerschöpflicher Geduld, beriet sie auch außerhalb des Unterrichts über den Fortgang eines Werkes und zauberte nicht selten aus Verunglücktem erstaunlich Schönes und Brauchbares. Die Schülerinnen fühlten sich von ihr verstanden, zumal sie meist kommentarlos und humorvoll Kleider- oder Hosensäume zur Kenntnis nahm, die auf wunderbare Weise von einer Anprobe zur anderen nach oben gerutscht waren: Bei aller Wahrung notwendiger Grenzen zeigte sie sich sogar für Modegags aufgeschlossen.
Sr. M. Lienharda erwarb sich in den 37 Jahren ihres Wirkens an unserer Schule unschätzbare Verdienste als Lehrerin und Erzieherin.“

Schwester M. Ingeborg erwies sich stets und in allen Klassenstufen als sehr begabte, feinsinnige Lehrerin und engagierte Erzieherin. Von ihrer Menschenfreundlichkeit und sozialen Aufgeschlossenheit profitierten nicht nur Schülerinnen, Eltern, Kollegen und Kolleginnen, sondern auch Asylanten, politisch Verfolgte in vielen Ländern der Erde, einsame Alte in Heimen, Lernbehinderte und soziale Randgruppen in unserer Gesellschaft. In großer Treue stand sie immer und unermüdlich allen bei, die ihrer Hilfe bedurften.

Auch im Alltag der Schule war sie stets zu allen möglichen Nothelfer- oder "Feuerwehr"-Einsätzen bereit. So erfreute sich Sr. M. Ingeborg auch großer allseitiger Beliebtheit: Über viele Jahre wurde sie von den Oberstufenschülerinnen als Verbindungslehrerin der SMV und von der Kollegenschaft in die Mitarbeitervertretung gewählt. Im Umgang mit den Schülerinnen, mit den Studienreferendar(inn)en, die sie im Zweigschuleinsatz betreute, und den Kolleg(inn)en der Fachgruppe Deutsch, die sie leitete, immer freundlich und aufmerksam, konnte sie gelegentlich sehr energisch, zuweilen auch zornig werden, wenn sich jemand besonders bockbeinig stellte.

So wird sie uns im Gedächtnis bleiben: aufgeschlossen, freundlich, liebenswürdig und hilfsbereit, im Lehrerzimmer meist (und nicht selten auch zu Sitzungen) mit Strickzeug und Unterschriftenliste für irgendeinen Gefangenen erscheinend, stets bereit, für gute Taten zu werben, und ansonsten unverdrossen Förderunterricht erteilend. Sie wird uns sehr fehlen.“

Im Alter von 64 Jahren wurde Sr. Lienharda dann Pförtnerin des Mutterhauses der Kongregation der A. Schulschwestern in München und versah diesen Dienst noch viele Jahre.

Wir werden sie nicht vergessen.

Foto: DJDS-Jahresbericht 1986/87